Şerbet: traditionelles aromatisches alkoholfreies Getränk
Der Şerbet ist ein beliebtes alkoholfreies Getränk aus dem Nahen Osten und der Türkei. Traditionell wird er aus Früchten, Blüten, Kräutern, Gewürzen oder Kombinationen davon zubereitet, die in Wasser gekocht und anschließend mit Zucker oder Honig gesüßt werden. Auf den Tisch kommt Şerbet vor allem gekühlt und oft mit Eis.
In der türkischen Küche und Kultur hat Şerbet eine lange Geschichte, die bis ins Osmanische Reich zurückreicht.

Geschichte und Herkunft des Şerbets
Seine Wurzeln hat der Şerbet in Persien und in der arabischen Welt, von wo aus er ins Osmanische Reich und später in weitere Regionen gelangte - auf den Balkan, in den Kaukasus und nach Indien. Die Osmanen übernahmen das Getränk schon in der frühen Phase ihrer Expansion. Am osmanischen Hof war Şerbet beliebt und wurde als Zeichen von Gastfreundschaft und Luxus gereicht. Zur Zeit des Osmanischen Reiches gab es in den Palästen sogar eigene Küchen, die ausschließlich der Zubereitung von Şerbet dienten.
Von der Türkei aus verbreitete sich das Getränk nach und nach in Europa, wo es zur Grundlage moderner Fruchtsirupe und Limonaden wurde. Das Wort "sherbet" wurde ins Englische und in weitere europäische Sprachen übernommen und bezeichnet dort süße Fruchtsirupe oder Eisdesserts.
Typische Zutaten des türkischen Şerbets
Ein typischer Şerbet besteht aus einem natürlichen Auszug von Kräutern, Gewürzen, Blüten und Früchten in Wasser, gesüßt mit Zucker. Er ist weder vergoren noch alkoholisch, es handelt sich eher um einen aromatisierten Sirup, den man mit Wasser oder Eis verdünnt.
Die häufigsten Grundzutaten sind:
- Blüten: Rose (gül şerbeti), Lavendel, Hibiskus.
- Kräuter: Basilikum (reyhan şerbeti), Minze.
- Gewürze: Zimt, Nelken, Kardamom.
- Früchte: Sauerkirschen, Granatäpfel, Pflaumen, Aprikosen.
- Süßungsmittel: traditionell natürlicher Zucker oder Honig.
- Säure: Zitronensaft oder Zitronensäure ("limon tuzu").
Die Zutaten werden oft zuerst aufgekocht, damit sie ihr Aroma abgeben, dann wird der Sud abgeseiht und kalt gestellt. Heraus kommt ein frisches, aromatisches Getränk, das leicht trüb und kräftig gefärbt sein kann.
Die beliebtesten Şerbet-Sorten
Zu den beliebtesten Sorten gehören:
- Rosen-Şerbet (aus Rosenblättern oder Rosenwasser).
- Zitrus-Şerbet (aus Zitronen, Orangen oder Limetten).
- Granatapfel-Şerbet (aus Granatäpfeln).
- Basilikum-Şerbet (aus Basilikum und Zitrusfrüchten).
- Zimt-Şerbet.
- Tamarinden-Şerbet.
Für mehr Geschmack und Aroma kommen oft weitere Zutaten hinzu - Zimt, Kardamom, Nelken oder Safran.
Bräuche, Traditionen und Symbolik rund um den Şerbet
In der türkischen Kultur spielt Şerbet bei Festen und Zeremonien eine wichtige Rolle. Traditionell wird er etwa auf Hochzeiten, bei Verlobungsfeiern, an Geburtstagen oder zur Geburt eines Kindes gereicht. Er steht für Gastfreundschaft, Glück und Wohlstand. Bei Hochzeitszeremonien kommt häufig Rosen-Şerbet auf den Tisch, der für Liebe und Harmonie steht.
Früher gab es außerdem eigene Bräuche dafür, wie man den Gästen im Haus Şerbet anbot. Ein angebotener Şerbet war ein Zeichen von Respekt, Freundschaft und herzlicher Gastfreundschaft. Dem Volksglauben nach brachte Şerbet aus bestimmten Kräutern Gesundheit oder Schutz vor bösen Geistern (heute sind diese Bräuche allerdings kaum noch verbreitet).
Varianten des Şerbets kennt man auch in Ländern wie dem Iran, Indien oder Pakistan.
Das Sorbet als Nachfolger des Şerbets
Etymologisch lässt sich das Wort "Sorbet" (im Deutschen wie in anderen europäischen Sprachen) eindeutig auf das Wort "shariba" ("trinken") zurückführen. Aus diesem arabischen Wort entstand der Ausdruck "sharbat" für ein süßes Getränk, das über die persische und die türkische Kultur nach Europa gelangte.
In den europäischen Sprachen wurde der Ausdruck lautlich zu "Sorbet" (italienisch "sorbetto") umgeformt und bezeichnete zunächst ein süßes Sirupgetränk oder ein gekühltes Dessert auf Basis von Früchten oder Fruchtsäften. Nach und nach setzte sich "Sorbet" als Bezeichnung für ein leichtes Fruchteis ohne Milchprodukte durch.
Das Wort "Sorbet" geht also direkt auf das ursprüngliche "şerbet" zurück.
Auf den Karten türkischer Restaurants findet man Şerbet nicht allzu oft, umso mehr habe ich mich gefreut, dass ich im Konya Sufi Restaurant Geleneksel Konya Mutfağı einen Basilikum-Şerbet probieren konnte (siehe Wo man in Konya essen geht). Er war angenehm erfrischend, schmeckte deutlich nach Nelken, mit einer krautigen Note im Hintergrund, und was ich am meisten schätze: Er war nicht übersüßt. Ein großes Glas kostete 90 TRY (2,20 EUR).
In der Türkei bekommst du in den Läden auch große Tüten mit fertig gemischten Kräutern und Gewürzen, um Şerbet zu Hause zuzubereiten. Für mich die ideale Leckerei, die du aus der Türkei mitbringen kannst!
Lass dir den Şerbet schmecken!