Alkohol
Fast jedes Land, das ich bereist habe, hat ein alkoholisches Getränk, auf das es schwört - die Armenier ihren Brandy, die Türken den Anis-Rakı, die Basken den Patxaran aus wilden Schlehen. Sie zu probieren gehört für mich genauso zum Kennenlernen eines Landes wie ein Gang über den örtlichen Markt. Ansonsten ziehe ich Wein dem Hochprozentigen vor und trinke immer weniger.
Zugegeben: Den Sober-Trend beobachte ich auch an mir selbst. In letzter Zeit trinke ich nur noch wenig und unterwegs koste ich lieber bei Mitreisenden mit, wenn es sich anbietet. Und weil mein liebstes Reiseziel der Nahe Osten ist, wo kaum Alkohol getrunken wird, genieße ich eine Reise auch ganz ohne Alkohol in vollen Zügen - im Irak wie auch im Iran übernimmt der Tee die Rolle des geselligen Getränks.

Bier und Wein
Bier probiere ich in fast jedem Land, in das ich komme - in Dublin bin ich deswegen gleich ins Guinness Storehouse gepilgert. Von allen alkoholischen Getränken mag ich aber Wein am liebsten. Neben den Klassikern aus Frankreich, Italien und Spanien habe ich auch armenische, israelische und tunesische Weine probiert.

Brandy aus dem Kaukasus und vom Balkan
Die Bezeichnung Cognac dürfen offiziell nur Brennereien rund um das französische Cognac führen. Im Kaukasus kümmert das niemanden - Brandy heißt dort seit jeher Cognac. Die meisten Brandy-Verkostungen habe ich in Armenien erlebt. In Eriwan habe ich an einem einzigen Tag die Führungen beider konkurrierenden Brennereien geschafft: das moderne Brandy-Museum Ararat - dessen Brandy sich Churchill nach der Konferenz von Jalta angeblich schicken ließ - und die altmodischere Fabrik Noy, wo man mir zur Verkostung Likörweine aus den Jahren 1913 und 1924 einschenkte (ehrlich gesagt würde ich für ihre Verkostung kein zweites Mal extra bezahlen).
Weindestillate reifen aber auch weiter östlich. Der siebenjährige kirgisische Cognac Kyrgyzstan hat mich regelrecht begeistert, auch wenn die Natur rund um den Songköl-See, wohin ich die Flasche mitgenommen hatte, ihren Teil dazu beigetragen haben mag. Qualitativ würde ich ihn bedenkenlos mit dem fünfjährigen albanischen Brandy Skënderbeu vergleichen - der wiederum ist mit mir durch die albanischen Berge gewandert. Und in Bulgarien habe ich am Schwarzen Meer den Brandy Pliska probiert, benannt nach der ersten Hauptstadt des Landes.
Anisbrände und Traubenbrände
Anisbrände gehören zu meinen Favoriten, obwohl ich hochprozentigem Alkohol sonst wenig abgewinnen kann. Von meiner Reise durch die Türkei habe ich eine Flasche Rakı Efe Göbek mitgebracht - göbek heißt auf Türkisch Nabel und bezeichnet den mittleren, wertvollsten Teil des Destillats. Mit Wasser vermischt trübt sich der Rakı milchig weiß ein, deshalb nennen ihn die Türken Löwenmilch. Im Baskenland wiederum ziehen wilde Schlehen monatelang in Anisbrand: Das Ergebnis ist der Patxaran, den ich zum ersten Mal in Alicante probiert habe. Für die Traubenbrände stehen das albanische Raki rrushi, das dort Hochzeiten, Taufen und Beerdigungen begleitet, und der georgische Tschatscha.

Liköre: vom Herbero bis zum Limoncello
Zu einem Digestif nach einem guten Essen sage ich nie Nein. Der beste Kräuterlikör, den ich je getrunken habe, ist für mich der Herbero aus den Bergen über Alicante - unsere vierköpfige Runde bekam ihn eisgekühlt aufs Haus, und seitdem schwöre ich darauf. Der sardische Mirto aus Myrtenbeeren hat mich überrascht: Ich hatte einen Geschmack wie beim tschechischen Kräuterlikör Becherovka erwartet, bekommen habe ich etwas Feineres, entfernt Salbeiartiges. Und der zitronige Limoncello aus Sorrent gehört zu den schönsten Mitbringseln, die du aus Süditalien mit nach Hause nehmen kannst.
Wenn du Herstellern gern über die Schulter schaust, empfehle ich Führungen. Auf Mauritius habe ich die Rumdestillerie Rhumerie de Chamarel besichtigt, wo die Verkostung von acht Proben mauritischen Rums und von Rumlikören gleich im Eintrittspreis enthalten ist. In Dublin lohnt wiederum die Jameson-Destillerie einen Besuch, nur fließt dort statt Rum Whiskey.
Mixgetränke auf spanische Art
Wenn es tagsüber etwas Leichtes sein soll, ist Spanien für mich die erste Adresse. Tinto de verano, Rotwein mit Zitronenlimonade, gönne ich mir bei jedem Besuch des Landes. Im Baskenland greife ich stattdessen zum Kalimotxo - Wein mit Cola, den ich als armer Student im Wohnheim übrigens auch selbst zusammengerührt habe; in Deutschland kennt man die Mischung unter dem derben Namen "Kalte Muschi" (nur trennen die beiden Versionen bei der Qualität der Zutaten Welten). Vor dem Mittagessen kommt la hora del vermut, die Vermut-Stunde mit Tapas. Und die Sangría, die man 1964 auf der Weltausstellung in New York zum spanischen Nationalgetränk erklärte, habe ich mit meinen Eltern im Madrider Restaurant Ojalá genossen - traditionell angesetzt war sie perfekt.

Alkohol nehme ich unterwegs wie ein Gewürz: Eine Prise reicht. Ein Glas der örtlichen Spezialität sagt mir genug über ein Land - und dort, wo gar nicht getrunken wird, fehlt mir nichts.
Trink mit Maß. Zum Wohl!
Albanischer Brandy Skënderbeu
Der albanische Brandy Skënderbeu ist ein traditionelles Destillat aus albanischen Trauben, berühmt für seine Bernsteinfarbe und sein komplexes Aroma. Benannt ist er nach dem berühmten albanischen Feldherrn Skanderbeg, der für Tapferkeit und die Einheit der Albaner steht. In Albanien wird Skënderbeu zu Festen und bei Familientreffen ausgeschenkt und ist in Supermärkten problemlos zu bekommen.
Raki rrushi: albanischer Nationalschnaps aus Trauben
Raki rrushi ist ein traditioneller albanischer Schnaps aus Trauben. In Albanien ist er das beliebteste alkoholische Getränk. Raki rrushi wird zu festlichen Anlässen gereicht, bei Hochzeiten, Taufen und auch bei Beerdigungen. Neben Raki rrushi brennt man in Albanien auch Raki aus Maulbeeren, Pflaumen, Feigen oder Äpfeln.
Rakı: das türkische Nationalgetränk
Rakı ist ein traditioneller türkischer Schnaps aus Trauben und Anis. Der Brand, oft als "türkisches alkoholisches Nationalgetränk" bezeichnet, wird mit Wasser oder Eis getrunken. Der wertvollste Teil des Rakı heißt "göbek". Verwandt ist Rakı mit Getränken wie dem griechischen Ouzo oder dem Arak aus dem Nahen Osten.
Kirgisischer Cognac
Die Cognac-Herstellung hat in Kirgisistan eine Tradition, die bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts zurückreicht. Der größte Produzent, Kyrgyz Konyagy, arbeitet nach klassischen Verfahren und hat eine breite Palette an Cognacs im Programm, die 3 bis 20 Jahre in Eichenfässern reifen. Das Ergebnis sind Getränke mit vollem Geschmack und Aroma, die es mit ausländischen Cognacs durchaus aufnehmen. Zu den bekanntesten Marken gehören der siebenjährige Kyrgyzstan und der fünfjährige Bishkek - beide durfte ich selbst probieren.
Sangría: spanischer Wein mit eingelegten Früchten
Sangría ist spanischer Rotwein, in dem ein paar Stunden lang Orangen- und Zitronenstücke mit Zucker und Zimt mazerieren und der eisgekühlt im Krug auf den Tisch kommt. Die Welt hält sie für das spanischste aller Getränke, dabei ist der Name wohl aus dem Englischen ins Spanische gewandert, und die Spanier trinken sie eher zu Hause und zum Feiern als in der Bar. Woher sie stammt, wie sie sich vom Tinto de verano unterscheidet und woran du die hausgemachte erkennst.
Tinto de verano: spanischer Sommerwein mit Limonade
Tinto de verano ist das Sommergetränk, das die Spanier öfter trinken als Sangría und von dem der Rest der Welt kaum etwas weiß: billiger Rotwein und Zitronenlimonade oder süße Brause eins zu eins, viel Eis, eine Zitronenscheibe. Die Legende von der Entstehung in Córdoba hat einen Wirt und sogar einen Film, nur keinen Beleg. Was "con limón" und "con blanca" bedeuten und warum guter Wein darin nichts zu suchen hat.
La hora del vermut: die spanische Stunde des Vermuts
Der Name ist deutsch, das Getränk italienisch und der Brauch spanisch: Zwischen Mittag und Mittagessen steht man mit Eis, Olive und Sodawasser im Glas an der Bar, und das heißt la hora del vermut. Was im Glas steckt, warum er vom Fass kommt, wie das Getränk aus Turin nach Reus kam und wie der hauseigene Rojo in zwei Vermuterías in Alicante geschmeckt hat.
Patxaran: Schlehenlikör aus Navarra und dem Baskenland
Patxaran ist ein Likör aus wilden Schlehen, die monatelang in Anisschnaps ziehen - ein dunkelrubinroter, süßer und eiskalter Digestif, den man in ganz Spanien trinkt. Sein Name ist baskisch, die geschützte Bezeichnung Pacharán Navarro gehört aber Navarra. Was "de Arañón" auf dem Etikett bedeutet, warum die Legende von den Mönchen nicht stimmt und wie er nach dem Degustationsmenü in Alicante geschmeckt hat.
Herbero: der Kräuterlikör aus der Sierra de Mariola
Der Herbero ist ein Kräuterlikör aus der Sierra de Mariola an der Grenze zwischen den Provinzen Alicante und Valencia. In der Anisbasis mazerieren mindestens vier Bergkräuter, die oft direkt in der Flasche bleiben. Hergestellt wird er in sieben Gemeinden rund um das Gebirge, jede auf ihre Art - in Alcoy trocken, in Bocairent süßer. Nach dem Essen spendieren die Lokale in der Provinz Alicante ihren Gästen ein Gläschen davon zur Rechnung.
Kalimotxo: der baskische Name für Wein mit Cola
Kalimotxo ist billiger Rotwein mit Cola, halb und halb, mit Eis und einer Zitronenscheibe - bei uns in Tschechien als houba bekannt. Wein mit Cola wurde in Spanien schon lange gemischt, den Namen gab ihm aber erst eine Clique aus Getxo, der im August 1972 zweitausend Liter Wein umkippten. Wie man den Kalimotxo auf baskischen Festen trinkt, warum er zwei Schreibweisen hat und wie er in der Sonne vor einer Bar in San Sebastián geschmeckt hat.