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Ak Emir Bazaar: ein kleiner Markt im Zentrum von Bischkek

Dan Špaňhel Kirgisistan Aktualisiert Keine Kommentare

Bischkek ist eine Stadt der großen Basare: Der aus Containern gebaute Dordoi gilt oft als größter Markt für Konsumgüter in Zentralasien, und zum Osh Bazaar findet früher oder später fast jeder Besucher der Stadt. Und dann gibt es einen Markt, der so klein ist, dass er es in lokale Übersichten der Bischkeker Märkte meist gar nicht erst schafft - und trotzdem einen städtischen Rekord hält. Der Ak Emir Bazaar (russisch: Ак-Эмир базар) ist ein kleiner Lebensmittelmarkt im Zentrum von Bischkek, ein paar Blocks südlich des Kaufhauses GUM, der die umliegenden Straßen mit allem versorgt, worauf die kirgisische Küche beruht - von Obst der Saison bis zu geräuchertem Fisch. Der Rekord? Laut lokalen Journalisten kauft man nirgendwo in der ganzen Hauptstadt so teuer ein wie hier.

Ak Emir Bazaar: Obst der Saison im Angebot.
Ak Emir Bazaar: Obst der Saison im Angebot.

Was Ak Emir bedeutet und wie man es schreibt

Der Name lässt sich übersetzen: ak heißt auf Kirgisisch weiß - in Ortsnamen schwingen auch die Bedeutungen rein und gesegnet mit - und emir kam über das arabische amir, Herrscher, ins Kirgisische. Der Weiße Emir. Warum ausgerechnet ein Gemüsemarkt im Viertel einen Herrschertitel trägt, wird nirgendwo erklärt; die Einheimischen sind sich ohnehin nicht einmal über die Schreibweise einig - Bischkeker Nachrichtenportale schreiben den Namen mit zwei m, Ak Emmir, während Karten und Reiseseiten mit einem auskommen. Und noch eine sprachliche Schicht hat der Markt: Auf Kirgisisch heißt er bazar, die russischsprachigen Zeitungen Bischkeks nennen Märkte aber überwiegend rynok. Vielleicht auch deshalb, weil bazar im umgangssprachlichen Russisch auch Lärm und leeres Geschwätz bedeutet; das Wort selbst kam aus dem Persischen über die Turksprachen und ist im Russischen schon 1499 belegt. In diesem Sinne ist der Ak Emir ein Basar fast ohne bazar: ruhig und aufgeräumt.

Ak Emir unter den Bischkeker Riesen

In der Rangordnung der Bischkeker Märkte steht der Ak Emir am anderen Ende der Skala als die berühmten Namen. Der Osh Bazaar versorgt den Westen des Zentrums und kann einen ganzen Vormittag verschlucken, der Orto Say bedient den Süden der Stadt. Neben ihnen schafft es der Ak Emir meist nicht in die Übersichten der wichtigsten Märkte der Stadt: Er ist ein Markt für ein einziges Viertel, zu dem man zu Fuß und mit Einkaufstasche geht, nicht wie zu einer Expedition. Der Basar als Institution ist in ganz Zentralasien zu Hause - dieser hier gehört vor allem ein paar umliegenden Straßen.

Ak Emir Bazaar: Gemüse und Kräuterbündel.
Ak Emir Bazaar: Gemüse und Kräuterbündel.

Was auf den Theken liegt und was es kostet

Im Mittelpunkt stehen Lebensmittel für jeden Tag: Pyramiden aus Obst der Saison, Kräuterbündel und Frühlingszwiebeln mit einem Gummiband zusammengehalten, Auberginen, Paprika und geschälte Maiskolben. Eine Kühlvitrine ein Stück weiter ist fertigen Salaten vorbehalten - Glasnudeln mit Karotten, Auberginen in Soße, Pilze: ein Angebot, das sich nicht von den koreanischen Salaten unterscheiden lässt, die die Korjo-Saram, 1937 nach Zentralasien deportierte Koreaner, auf die Märkte der ehemaligen Sowjetunion gebracht haben; ihr Karottensalat Morkowtscha entstand als Ersatz für Kimchi dort, wo es keinen Chinakohl gab.

Ak Emir Bazaar: fertige Salate aus der Kühlvitrine.
Ak Emir Bazaar: fertige Salate aus der Kühlvitrine.

In der Vitrine daneben liegen mit Schnur gebundene geräucherte Hähnchen und halbierte Fische mit orange verfärbtem Fleisch. Aus dem Issyk-Kul stammen sie so gut wie sicher nicht, auch wenn das besser ins Postkartenbild passen würde: Auf dem See gilt ein Fangverbot, und der Fisch auf einer Bischkeker Theke kommt eher aus heimischer Zucht oder aus dem Import. Bei den Trockenfrüchten steht der Preis mit Filzstift direkt auf dem Rand der Wanne: Mandeln in der Schale und Pistazien gleichermaßen für 1.600 Som pro Kilo, daneben getrocknete Aprikosen, Datteln und Rosinen in mehreren Farbtönen.

Ak Emir Bazaar: geräucherte Hähnchen und Fisch.
Ak Emir Bazaar: geräucherte Hähnchen und Fisch.

Der Ruf als teurer Markt ist keine üble Nachrede der Konkurrenz. Das lokale Nachrichtenportal kaktus.media zog mit der Kamera zum Osh Bazaar und zum Ak Emir und verglich die Theken Posten für Posten: Kartoffeln für 65 Som gegenüber 40, Karotten für 80 gegenüber 45 bis 50, Tomaten für 200 gegenüber 135. Den Titel "teuerster Markt der Hauptstadt" hat der Ak Emir unangefochten eingeheimst - Konkurrenz hat hier schlicht keinen Platz, und bezahlt wird auch die zentrale Lage. Er ist der Späti an der Ecke in Marktform: kein Ort für den Großeinkauf, sondern die Rettung, wenn auf dem Heimweg etwas ausgegangen ist - und genau wie beim Späti zahlst du diesen Service mit.

Ak Emir Bazaar: Trockenfrüchte und Nüsse.
Ak Emir Bazaar: Trockenfrüchte und Nüsse.

Zwischenstopp am Ak Emir

Der Ak Emir war mein dritter Markt in Bischkek, nach dem Osh Bazaar und dem Orto Say. Neben den beiden ist er eine Miniatur und damit gut organisiert und übersichtlich. Die Übersichtlichkeit ist sein größter Trumpf und die Preise sind der Tribut dafür: Sie liegen etwas höher als auf den großen Märkten. Ein Abstecher hierher lohnt sich, wenn du ein paar Gehminuten entfernt wohnst oder es nicht auf die großen Märkte schaffst; einen Umweg ist er meiner Meinung nach nicht wert. Am besten hat es ein Laden mit hausgemachten Milchprodukten gleich hinter dem Obststand zusammengefasst, der auf seinem Schild "У нас дешевле!" versprach - bei uns billiger. Auf dem teuersten Markt der Hauptstadt ist das die kühnste Werbung weit und breit.

Ak Emir Bazaar

Dan Špaňhel

Dan Špaňhel

Ich bin Dan. Ich schreibe nur über das, was ich selbst gekostet habe - vom Straßenstand bis zum Michelin-Stern. Für gutes Essen habe ich die halbe Welt bereist und alles Mögliche probiert - auch das Unmögliche.

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