Restaurant Alma, Prag: Bib Gourmand des Guide Michelin in einem ehemaligen Kino
Über dem Durchgang leuchtet der Schriftzug "Restaurant noch weiter hinten". Der Raum davor ist am Montagabend leer - Theke, Garderobe und Tische unter dem türkisfarbenen Neonschriftzug ALMA. Wer dem Schild folgt und weitergeht, steht plötzlich in einem vollen Saal, in dem an den Tischen auffallend viel Englisch zu hören ist. Das Alma ist ein Restaurant in einem ehemaligen Kino aus der Zeit der Ersten Republik in der Prager Gasse V Jirchářích, betrieben von der Gruppe Kro: moderne tschechische Küche, seit Dezember 2025 mit dem Bib Gourmand des Guide Michelin.

Das Kino Alma und die Kro-Bistros
Seinen Namen hat es vom Kino geerbt, das früher im Haus untergebracht war: Ein Zeitzeuge erinnerte sich an die Leuchtschrift Bio Alma, die angeblich bis zur Národní třída zu sehen war; noch in den Sechzigerjahren lief hier laut der Website des Restaurants Fellini. Die Gasse ist nach den jircháři benannt, den Weißgerbern, die hier einst feines Leder gerbten. Auch das vom Tier zu verwerten, womit man anderswo nichts anzufangen weiß, versteht man hier also schon ein paar Jahrhunderte länger, als hier gekocht wird - heute führen die Kutteln in sämiger Soße diese Tradition auf der Karte fort.
Eröffnet haben das Alma im Sommer 2023 Vojtěch Václavík und Petr Němec, die seit 2019 aus einem Bistro mit siebzehn Plätzen in Vinohrady eine ganze Familie von Kro-Lokalen großgezogen haben: Bistros und ein Café in Vinohrady, Vršovice und Libeň, die Bäckerei KRO Bakery, ein Catering, eine Marke für Fermentiertes und den Weinimporteur Alma Wines. Das Alma fällt aus dieser Reihe: Auf rund 800 Quadratmetern finden neben dem Restaurant ein Café, ein Fermentationslabor und eine Bar Platz. Und gerade die Bar macht das Lokal über die Grenzen hinaus bekannt - im ersten Ranking Europe's 50 Best Bars 2026 landete sie auf Platz 25 in Europa und war damit die beste Bar Tschechiens.
Was die offene Küche von Petr Židek in den Saal schickt
Die Küche leitet Petr Židek, ein Koch mit einer Schwäche für offenes Feuer; der zweite aus dem Eröffnungsduo, Michal Daněk, ist heute Creative Chef der ganzen Gruppe. Gekocht wird mit Zutaten von mehr als dreißig Höfen aus der Umgebung, und viele Zutaten fermentiert und reift das Alma selbst. Das Tatar kommt mit einer Emulsion aus Rinder-Garum (395 CZK/15,80 EUR), der Saibling mit Buttermilch und Yuzu Kosho (385 CZK/15,40 EUR), der Langosch mit Ketchup, Knoblauchemulsion und Kromte-Käse (355 CZK/14,20 EUR); die Kutteln in sämiger Soße mit Nduja und Fenchel (385 CZK/15,40 EUR). Dazu gibt es Sauerteigbrot aus der gruppeneigenen Bäckerei mit aufgeschlagener Butter (65 CZK/2,60 EUR). Jede Komponente auf dem Teller ist für sich abgeschmeckt, und trotzdem passt alles zusammen; nur die Portionen sind ehrlich gesagt klein, die Vorspeisen sind kaum mehr als ein paar Bissen.




Montagabend zu viert und die Preisfrage
Ins Alma kamen wir zu viert - Freunde aus der Uni, mit denen ich ab und zu essen gehe. Von den Hauptgerichten hatten wir den pochierten Wels mit mariniertem Kürbis und Beurre blanc (635 CZK/25 EUR), vollendet mit einer geflämmten Kruste. Die gereifte Entenbrust mit Prejt (ohne Darm gegarter Blutwurstmasse), Roter Bete und Jus mit Räucherspeck (725 CZK/29 EUR) kam innen rosa auf den Tisch. Die Beilagen kosten extra - gegrillte Frühkartoffeln mit Quark (225 CZK/9 EUR) und eingelegtes Gemüse (195 CZK/7,80 EUR), bei dem die eingelegte Babykarotte vielleicht das Beste des ganzen Abends war. Der Wels mit Kartoffeln kommt so auf 860 CZK (34 EUR), die Ente mit Gemüse auf 920 CZK (37 EUR).


Um uns kümmerte man sich im Alma dabei unaufdringlich: Die Musik lief gerade so laut, dass sie nicht störte, und das Servicepersonal wechselte zwischen Tschechisch und Englisch mit einem Akzent, um den ich es im Stillen beneidete. Der Service war der stärkste Teil des Abends: aufmerksam, schnell, ohne Zeremoniell - ich würde ihn sogar mit Lokalen eine Klasse höher vergleichen.
Und dann sind da die Preise. Den Bib Gourmand vergibt Michelin für drei Gänge zu einem vernünftigen Preis - die Obergrenze ist von Land zu Land verschieden, und für Tschechien veröffentlicht Michelin sie nicht. Unter den Prager Bib-Gourmand-Adressen liegt das Alma am teureren Ende: Im U Matěje bekommst du ein Hauptgericht für 335 bis 495 CZK (13,40-19,80 EUR), im Výčep für 385 bis 685 CZK (15,40-27 EUR). Den Brotteller haben wir bei diesen Portionen zweimal bestellt, damit wir nicht hungrig nach Hause gehen. Nimm das als subjektive Rechnung von vier Leuten an einem Tisch, nicht als Beschwerde - eher als Bericht darüber, wohin sich in Prag die Preise bewegen. Der Saal war am Montagabend voll, und so ziehe ich vor der Preisgestaltung, über die wir den Kopf geschüttelt haben, am Ende den Hut - die Nachfrage gibt dem Alma recht. Eine günstigere Eintrittskarte für Žideks Küche gibt es übrigens: das Mittagsmenü, bei dem ein Hauptgericht ungefähr so viel kostet wie abends eine Vorspeise. Und zum Jahreswechsel bereitet das Alma ein Silvester-Degustationsmenü vor - Einzelheiten im Artikel Wohin an Silvester in Prag.

Ich bin an diesem Abend ohne Hauptgericht ausgekommen: Ich hatte die Kutteln, den Langosch und eine Tarte Tatin mit Äpfeln und Eis aus geräuchertem Honig und Whiskey (275 CZK/11 EUR). Die Kutteln waren perfekt - zart, leicht pikant, luftig. Im Kuchen lagen die Äpfel in dünnen Scheiben so dicht geschichtet, dass im Anschnitt keine Luft blieb, im Boden knirschten spürbare Salzkristalle. Mein Herz schlägt für die klassische französische Version der Tarte Tatin, aber die Arbeit hinter dieser Schichtung wusste ich zu schätzen. Dazu drei Krystus - ein alkoholfreies IPA der Brauerei Clock, das ich schon beim Automat Matuška gelobt habe; hier kostet es 79 CZK (3,20 EUR) für 0,4 Liter, genauso viel wie ein Pilsner Urquell. Für zwei kleinere Vorspeisen, ein kleines Dessert und drei alkoholfreie Biere habe ich 1.250 CZK (50 EUR) bezahlt.
Mit nach Hause genommen habe ich aber mehr als die Rechnung. Ausgerechnet in dieser Woche war mein Sauerteig eingegangen, mit dem ich seit Corona Brot gebacken hatte; ein Ableger überlebt bei meiner Schwester in Mähren. Also fragte ich höflich, ob sich hier vielleicht einer fände - ich weiß, dass das hier nicht die KRO Bakery ist, aber wenn ich schon hier sitze, kostet Fragen ja nichts. Wir scherzten, dass ich es sonst im U Kalendů versuche, wo sie ihr Brot auch selbst backen und wohin ich in ein, zwei Wochen will. Sie versprachen nachzufragen, dann kam lange nichts - bis das Servicepersonal ihn brachte: vakuumverpackt, mit Datum auf der Verpackung und der Entschuldigung, er sei schon ein paar Tage alt und man könne nicht für ihn garantieren. Es war ein Weizensauerteig, zu Hause habe ich ihn kompromisslos auf Roggen umgestellt, und am Morgen war er wunderbar aufgegangen. Genau das trennt guten Service von Service auf Sterneniveau: eine Kleinigkeit abseits der Speisekarte, die niemand bis zum Ende hätte verfolgen müssen - und sie haben es trotzdem getan. Das Brot ist gelungen.


Restaurace Alma