Le Marché: Essen als Erlebnis in Karlsbad
Das Le Marché macht am Ufer des Flüsschens Teplá in Karlsbad das Essen zum Erlebnis - rund zehn Tische und eine Karte, die sich jeden Tag danach richtet, was der Markt am Morgen hergegeben hat.

Ein Koch aus der Küche von Boulud und ein Menü nach dem Markt
Der Name ist aus dem Französischen entlehnt und eher eine nüchterne Beschreibung als Poesie: le marché heißt Markt. Die Karte wird hier nämlich nicht für die Saison geschrieben, sondern für den Tag - was die Lieferanten morgens bringen, das wird gekocht, und wer einen bestimmten Gang liebgewonnen hat, verabschiedet sich am besten gleich von ihm. In der Küche hat Küchenchef Jan Krajč das Sagen: Seine Lehre hat er ein paar hundert Meter von hier im Grandhotel Pupp gemacht, danach arbeitete er in Küchen in Deutschland und Österreich und absolvierte ein Praktikum im New Yorker Restaurant Daniel beim französischen Sternekoch Daniel Boulud. Wann genau er dann in Karlsbad sein eigenes Lokal eröffnet hat, verrät nicht einmal die Website des Restaurants; belegt ist, dass er dort seit über zehn Jahren kocht.
Die Suche nach einem Lokal in einer Touristenstadt
Karlsbad ist neben Český Krumlov (deutsch Krumau) wohl der touristischste Ort des Landes - mehr als die Hälfte der Gäste in der Region sind Ausländer - und ein Lokal zu finden, das nicht nur für die einmalige Laufkundschaft kocht, erfordert hier Geduld. In Krumau hat mir diese Aufgabe seinerzeit das Restaurant Vrátnice abgenommen (das inzwischen geschlossen hat - Anm. September 2026); in Karlsbad fiel die Wahl nach langem Suchen auf das Le Marché.
Tische gibt es etwa zehn, eine Reservierung ein, zwei Tage im Voraus ist deshalb keine übertriebene Vorsicht, sondern eher die Eintrittskarte. Mittagessen gibt es von zwölf bis drei, Abendessen ab halb sechs.

Eine Oblate und eine Quelle für unterwegs
Zum Essen in Karlsbad gehört noch ein Gang, der draußen stattfindet und den keine Küche in Rechnung stellt: eine warme Karlsbader Oblate vom Verkaufsfenster und eine Kostprobe der Mineralquellen. Die Stadt hat einundachtzig davon, und aus fünfzehn kannst du dir kostenlos etwas in den Becher zapfen. Mir war im Frühjahr die Freiheitsquelle (tschechisch Pramen Svoboda) die liebste: Sie sprudelt in einem hölzernen Pavillon von 1865 beim Bad III (Lázně III), hat 61,7 Grad und war nach Kaiser Franz Joseph I. benannt - Freiheitsquelle heißt sie erst seit 1946. Geschichte lässt sich in Karlsbad auch an den Schildern der Quellen studieren.

Volles Haus in der Mariánskolázeňská
Ins Le Marché ging ich an einem Tag zum Mittagessen, an dem es zum ersten Mal nach Frühling aussah und die Sonne zu einem Ausflug lockte. Über Mittag füllte sich das Lokal bis auf den letzten Platz; wer ohne Reservierung käme, hätte keine Chance. Die Cremesuppe aus Wurzelgemüse war sämig und ehrlich, die gerösteten Weißbrotwürfel dazu knusprig, und schon beim Anrichten der Suppe war zu sehen, dass das Mittagsmenü hier kein notwendiges Übel ist. Die Dorade mit Kartoffelpüree und Gurkensalat hielt mit: Der Fisch war hervorragend zubereitet, und das Püree - das ich liebe und deshalb streng beurteile - hat mich nicht enttäuscht. Die noch warme Brioche mit Früchten zum Abschluss sah so gut aus, wie sie schmeckte, und ich hätte sie sofort noch einmal genommen; nur steht sie am nächsten Tag meist schon nicht mehr auf der Karte. Das Mittagsmenü kostete 520 CZK (21 EUR).
Restaurace Le Marché