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Was isst man in Madrid?

Dan Špaňhel Aktualisiert Keine Kommentare

Madrid, die Hauptstadt Spaniens, ist eine Stadt, in der die ehrliche Küche alter Tavernen auf Michelin-Sterne trifft. Das berühmteste Madrider Gericht ist der "Cocido madrileño", ein Kichererbseneintopf mit mehreren Sorten Fleisch, der in den Tavernen der Stadt seit Jahrhunderten gekocht wird. Gleich danach kommen die Kutteln "Callos a la madrileña", geschmort mit Chorizo, Schinken und Paprika - Für Innereien hat sich Madrid nämlich nie geschämt - dafür von mir: Daumen hoch!

Tortilla de patatas (Kartoffelomelett) und Callos a la Madrileña (Kutteln nach Madrider Art) im Restaurant Casa Dani in Madrid.
Tortilla de patatas (Kartoffelomelett) und Callos a la Madrileña (Kutteln nach Madrider Art) im Restaurant Casa Dani in Madrid.

Markthallen und Tapasbars

Markthallen und Tapasbars gehören zum Essen in Madrid genauso selbstverständlich wie Restaurants. Die berühmteste Markthalle Madrids ist der Mercado de San Miguel an der Plaza Mayor, mir persönlich ist er aber leider viel zu touristisch. Jamón ibérico, Meeresfrüchte, Käse und Weine bekommst du hier vor der Kulisse einer schönen Jugendstilhalle, nur drängelst du dich dabei durch eine Menge, die vor allem zum Fotografieren gekommen ist. Lieber gehe ich in die Markthallen, in denen auch die Madrilenen einkaufen - zwei davon findest du unten im Abschnitt Wo man in Madrid essen geht.

Die Tapasbar ist das Herzstück der Madrider Esskultur: Lärm, Ellbogen auf der Theke und eine kleine Portion nach der anderen. Man bestellt zu einem Glas Wein, Bier oder Vermut, Tellerchen für Tellerchen, bis der Tisch voll ist.

Patatas bravas (scharf gewürzte frittierte Kartoffeln) in der Madrider Markthalle Mercado de San Ildefonso.
Patatas bravas (scharf gewürzte frittierte Kartoffeln) in der Madrider Markthalle Mercado de San Ildefonso.

Michelin-Restaurants in Madrid

Über Madrid leuchten zahlreiche Michelin-Sterne. Drei Sterne trägt aber nur ein einziges Restaurant: das avantgardistische DiverXO von Küchenchef Dabiz Muñoz (Stand September 2026).

Für meinen eigenen Michelin-Stopp habe ich mir ein anderes Lokal ausgesucht: das Restaurant La Tasquería, das einen Michelin-Stern trägt und dessen gesamtes Menü auf Innereien setzt. Rinderzunge, Kaninchenherzen, Grieben schon im Gruß aus der Küche - und am Ende gingen wir alle begeistert nach Hause, meine Eltern eingeschlossen.

Callos a la Madrileña (Kutteln nach Madrider Art) im Madrider Michelin-Restaurant La Tasquería.
Callos a la Madrileña (Kutteln nach Madrider Art) im Madrider Michelin-Restaurant La Tasquería.

Was man in Madrid probiert

  • Cocido madrileño. Kichererbsen, Gemüse und mehrere Sorten Fleisch in einem Eintopf, der den Namen der Stadt trägt. Traditionell isst man ihn in drei Gängen ("tres vuelcos"): zuerst die Suppe, dann die Kichererbsen mit dem Gemüse und zum Schluss das Fleisch.
  • Callos a la madrileña. Mit Chorizo, Schinken und Paprika geschmorte Kutteln - ein Madrider Rezept, das schon 1599 belegt ist. Ich habe sie in der Marktbar Casa Dani und im Michelin-Restaurant La Tasquería probiert.
  • Bocadillo de calamares. Ein Baguette, gefüllt mit frittierten Tintenfischringen. Für eine Stadt ohne Meer klingt das absurd, doch die Bars in den Gassen rund um die Plaza Mayor haben daraus einen Madrider Klassiker gemacht.
  • Tortilla de patatas. Das Kartoffelomelett liebt man in ganz Spanien, Madrid hat es sich aber als "pincho de tortilla" zu eigen gemacht - ein keilförmiges Stück, das zu Bier oder Vermut auf den Tisch kommt. Den Pincho aus der Bar Casa Dani hat sogar die Madrider Gastronomie-Akademie ausgezeichnet.
  • Churros con chocolate. Frittierte Streifen aus Brandteig, getunkt in dicke heiße Schokolade. Die Madrider Chocolaterías haben daraus ein Ritual gemacht - und in der berühmtesten, der San Ginés, die es seit 1894 gibt, habe ich die besten Churros all meiner Spanienreisen gegessen.
  • Huevos rotos. Frittierte Kartoffeln mit Spiegelei und Schinken oder Chorizo. Berühmt gemacht hat dieses einfache Madrider Bargericht die Taverne Casa Lucio in der Cava Baja.
  • Patatas bravas. Frittierte Kartoffeln mit scharfer Soße - und genau diese Bravas-Soße wurde in Madrid geboren. Lokale wie Las Bravas oder Docamar hüten ihr Rezept bis heute. Eine meiner liebsten Tapas.
  • Oreja a la plancha. Gegrilltes Schweineohr, nach den Kutteln die typischste Innereien-Tapa der Madrider Bars.
  • Vermut de grifo. Den gezapften Vermut vor dem Sonntagsessen - "la hora del vermut" - nimmt man in Madrid so ernst wie nirgendwo sonst in Spanien. Ausgeschenkt wird er in hundertjährigen Tavernen in Vierteln wie La Latina oder Malasaña.
  • Caracoles a la madrileña. Schnecken, mit Chorizo und Schinken in scharfer Soße geschmort. Früher ein Arme-Leute-Essen aus den Weinbergen rund um Madrid, heute ein Frühlingsklassiker der Madrider Tavernen.
  • Soldaditos de Pavía. In Backteig frittierte Kabeljaustreifen, der Legende nach benannt nach den Husaren des Generals Pavía. Probieren kannst du sie in den Tavernen an der Puerta del Sol, wo diese Tapa im 19. Jahrhundert entstanden ist.
  • Rosquillas tontas y listas. Traditionelles Madrider Gebäck in Ringform: die "dummen" ohne Glasur, die "schlauen" mit Zuckerguss. Verkauft werden sie vor allem während der Maifeste zu Ehren des heiligen Isidor, des Schutzpatrons von Madrid.
  • Gallinejas y entresijos. Frittierte Lamminnereien, ein alter Madrider Straßenklassiker von den Festen San Isidro und La Paloma. Heute gibt es sie nur noch in den letzten darauf spezialisierten Lokalen.
  • … und Dutzende weitere spanische Gerichte findest du in der Liste: Was man in Spanien probiert.
Oreja a la Plancha (gegrillte Schweineohren) gehört ebenfalls zu den beliebten Madrider Tapas.
Oreja a la Plancha (gegrillte Schweineohren) gehört ebenfalls zu den beliebten Madrider Tapas.

Wo man in Madrid essen geht

  • Casa Dani. Eine Bar in der Markthalle Mercado de la Paz, deren "pincho de tortilla" zu den berühmtesten in ganz Madrid gehört. Für mich einer der besten Orte in Madrid für Tapas.
  • El Minibar. Noch ein großartiger Ort für Tapas. Das Lokal ist winzig, ohne Reservierung kommst du nicht hinein. Probier dort auch den Tinto de verano.
  • Juana La Loca. Mein drittliebster Ort für Tapas in Madrid.
  • Ojalá. Ein Restaurant, das vor allem für seine authentische Sangría bekannt ist - meine war perfekt. Klare Empfehlung.
  • La Tasquería. Essen als Erlebnis mit einem Michelin-Stern, ganz auf Innereien aufgebaut. Das Menü ist für Sterneverhältnisse günstig. Nur mit Englisch kommst du hier schwer weiter, was bei einem Sternerestaurant schade ist.
  • Chocolatería San Ginés. Die berühmteste Adresse in Madrid für Churros. Keine Angst vor der Schlange: Das Lokal ist groß, und du bist schnell an der Reihe.
  • La Mallorquina. Eine Konditorei, die es seit 1894 direkt an der Puerta del Sol gibt. Ihrem "Sahne-Slush-Eis", das ich mir immer im Becher zum Mitnehmen geholt habe, konnte ich nie widerstehen.
  • Panishop. Eine Bäckerei mit einem spannenden Angebot an Backwaren und vor allem an süßen Teilchen. Wenn du in der Nähe bist, schau vorbei.
  • Mercado de San Ildefonso. Eine kleinere Markthalle mit Essensständen auf drei Etagen, Tapas inklusive. Auf Touristen ist sie längst nicht so ausgerichtet wie der Mercado de San Miguel.

Kaum eine Stadt verteidigt ihre Innereien so stolz wie Madrid - Kutteln bekommst du hier in der Markthalle genauso wie unter einem Michelin-Stern.

Lass es dir in Madrid schmecken!

Dan Špaňhel

Dan Špaňhel

Ich bin Dan. Ich schreibe nur über das, was ich selbst gekostet habe - vom Straßenstand bis zum Michelin-Stern. Für gutes Essen habe ich die halbe Welt bereist und alles Mögliche probiert - auch das Unmögliche.

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