Marag bamya: irakisches Okra-Ragout
Marag bamya ( مرقة بامية, oft nur Bamya) ist ein traditionelles Schmorgericht der irakischen Küche. Die Basis bilden Okra, Lammfleisch und Tomatensoße. Okra wird in ähnlicher Zubereitung zwar in vielen Ländern des Nahen Ostens gegessen, die irakische Variante ist aber deutlich sämiger, kommt mit reichlich Knoblauch daher und hat eine säuerliche Note. Es ist eines der charakteristischsten Gerichte der irakischen Gastronomie.
Das Wort bamya bezeichnet im Arabischen die Pflanze und die Früchte der Okra. Der Begriff marag bedeutet "Soße", "Brühe" oder "Schmorgericht". Wörtlich übersetzt wäre es also "Okrasoße" oder "Okra-Ragout".

Die Okra stammt ursprünglich aus Westafrika. Nach Mesopotamien und Ägypten kam sie im Zuge der islamischen Expansion und der mittelalterlichen Handelsbeziehungen. Im Irak wurde sie heimisch und ist bis heute das ganze Jahr über gefragt. Die irakische Küche hat eine lange Tradition geschmorter Fleischgerichte mit Gemüse, deren Wurzeln bis ins antike Babylonien zurückreichen; das konkrete Rezept für Marag bamya mit Tomatenbasis entstand allerdings erst, nachdem sich die Tomate in der Neuzeit in der Region durchgesetzt hatte. Heute ist das Gericht im ganzen Irak verbreitet, von Kurdistan im Norden bis nach Basra im Süden.
In der Türkei begegnet man dem Gericht Bamya çorbası. Der Name legt zwar eine Verwandtschaft nahe, das irakische Marag bamya und die türkische Bamya çorbası sind aber verschiedene Gerichte, die sich in Konsistenz, Zutaten und ihrer Rolle beim Essen unterscheiden. Die irakische Version ist ein dickes Ragout aus frischer oder tiefgekühlter Okra und kommt als sättigender Hauptgang auf den Tisch, die türkische Variante, typisch für die Gegend um die Stadt Konya, ist eine dünnere Suppe, die traditionell aus sehr kleinen getrockneten Okraschoten zubereitet wird.
Für ein authentisches irakisches Marag bamya braucht es ganz bestimmte Zutaten:
- Okra: irakische Köche bevorzugen kleine, junge Okraschoten. Sie sind zarter und haben noch keine voll ausgebildeten Kerne.
- Fleisch: traditionell kommt fetteres Lamm- oder Hammelfleisch am Knochen hinein (etwa Rippen oder Haxe). Das Fett des Fleisches und das Mark aus den Knochen geben der Soße die nötige geschmackliche Tiefe.
- Knoblauch: Knoblauch gibt hier den Ton an. Er kommt in großen Mengen ins Gericht, oft als ganze geschälte Zehen, die in der Soße weich geschmort werden.
- Tomatenbasis: die Soße entsteht aus passierten frischen Tomaten und konzentriertem Tomatenmark. Sie muss satt rot und schön sämig sein.
- Säure: die Säure ist für dieses Gericht entscheidend. Dafür sorgen Zitronensaft, Tamarinde oder getrocknete Limette (noomi basra).
Marag bamya wird auf zwei Arten serviert:
- Mit Reis. Am häufigsten kommt es mit weißem Reis mit Vermicelli-Nudeln auf den Teller.
- Als Tashreeb. Tashreeb (übersetzt "das Vollsaugen") bezeichnet die Technik, bei der man irakisches Fladenbrot in den Teller reißt und die heiße Soße direkt darübergießt. Das Brot saugt sich mit der Flüssigkeit voll und wird weich. Fleisch und Okra kommen obendrauf. Das Gericht heißt dann Tashreeb bamya.
Guten Appetit!