Timman sha'riyah: Reis mit gebratenen Fadennudeln
Timman sha'riyah (تمن شعرية) ist eine traditionelle irakische Beilage aus Reis und gebratenen Fadennudeln (Vermicelli). In der irakischen Küche begleitet sie die meisten geschmorten Fleisch- und Gemüsegerichte. Varianten von Reis mit Nudeln kennt zwar die ganze arabische Welt, doch der Name Timman und die Art der Zubereitung machen es zu einem festen Bestandteil der irakischen Küche und der Region des einstigen Mesopotamiens.
In anderen Ländern des Nahen Ostens (Levante, Ägypten) heißt das gleiche oder ein sehr ähnliches Gericht Ruz bil sha'riyeh (رز بالشعيرية).

Der Name des Gerichts kommt direkt aus dem irakischen Arabisch und unterscheidet sich vom Wortgebrauch der Nachbarländer:
- Timman (تمن): bedeutet im Irak Reis. Die meisten anderen arabischen Länder - etwa Ägypten, Syrien oder Libanon - verwenden dafür das hocharabische Wort ruz. Woher das Wort timman kommt, ist sprachwissenschaftlich nicht restlos geklärt; manche Theorien bringen es mit dem historischen Reisanbau in den Marschen des Südirak in Verbindung.
- Sha'riyah (شعرية): bedeutet Vermicelli, also Fadennudeln. Das Wort geht auf die arabische Wurzel sha'r (Haar) zurück und spielt auf die dünne Form der Nudeln an.
Das fertige Gericht lebt vom optischen Kontrast zwischen schneeweißem Reis und braunen Nudeln. Die Textur ist locker und luftig, die einzelnen Körner kleben nicht aneinander.
In der irakischen Küche spielt Timman sha'riyah eine wichtige Rolle. Pur gegessen wird es nur selten. Es dient als neutrale, geschmacklich aber durchaus reizvolle Beilage zu Gerichten mit reichhaltiger Soße, die im Irak margah (oder maraq) heißen.
An Festtagen und bei Familienfeiern wird der Reis obendrauf oft dekoriert. Dafür nimmt man in Öl geröstete Mandeln, Pinienkerne oder Rosinen (Kishmish), die dem Gericht Biss und ein festliches Aussehen verleihen.
Ins Herz geschlossen habe ich Timman sha'riyah vor allem in Kurdistan, wo man dafür meisterhaft den örtlichen kurdischen Reis nimmt.
Guten Appetit!