Der Ägyptische Basar, Istanbul
Der Ägyptische Basar (Mısır Çarşısı) ist eine historische Markthalle in Istanbul, die schon seit dem siebzehnten Jahrhundert als Handelsplatz für Gewürze, Süßigkeiten und Trockenfrüchte dient. Ein gewöhnliches Einkaufszentrum ist das hier nicht. Die Halle atmet den Duft von Kreuzkümmel, frisch gemahlenem Kaffee und süßem Rosenwasser. Sobald du durch eines der massiven Tore trittst, umfängt dich das eigentümliche Dämmerlicht unter den Gewölben, unter denen Pyramiden aus bunten Pulvern leuchten, Ketten getrockneter Auberginen hängen und in den Vitrinen die Würfel Lokum glänzen.

Die Wurzeln des Marktes reichen bis ins Jahr 1660 zurück, als er als Teil des Komplexes der Neuen Moschee entstand. Sein Name verweist auf die nüchterne wirtschaftliche Wirklichkeit des Osmanischen Reiches. Der Bau wurde nämlich aus Steuern finanziert, die in Ägypten eingetrieben wurden, genauer gesagt in Kairo. Über Ägypten strömten die Karawanen mit kostbaren Gewürzen aus Indien und dem Fernen Osten nach Istanbul, was diesen Ort im Grunde zur Apotheke des gesamten Reiches machte. In Zeiten, in denen die Grenze zwischen Medizin und Küche verschwommen war, kamen die Leute genauso oft wegen einer Kräutermischung gegen Magenbeschwerden hierher wie wegen des Pfeffers für die Suppe. Heute hat dieses Sortiment leider den Souvenirs Platz gemacht.
Beim Bummel durch die Gassen des Basars wird dir schnell klar, dass das beliebteste Gewürz hier Pul Biber ist, gemahlene und leicht geölte Paprika von sattem Rot und mit einer eigenen, wärmenden Schärfe. Daneben liegen oft Haufen von Sumach, ein dunkelviolettes Pulver aus den Früchten des Gewürzsumachs, das Salaten und Fleisch dort Säure verleiht, wo wir zur Zitrone greifen würden. Eine eigene Kategorie bilden die Trockenfrüchte und die Pistazien aus Gaziantep, deren Kerne kleiner sind als die kalifornischen, geschmacklich aber viel intensiver. Außerdem liegt der Duft von Teemischungen in der Luft, vom klassischen Schwarztee aus der Region Rize bis zu Mischungen mit Apfel und Hibiskus.

Du siehst hier Konditoren, die mit großen Messern riesige Blöcke Halva schneiden, die zwar krümelt, durch die Sesampaste aber gleichzeitig ölig bleibt. Die Händler schichten die Gewürzhaufen unablässig um, damit sich die Feuchtigkeit vom nahen Meer nicht darin festsetzt, und formen die Pyramiden so, dass sie verlockend aussehen. Draußen vor dem Westtor wird ununterbrochen Kaffee geröstet und gemahlen, im legendären Kurukahveci Mehmet Efendi. Die Bohnen werden dunkel geröstet und zu einem Staub gemahlen, der feiner ist als Weizenmehl - unerlässlich für einen echten türkischen Kaffee, der ja nicht gefiltert wird. Der ganze Basar funktioniert wie eine riesige Vorratskammer, in der darauf geachtet wird, dass die Gewürze ihr Aroma behalten und die Nüsse nicht ranzig werden. Und das, obwohl ihn heute eher Touristen füllen.

Ein Besuch im Ägyptischen Basar lebt vom Kontakt und vom Probieren. Ein guter Händler bietet dir ganz selbstverständlich ein Stück Lokum an. Oft bekommst du eine Prise Gewürz in die Hand, um sie zwischen den Fingern zu zerreiben und daran zu riechen. Zum Einkaufen gehört das Handeln, dazu kleine Gläser starker Tee und ein Gespräch über die Qualität der diesjährigen Safranernte.

Du gehst nicht nur mit vollen Taschen wieder hinaus, sondern auch mit dem Gefühl, Teil einer alten und gewaltigen Handelskette geworden zu sein.
Viel Spaß beim Einkaufen!
Der Ägyptische Basar