Bierbar Key: das Schlüsselchen zum bulgarischen Bier in Warna
Mit Bier habe ich es nicht so - zu Hause greife ich lieber zum Wein, und wenn in der Kneipe über Hopfen gefachsimpelt wird, halte ich lieber den Mund. Genau deshalb kam mir in Warna ein Lokal gerade recht, das mit dieser Ahnungslosigkeit rechnet und einem die Auswahl aus 26 Zapfhähnen abnimmt.
Die Bierbar Key (bulgarisch: Ключето) steht im Zentrum von Warna am Blauen Markt und serviert die bulgarische Bierszene als Verkostungsset: sechs kleine Gläser auf einem Holzbrett.

Das Schlüsselchen in der Ruse-Straße
Über dem Eingang hängen zwei Namen: das englische The Key Beer Bar und das bulgarische Original, das eine Spur genauer ist, weil es eine Verkleinerungsform ist - wörtlich Schlüsselchen. Die Bar sitzt im Erdgeschoss eines Hauses von 1925, direkt neben den Ständen des Blauen Marktes, sodass vor dem schmiedeeisernen Tor mit Biermotiv sich Stammgäste und Leute mit Einkaufstaschen aneinander vorbeischieben. Und die Adresse passt besser, als man erwarten würde: Die Straße trägt den Namen der Stadt Ruse, wo 1876 die erste bulgarische Brauerei Sveta Petka entstand.

Das Verkostungsset auf bulgarische Art
Das Verkostungsset haben sie hier nicht für Touristen erfunden: Bulgarische Craft-Bars nennen es degustacionen set und ordnen die Proben von den leichten bis hin zu den starken und bitteren. In der Key sind das sechs Biere zu je 0,2 Litern. Ausgesucht werden sie vom Barmann - ich musste nur sagen, dass ich ausschließlich bulgarische möchte, und niemand zog auch nur eine Augenbraue hoch. Zu jedem Glas schreibt er außerdem den Namen dazu, damit man nach dem Austrinken vom Sieger noch ein großes Glas bestellen kann. Bei uns hängt über der Kneipentür meist der Name einer einzigen Brauerei; hier wechselt an den 26 Zapfhähnen ständig alles Mögliche, und in den Kühlschränken warten über hundert Flaschen.
Das Angebot mischt kleine bulgarische Brauereien mit ausländischen Marken: Vom Fass kommen Guinness und - zu meiner Überraschung - Starobrno. Ganz exotisch ist das nicht: Das moderne Brauwesen brachten in Bulgarien im 19. Jahrhundert zugewanderte Tschechen, Österreicher und Deutsche in Gang, tschechisches Bier ist hier also eher zu Besuch bei Verwandten. Die Craft-Welle ist dagegen frisch - sie kam um 2018 auf, und heute brauen im Land über dreißig kleine Brauereien; ihr eigenes, nach der Bar benanntes Bier lässt die Key angeblich in Tschechien brauen.
Terrasse am Blauen Markt
Ein altes bulgarisches Wörterbuch beschreibt die birarija als Saal, in dem es zum Bier nichts zu essen gab. Die Key bricht mit Vergnügen mit dieser Definition: In den Bewertungen werden gleich nach dem Bier die Burger und die hausgemachten scharfen Kartoffelchips gelobt. Das Publikum ist überwiegend einheimisch, ein paar Ausländer passen immer noch dazwischen, die Bedienung kommt gut hinterher, und auf Englisch verständigst du dich ohne Probleme; geöffnet ist täglich von elf Uhr vormittags bis Mitternacht. Die kleine Terrasse auf dem Gehweg hat außerdem eine Stammbesetzung, die nicht reserviert: Warna kam bei der letzten Zählung auf über 23.000 Straßenkatzen und hat sogar eine inoffizielle "Katzenallee", früher oder später sitzt also auch eine an deinem Tisch. Ruhiger sitzt es sich vor dem Abendandrang, dann bleibt auch Zeit für ein Gespräch mit den Leuten hinter dem Tresen; danach füllt sich die Bar.


Sechs kleine Biere vor dem Abendandrang
In die Key bin ich nach einem kalorienreicheren Abendessen eingekehrt, und zwar absichtlich vor der Abendwelle. Es hat sich gelohnt: Am Tresen war Platz für ein Gespräch, und mit dem Besitzer habe ich Starobrno durchgekaut und die ewigen Sticheleien zwischen Brünn und Prag - ähnlich rivalisierende Regionen soll es auch in Bulgarien geben. Vielleicht auch dank dieser Debatte landeten nach einer Weile frisch frittierte scharfe Chips als Aufmerksamkeit des Hauses auf meinem Tisch. Danach setzte ich mich auf die Terrasse, sah dem Treiben ringsum zu, und Gesellschaft leistete mir eine der Warnaer Katzen. Die Chips, die Katze und die Debatte über Starobrno standen nicht auf der Rechnung; bezahlt habe ich nur das Verkostungsset - sechs kleine bulgarische Biere, umgerechnet 10,40 EUR.
The Key Beer Bar