Guinness Storehouse: ein Rundgang durch die Dubliner Brauerei
Firmenmuseen sind ein Genre, dem ich mit Misstrauen begegne: Das Unternehmen erzählt darin seine eigene Geschichte, und die Eintrittskarte ist ein Ticket in die Werbung. Zugegeben: Vom Besuch in Dublin habe ich mir so gut wie nichts versprochen. Herausgekommen bin ich begeistert. Das Guinness Storehouse ist eine siebenstöckige interaktive Ausstellung über das berühmteste Bier der irischen Küche; sie ist im ehemaligen Gärhaus mitten auf dem Brauereigelände untergebracht am Tor St. James's Gate, wo seit über zweieinhalb Jahrhunderten gebraut wird.

Was Guinness ist und warum es nicht schwarz ist
Guinness ist ein Stout, ein dunkles obergäriges Bier aus gerösteter Gerste. Das Korn wird ähnlich wie Kaffee geröstet, und in dieselbe Richtung geht auch der Geschmack: Kaffee und Bitterschokolade mit trockenem Abgang. Für den dichten, cremigen Schaum sorgt nicht Kohlensäure, sondern Stickstoff mit feineren Bläschen - das Zapfritual in zwei Schritten, das zu jeder Pint gehört, beschreibe ich beim Dubliner Pub Long Hall. Und eine Kleinigkeit räumt der Hersteller selbst ein: Guinness ist in Wirklichkeit nicht schwarz, gegen das Licht gehalten leuchtet es dunkel rubinrot. Der Name ist das anglisierte irische Mag Aonghusa, "Sohn des Aonghus" - das Bier ist nach der Familie des Gründers benannt, nicht nach einem Ort und auch nicht nach einer Zutat.
Als irische Erfindung gilt das Stout allerdings zu Unrecht. Sein Vorläufer, der Porter, stammt aus England - genauer aus dem London des 18. Jahrhunderts - und ist nach den Lastenträgern der dortigen Märkte benannt. Guinness übernahm das Londoner Rezept, braute bald nichts anderes mehr und machte aus dem englischen Stil mit der Zeit ein irisches Symbol. Irisches Stout braut die Marke allerdings nicht allein: Murphy's und Beamish aus Cork tragen mit dem Dubliner Giganten eine stille regionale Fehde aus, und aus demselben Londoner Vorfahren entwickelte sich an der Ostsee der untergärige Porter bałtycki. Am meisten Guinness wird dabei gar nicht in Irland getrunken - seit 2007 ist Nigeria der zweitgrößte Markt der Marke, gleich hinter Großbritannien und noch vor Irland selbst; dorthin geht die stärkere Exportvariante Foreign Extra Stout.

Ein Vertrag über 9.000 Jahre
Das wertvollste Exponat der Ausstellung liegt unter Glas: der Pachtvertrag, den am letzten Tag des Jahres 1759 der vierunddreißigjährige Braumeister Arthur Guinness unterschrieb. Er pachtete damals eine heruntergekommene, stillgelegte Brauerei mit vier Acre Land, einer Mühle und Stallungen - auf 9.000 Jahre für 45 Pfund im Jahr. Ein für seine Zeit unerhört selbstbewusster Geschäftsplan, der aber aufging: Vom Tor St. James's Gate ist die Brauerei nie wieder weggezogen. Der kuriose Pachtvertrag läuft übrigens längst nicht mehr - die Grundstücke hat die Firma den meisten Quellen zufolge im vergangenen Jahrhundert kurzerhand gekauft. Was genau aus dem Vertrag wurde, verrät keine offizielle Quelle, was bei einem Dokument, das bis zum Jahr 10759 gültig ist, durchaus nachvollziehbar ist.

Sieben Stockwerke rund um eine gläserne Pint
Die Ausstellung windet sich um ein gläsernes Atrium in Form einer riesigen Pint und lässt sich frei im eigenen Tempo durchlaufen. In kaum einem Museum durfte ich so viel anfassen: Du greifst in unverarbeitete Gerstenkörner, hältst die Finger in einen Wasserfall aus jenem Wasser, aus dem das Bier gebraut wird, und riechst an Gerste in verschiedenen Röstgraden. Ein ganzes Stockwerk gehört den Küfern - in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts arbeitete die Hälfte aller Dubliner Küfer für Guinness, und das letzte Holzfass wurde hier 1963 gefüllt. Ein weiteres Stockwerk ist der Werbung gewidmet, in der Guinness seit fast hundert Jahren eine Großmacht ist: Aus einem ursprünglich gemalten Pelikan machte den berühmten Tukan mit den Gläsern auf dem Schnabel die Krimiautorin Dorothy L. Sayers, die sich mit Werbetexten etwas dazuverdiente. Das Ganze hat den Rhythmus eines Schulausflugs in eine Fabrik, nur ohne Arbeitsblätter und mit dem Unterschied, dass es am Ende Bier gibt.
Die Eintrittskarte kaufst du vorab online für einen bestimmten Tag und eine bestimmte Uhrzeit, am Eingang steht deshalb keine Schlange und du bist praktisch sofort drinnen. Den Rundgang beschließt der hauseigene Shop: Die Auswahl ist unglaublich groß, von T-Shirts bis zum Flaschenregal für die Hausbar, und die Preise sind für einen Museumsshop überraschend erträglich.

Stout über den Dächern von Dublin
Der Rundgang endet in der Gravity Bar im siebten Stock, wo zu jeder Eintrittskarte ein Getränk nach Wahl gehört. Ich nahm mir ein Foreign Extra Stout, die stärkere Exportvariante mit siebeneinhalb Prozent Alkohol, und schaute mit dem Glas in der Hand durch die Glasfront von oben auf Dublin. Gegenüber der normalen Pint ist es dichter und deutlich bitterer, die Röstnote rutscht von Kaffee in die Bitterschokolade, und für seine Stärke trinkt es sich gefährlich leicht. Die Eintrittskarte kostete 22 EUR pro Person, der Drink in der Gravity Bar war im Eintrittspreis enthalten. In das Firmenmuseum bin ich als Skeptiker hineingegangen; eine bessere Werbung als diese sieben Stockwerke hat Guinness aber nie gedreht.

Guinness Storehouse