Boza: traditionelles fermentiertes Getränk aus Getreide
Boza ist ein uraltes fermentiertes Getränk aus Getreide, das in seiner Konsistenz eher an einen dünnen Pudding erinnert. Auf den ersten Blick fällt dir die hellbeige bis gelbe Farbe auf. Es ist kein Durstlöscher wie Ayran oder Şalgam, sondern eher ein sättigender flüssiger Snack, der in der Türkei in den kalten Monaten seinen festen Platz hat.
Zwar enthält Boza durch die natürliche Gärung Spuren von Alkohol (meist um ein Prozent), in den Ursprungsländern gilt sie aber als alkoholfrei und wird ganz selbstverständlich auch von Kindern getrunken.

Woher Boza ursprünglich stammt, verliert sich im Dunkel der Geschichte - die Spur führt Jahrtausende zurück, vermutlich bis nach Mesopotamien und Anatolien, von wo aus sich Boza nach Zentralasien und auf den Balkan ausbreitete. Ihre Beliebtheit in der Region kommt nicht von ungefähr. Zur Zeit des Osmanischen Reiches war Boza eine wichtige Energiequelle für Janitscharen und Soldaten, denn sie ist kalorienreich, voller Kohlenhydrate und dank der Fermentation gut verdaulich. Sie diente als "flüssiges Brot", das satt machte und von innen wärmte - der ideale Begleiter durch die harten anatolischen und balkanischen Winter. Das Wort selbst geht wohl auf persische Wurzeln zurück und verweist auf Hirse. Kurios ist, dass sie zwar kalt serviert wird, man sie aber mit Winter und Schnee verbindet.
Die Grundlage von Boza sind Getreide, Wasser und Zucker. Die traditionellste und geschmacklich feinste Version, die du in der Türkei bekommst, wird aus Hirse gemacht. In anderen Ländern begegnen dir dagegen häufig Varianten aus Mais, Weizen, Gerste oder Bulgur. Mais-Boza ist meist gelber und schmeckt etwas anders, süßer. Der Zucker ist hier nicht nur Süßungsmittel, sondern vor allem Futter für Hefen und Milchsäurebakterien. Ohne Gewürz wäre Boza allerdings nur die halbe Sache - Zimt ist kein Extra, sondern fast schon Pflicht.
Boza wird in Gläsern serviert, oft mit einem Löffel dazu, denn sie ist so dick, dass sie zwischen Getränk und Speise steht.

Ich habe Boza im Istanbuler Lokal Vefa Bozacisi probiert (siehe Wo man in Istanbul essen geht), einer absoluten Legende und Pilgerstätte für alle Liebhaber dieses Getränks. Das Interieur sieht aus, als wäre die Zeit dort im 19. Jahrhundert stehen geblieben - alte Fliesen, Bilder und Lampen. Nur die Gläser, aus denen vielleicht sogar Atatürk getrunken hat, sind inzwischen weggeräumt und durch Einwegbecher ersetzt. Die Boza war hier unglaublich dick, cremig und perfekt süß. Ein Glas kostete 20 TRY (1,20 EUR).
Guten Appetit!