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Brauerei Svijany: unpasteurisiertes Bier aus dem Isertal

Dan Špaňhel Tschechien Aktualisiert Keine Kommentare

Der englische Braukonzern Bass hatte in den neunziger Jahren einen einfachen Plan für die Brauerei in Svijany: zumachen. Gebraut wurden hier damals 43.000 Hektoliter im Jahr, und von London aus sah das nach einem Posten aus, den man streichen kann. Gestrichen wurde er zum Glück nicht.

Die Brauerei Svijany aus einem Dorf an der Iser ist heute mit einem Ausstoß von über 600.000 Hektolitern die größte unabhängige Brauerei in rein tschechischer Hand - und ihre Flaschen mit der Jahreszahl 1564 auf dem Etikett stehen in jedem zweiten Supermarkt.

Svijany 450: Premium-Lagerbier zum Jubiläum der Brauerei.
Svijany 450: Premium-Lagerbier zum Jubiläum der Brauerei.

Das Dorf Sviňany, ein Herr ohne Kopf und eine Familie aus Liberec

Auf jedem Etikett steht die Jahreszahl 1564. Es ist das Jahr, aus dem die erste schriftliche Erwähnung der Brauerei stammt - das Braurecht bekam sie als Teil der Festung, die Adam von Wartenberg als Erbe für seinen Sohn bauen ließ. Wann hier wirklich gebraut wurde, verrät keine Urkunde, also bleibt man ehrlicherweise bei der ersten Erwähnung. Der Name des Dorfes ist dabei älter als die Brauerei und lautete einer überlieferten Deutung nach ursprünglich Sviňany - nach den Schweineherden, die hier die Mönche hielten (svině heißt Sau). Belegt ist das nicht, aber die Vorstellung, dass ein Premiumbier im einstigen Schweinedorf gebraut wird, hat ihren Reiz. Und die Geschichte wird noch besser: Eines der Biere aus Svijany heißt Šlik, benannt nach Jáchym Ondřej Šlik, dem Gutsherrn vom Anfang des 17. Jahrhunderts. Er endete 1621 auf dem Altstädter Ring als Erster der 27 hingerichteten böhmischen Herren. Nur wenige Bieretiketten tragen den Namen eines Mannes, dem der Staat den Kopf abschlagen ließ.

Das jüngste Kapitel ist genauso dramatisch, nur ging es besser aus. Als Bass den Betrieb über die Prager Brauereien dichtmachen wollte, handelte der damalige Direktor und langjährige Braumeister František Horák den Rückkauf aus - und 1998 übernahm das Familienunternehmen LIF der Familie Kučera aus Liberec die Brauerei. Seitdem ist der Ausstoß fast auf das Fünfzehnfache gestiegen, und Svijany braut heute mehr Bier als der bekanntere Bernard. Geführt wird die Brauerei vom Sohn des Gründers, Tomáš Kučera; den Ruf einer kleinen Dorfbrauerei hat die Marke erstaunlicherweise behalten, obwohl sie sich beim Ausstoß längst eher mit den Industrieriesen misst als mit Kleinbrauereien.

Svijanský Rytíř: helles Lagerbier, kalt gehopft.
Svijanský Rytíř: helles Lagerbier, kalt gehopft.

Warum das Bier aus Svijany nicht pasteurisiert wird

Der Unterschied, auf dem Svijany aufbaut, ist nicht zu sehen, aber zu schmecken. Die Pasteurisierung erhitzt das Bier kurz, damit es Monate im Regal übersteht - und ein Teil des Geschmacks bleibt dabei im Pasteurisator zurück. Svijany lässt die Pasteurisierung im gesamten Sortiment weg, deshalb kommt das Bier geschmacklich dem aus dem Brauereikeller näher, der Preis dafür ist eine kürzere Haltbarkeit. Es lohnt sich also, es frisch zu kaufen und die Flasche nicht einen Monat lang auf dem Fensterbrett stehen zu lassen. Den Hopfen baut die Brauerei zum Teil selbst an, auf eigenen Hopfengärten im Saazer Land, und die alte tschechische Technik des kroužkování - das Nachgären des Lagerbiers mit zugesetzter Würze, im Deutschen das Aufkräusen - hat sie beim Bier Zámek wiederbelebt. Erfunden hat sie die Brauerei nicht, früher wurde so das Winterbier für die Berghütten gebraut, aber aus der logistischen Not der Vorfahren hat sie eine Spezialität gemacht.

Svijanský Máz: das meistverkaufte Lagerbier aus Svijany.
Svijanský Máz: das meistverkaufte Lagerbier aus Svijany.

Ein Adelshof in Flaschen und eine Sammlung von Medaillen

Das Sortiment ist zusammengestellt wie ein Hofstaat auf dem Schloss: Rytíř (der Ritter), Kníže (der Fürst), Kněžna (die Fürstin), Baron (der Baron), dazu Máz als bestverkauftes Mitglied des Gefolges und der alkoholfreie Vozka (der Kutscher). Die meisten Trophäen bringen die dunkle Svijanská Kněžna, die die Titel Pivo České republiky (Bier der Tschechischen Republik) und Zlatá pivní pečeť (Goldenes Biersiegel) gesammelt hat, und der alkoholfreie Vozka nach Hause; zuletzt kam beim starken Baron Gold von den World Beer Awards 2025 dazu. Mit Wettbewerben ist es beim Bier wie mit Filmfestivals - Preise werden viele vergeben, und jede Brauerei stellt ihre eigenen ins Schaufenster -, aber zwanzig Jahre wiederholter Siege bei ganz unterschiedlichen Jurys erklärt der Zufall nicht. Gegen Craft-Brauereien wie Zíchovec oder Matuška spielt Svijany ein anderes Spiel: keine Experimente mit IPA, nur klassische tschechische untergärige Lagerbiere, dafür ohne langes Suchen in Spezialgeschäften zu bekommen.

Svijanský Baron: das stärkste Lagerbier aus Svijany.
Svijanský Baron: das stärkste Lagerbier aus Svijany.
Svijanský Kníže: stärkeres helles Lagerbier.
Svijanský Kníže: stärkeres helles Lagerbier.

Weizen aus dem Regal um die Ecke

Einen Querschnitt durch das Sortiment habe ich mir als Verkostungspaket gekauft. Auf meinem Tisch landet am Ende ausgerechnet das am wenigsten tschechische davon. Weizen, das einzige obergärige Bier im Angebot, duftet nach Banane und Nelke, ist weich und ohne herbe Bitternote - ein Weizenbier, für das man sonst nach Bayern fährt. Diese Website ist sonst voll von Bieren, für die man in ihre Heimat fliegen muss. Zu meinem Lieblingsweizen gehe ich zu Fuß.

Svijanská Kněžna: das meistausgezeichnete dunkle Bier von Svijany.
Svijanská Kněžna: das meistausgezeichnete dunkle Bier von Svijany.

Pivovar Svijany

Dan Špaňhel

Dan Špaňhel

Ich bin Dan. Ich schreibe nur über das, was ich selbst gekostet habe - vom Straßenstand bis zum Michelin-Stern. Für gutes Essen habe ich die halbe Welt bereist und alles Mögliche probiert - auch das Unmögliche.

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