La Pecera: japanisches Taiyaki mit Eis in Madrid
In der Calle Velarde im Madrider Viertel Malasaña wird ein Fisch verkauft, der das Meer nie gesehen hat. Er ist goldbraun, duftet nach gebackenem Teig, statt Schuppen trägt er den Abdruck einer Metallform und statt Innereien hat er Softeis.
La Pecera ist die Eisdiele, die das Taiyaki (japanisch: たい焼き) nach Madrid gebracht hat - japanisches Gebäck in Fischform, in das hier Softeis gefüllt wird wie in eine Waffeltüte. Mit der spanischen Küche hat dieser Fisch nicht das Geringste zu tun, und Madrid ist das, nach der Zahl der Filialen zu urteilen, vollkommen egal.

Was Taiyaki bedeutet und wer es zuerst gebacken hat
Tai ist auf Japanisch die Meerbrasse, yaki heißt gebacken. Warum ausgerechnet eine Brasse? Weil sie ganz im Wort medetai steckt, glücklich - und dank dieses Wortspiels ist sie in Japan der Fisch für Hochzeiten, Feste und Neujahr. Taiyaki wurde deshalb von Anfang an auch als essbarer Glücksbringer verkauft.
Das erste Taiyaki backte 1909 das Tokioter Geschäft Naniwaya im Viertel Azabu-Juban - und backt es bis heute. Die Firmenlegende erzählt, der Gründer, gebürtig aus Osaka, habe zuerst ohne Erfolg runde Imagawayaki verkauft, dann die Form einer Schildkröte versucht, und erst der Fisch kam an. Die Süßigkeit, die heute ganz Japan kennt, war nach der Darstellung ihres eigenen Erfinders Plan C. Das ist die Erzählung eines Familienbetriebs, keine Chronik; die japanische Presse gibt sie aber ebenfalls weiter, und seit hundert Jahren hat niemand eine bessere vorgelegt.
Von Tokio nach Malasaña - mit Umweg über New York
Nach Madrid kam das Taiyaki nicht aus Japan, sondern aus New York. Die dortige Kette Taiyaki NYC ersetzte Mitte des vergangenen Jahrzehnts die gewöhnliche Waffeltüte durch genau dieses Fischgebäck, Instagram besorgte den Rest, und die Welle rollte um die Welt. In Malasaña sprang 2017 die La Pecera auf sie auf - der erste Laden in Spanien, der Taiyaki mit Eis verkaufte - und hat heute Filialen in ganz Madrid und in weiteren spanischen Städten. Der Name bedeutet Aquarium, und das ist nicht im übertragenen Sinne gemeint: die Fliesen glänzen wie Schuppen, und runde Lampen steigen wie Luftblasen zur Decke auf. In Japan isst man das Taiyaki allerdings heiß, und die süße Bohnenpaste anko wird direkt in der Form mitgebacken. Die kalte Eisvariante ist eine westliche Erfindung - wenn auch mit japanischem Pass.
Heißer Fisch, kaltes Eis
Der ganze Trick liegt im Temperaturkontrast. Die Tüte - mit Vanille oder mit Kakao - wird vor Ort gebacken und kommt noch warm in die Hand; hineingefüllt wird eiskaltes Softeis, je nach Tagesangebot etwa Vanille, Schokolade oder Mango mit Joghurt, obendrauf eine Glasur aus Karamell, Nutella oder Schokolade und Keksstreusel. Softeis kennt jeder vom Kiosk im Sommer, nur ist die Waffeltüte bei uns in Tschechien bloß ein Halter, den niemand beachtet - in der La Pecera ist gerade sie der Star. Und an welchem Ende fängt man an? Die Japaner klären diese Frage tatsächlich mit Umfragen: rund zwei Drittel essen das Taiyaki vom Kopf her. Wer es nicht bis nach Malasaña schafft, muss nicht verzweifeln - die Filialen sind inzwischen über die ganze Stadt verteilt, unter anderem an der Puerta del Sol und am Bahnhof Atocha.

Zwei Fische aus der Calle Velarde
Zur La Pecera kamen wir an einem Augustabend kurz vor neun, wenn Madrid gerade erst mit dem Abendessen beginnt (siehe Wo man in Madrid essen geht). Am Ende wurden es zwei Fische: einer mit Schokoladenglasur und Karamellkeksen, der andere in knusprigen Schokostückchen gewälzt und mit buntem Zuckerstreusel bestreut. Die Tüte war warm und an den Rändern knusprig, das Eis kühlte, und die Glasur erstarrte nach wenigen Schritten zu einer dünnen Schale, die brach wie eine Schokoladenfigur. Ein Fisch mit Glasur und Streuseln kostete rund 5 EUR. Von keinem der beiden blieb auch nur eine Gräte übrig.
La Pecera