Moldawien | Seite 3 von 5
Divin: moldawischer Weinbrand mit göttlichem Namen
Divin ist der moldawische Weinbrand: ein Destillat aus Weißwein, das mindestens drei Jahre in Eichenfässern reift, eine geschützte Bezeichnung für ganz Moldawien. Der Name aus den Neunzigerjahren ist zugleich eine Abkürzung von distilat de vin und das rumänische Wort für göttlich - ein Ersatz für das verbotene Wort Cognac. Die Altersstufen von VS bis XXO folgen dem Vorbild des Cognacs, und anders als beim rumänischen Vinars darf in die Cuvée auch Zuckersirup.
Trandafirată: Likör aus Rosenblütenblättern
Trandafirată wird aus den Blütenblättern der Damaszener-Rose angesetzt - zuerst mit Zucker und Zitrone, dann mit Schnaps. Der süße Likör ist ein Hausklassiker Moldawiens wie Rumäniens, in Rumänien bezeichnet dasselbe Wort heute allerdings häufiger eine sommerliche Rosenlimonade. In Moldawien füllt ihn auch die Likörmanufaktur aus Bulboaca ab, aus Blütenblättern, die im Bezirk Anenii Noi von Hand gesammelt werden.
Nucată: Likör aus unreifen Walnüssen
Nucată ist ein Likör aus unreifen grünen Walnüssen, wie ihn die Haushalte in Moldawien und Rumänien kennen - verwandt mit dem italienischen Nocino, dem französischen Vin de noix und dem tschechischen Nusslikör. Das Weingut Castel Mimi aus Bulboaca macht daraus einen "fürstlichen" Balsam: Zu den Nüssen kommen Wein aus Traminer und Muscat, zwei Sorten Wermutkraut und Hopfen, sodass der süße Auftakt in der Bitterkeit eines Vermuts endet.
Must: Traubenmost auf halbem Weg zum Wein
Must ist frischer Traubenmost von der neuen Lese, wie man ihn im Herbst in Moldawien und Rumänien trinkt - süß, trüb und von Tag zu Tag wilder, je mehr die Hefen darin arbeiten. Sobald er zu perlen beginnt, ist er das Gegenstück zum tschechischen Burčák; die nächste Stufe nennen die Moldawier Tulburel, wörtlich "der kleine Trübe". Weil er sich nicht transportieren lässt, trinkt man ihn nur ein paar Wochen im Jahr und nur dort, wo er entstanden ist.
Piața Centrală: der Hauptmarkt von Chișinău
Der Hauptmarkt von Chișinău versorgt die Stadt seit 1825: überdachte Hallen mit Milch, Fleisch und lebenden Fischen, Standreihen unter freiem Himmel mit Trauben moldawischer Sorten, Gemüse und Jujuben, an den Eingängen Stände mit frittierten Piroschki, den Pateuri. Das Sodawasser aus dem Automaten zapft hier eine Frau in Schürze, und auf den Bänken rund um das Gelände verkaufen Bäuerinnen hausgemachten Brynza und Himbeeren.
Restaurant Acasă la Mama: moldawische Hausmannskost in Chișinău
Acasă la Mama ist ein Restaurant in Chișinău mit moldawischer Hausmannskost - der Name bedeutet "zu Hause bei Mama", und genau so sieht es hier aus und so schmeckt es auch: gewebte Teppiche, Volkskeramik und Rezepte von Hausfrauen vom Land. Aushängeschilder sind die Hühnersuppe Zeamă und die Mămăligă mit Fisch und Mujdei, auf der Karte treffen aber moldawische, rumänische und postsowjetische Schichten aufeinander.
Bucuria: die moldawische Süßwarenlegende
Bucuria ist der größte Süßwarenhersteller Moldawiens, 1946 in Chișinău gegründet. Der Name der Fabrik bedeutet Freude, und ihre Pralinen - Sauerkirschen und Trauben in Schokolade, der Krokant Meteorit oder die Trockenpflaumen Chișinăul de seară - gehören zu den bekanntesten Geschmackserlebnissen des Landes. Zwei ihrer Direktoren wurden Ministerpräsidenten, und Pralinenschachteln mit dem ovalen Logo nehmen Besucher als typisches Souvenir mit nach Hause.
Was aus Moldawien mitbringen?
Aus Moldawien habe ich vor allem Backpflaumen mitgebracht - mit Walnuss von Rifero und in Schokolade von Bucuria - und dazu Kosinaki von Noor, Covrigei von Galfim und Lebkuchen aus Cahul. Für die sowjetische Schicht meines Einkaufs stehen Borodinoer Brot mit Koriander und die Salami Moscovita. Ein Stück Ukraine steuern Fisch-Jerky und Lebkuchen aus Kiew bei.
Borschtsch: dicke Suppe aus Roter Bete, Kohl und Fleisch
Borschtsch heißt in Moldawien borș roșu, roter Borș, und steht auf den Speisekarten so selbstverständlich wie die einheimischen Suppen. Nach Bessarabien brachten ihn die ukrainischen Nachbarn, sowjetische Kantinen verbreiteten ihn im ganzen Land, und heute beschreiben ihn moldawische Websites als Geschmack der Kindheit. In der Schüssel landen meist Rote Bete, Kohl, Bohnen und viel Fleisch, dazu Smântână, eine scharfe Chilischote und Pampuschki mit Knoblauch.
Soljanka: die russische saure Suppe mit Wurst und Gurken
Die Soljanka ist in Moldawien so heimisch geworden, dass sie unter dem Namen soleancă in Restaurants, Kantinen und rund um die Uhr geöffneten Lokalen gekocht wird - die Einheimischen nennen sie dabei weiterhin russische Suppe. Es ist eine dicke, säuerlich-salzige Suppe aus mehreren Sorten Fleisch und Wurst, mit Salzgurken, Oliven und Zitrone, serviert mit Sauerrahm; sie stammt aus Russland und hat sich im ganzen ehemaligen Ostblock verbreitet.