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Restaurant Acasă la Mama: moldawische Hausmannskost in Chișinău

Das staatliche Tourismusportal Moldawiens kann bei diesem Restaurant seinen Amtston nicht halten. Seine Beschreibung beginnt mit der Frage "Und wie fühlt man sich zu Hause bei Mama?" und erklärt dann, das Haus, in dem die Mutter wohnt, sei den Moldawiern heilig. Acasă la Mama ist ein Restaurant der moldawischen Küche in Chișinău, in der Strada Petru Rareș - der Name bedeutet "zu Hause bei Mama", und Küche wie Einrichtung ordnen sich dieser Vorstellung unter. Ob das Lokal dieses Versprechen einlöst, habe ich gleich zweimal überprüft.

Acasă la Mama: Ecktisch im Gastraum.
Acasă la Mama: Ecktisch im Gastraum.

Was der Name verspricht und wer die Mama ist

Auf Rumänisch ist acasă la mama eine ganz gewöhnliche Wortverbindung, keine Redewendung. Geläufiger ist die umgekehrte Wortfolge ca la mama acasă, "wie bei Mama zu Hause" - das Motto der Hausmannskost im ganzen rumänischsprachigen Raum, das sich in Bukarest auch die Kette La Mama aufs Schild geschrieben hat. Mit dem Lokal in Chișinău hat sie nichts zu tun - in Bukarest wie in Chișinău kocht man eben unabhängig voneinander "bei Mama". Und wer ist nun die Mama aus Chișinău? Das Lokal spricht von Rezepten, gesammelt bei Hausfrauen aus Dörfern in der Mitte des Landes - was man ehrlicherweise eher als Stimmung lesen sollte denn als regionale Schule: Eine eigenwillige Küche mit eigenen Rezepten haben eher der Norden und der Süden des Landes, die Mitte rühmt sich nach außen vor allem ihres Weins. In der Selbstdarstellung taucht keine echte Mama auf, und das Restaurant spielt auch nicht mit Jahreszahlen und Familienlegenden - es setzt darauf, dass sich jeder das sonntägliche Mittagessen bei Mama selbst ausmalt.

Acasă la Mama: Gastraum mit gewebten Teppichen und Volkskeramik.
Acasă la Mama: Gastraum mit gewebten Teppichen und Volkskeramik.

Zwei Mittagessen von einer Speisekarte

Aushängeschilder hat das Lokal zwei, und beide empfiehlt auch das staatliche Portal: die Zeamă, eine Hühnersuppe vom Landhuhn, und die Mămăligă mit Fisch und der Knoblauchsauce Mujdei. Englischsprachige Reiseportale haben aus Letzterer per maschineller Übersetzung "Fish mistletoe" gemacht, also Fisch-Mistel - im Restaurant ist die Speisekarte zum Glück von Menschen geschrieben. Der Rest des Angebots mischt die Schichten, die in der moldawischen Küche aufeinandertreffen: Neben Sarmale und Mămăligă, die sie mit der rumänischen Küche gemeinsam hat, gibt es den Borschtsch als Erbe der Sowjetzeit und die Cușma lui Guguță, eine Torte, benannt nach der Lammfellmütze einer Figur aus moldawischen Kinderbüchern.

Bei zwei Besuchen habe ich mich ordentlich quer durch diese Karte gegessen. Beim ersten Mal die saure Suppe Borș verde für 93 MDL (4,60 EUR), Lamm Miel ca la Moldova für 279 MDL (13,60 EUR) - Lamm hat auf der Karte eine ganze eigene Rubrik - dazu Mămăligă mit Käse und Sauerrahm für 73 MDL (3,60 EUR) und die in Rotwein getränkten Pflaumen Prune umplute cu nuci für 87 MDL (4,20 EUR). Beim zweiten Mal den Salat ca la Sud für 97 MDL (4,80 EUR), roten Borschtsch mit dem hausgemachten Fladen Turtă für 93 und 35 MDL (4,60 und 1,70 EUR), Cighiri, Frikadellen aus Innereien im Fettnetz, für 169 MDL (8,20 EUR) mit gebratenen Kartoffeln "wie zu Hause" für 93 MDL (4,60 EUR), eine Platte mit eingelegtem Gemüse, Murături, für 165 MDL (8 EUR) und dazu ein Schälchen Adjika, das ungefragt und gratis dazukam; um den Nachtisch kümmerte sich ein örtlicher Konditor, der genau in dem Moment frische Stücke Cușma ins Lokal brachte, als ich gar keinen Nachtisch eingeplant hatte - 83 MDL (4 EUR). Der Salat ca la Sud, nach Art des Südens, kam als Berg aus geriebenem Brynza vom Schaf, unter dem sich geröstete Paprika und Aubergine mit Tomaten, Zwiebeln und scharfer Chilischote eher erahnen als sehen ließen - dem Geschmack hat das nicht im Geringsten geschadet. Zwei Besuche, elf Gerichte und kein einziger Ausrutscher.

Borș verde: grüne Suppe mit Sauerrahm und Chilischote.
Borș verde: grüne Suppe mit Sauerrahm und Chilischote.
Cighiri: Frikadellen aus Innereien mit Kartoffeln und eingelegtem Gemüse.
Cighiri: Frikadellen aus Innereien mit Kartoffeln und eingelegtem Gemüse.
Salată ca la Sud: geröstetes Gemüse unter geriebenem Brynza vom Schaf.
Salată ca la Sud: geröstetes Gemüse unter geriebenem Brynza vom Schaf.

Welchen Platz es unter den Restaurants von Chișinău einnimmt

Restaurants mit Nationalküche sind in Chișinău in den letzten zwei Jahrzehnten zahlreicher geworden, und jedes zieht in eine andere Richtung: La Plăcinte hat die Plăcinte ins Format einer schnellen Kette gebracht, das Popasul Dacilor setzt auf eine prunkvolle Kulisse mit Themensälen, und das Fuior serviert Sarmale mit Trüffelcreme. Das Acasă la Mama besetzt die schlichteste Position von allen: das Zuhause. Grob verputzte Wände, gewebte Teppiche, auf Holzrahmen gespannt, Regale mit Tonkrügen, bestickte Tischdecken - und dazu eine große, geräumige Gartenterrasse. Abends spielt manchmal Volksmusik live, und zwar nicht zu knapp.

Gekocht wird täglich vom Vormittag bis elf Uhr abends, die Speisekarte gibt es auf Rumänisch, Russisch und Englisch - mit dem Englisch des Servicepersonals ist es allerdings Glückssache. Mit Karte zahlst du hier problemlos, nur das Trinkgeld solltest du in bar bereithalten. Dazu fordert dich übrigens schon der Kassenbon selbst auf: "Bacsisul este bine venit!" - Trinkgeld ist willkommen.

Acasă la Mama: Wand mit Tellern, die den Namen des Lokals tragen.
Acasă la Mama: Wand mit Tellern, die den Namen des Lokals tragen.

Zwei Besuche und ein offener Punkt

Beide Besuche liefen gleich ab: freundliche Bedienung auch dort, wo uns die gemeinsame Sprache ausging, das Essen schnell auf dem Tisch und hervorragend von der Suppe bis zum Nachtisch - der Borș ordentlich sauer, die Cighiri mit knuspriger Kruste, die Pflaumen vom Wein durchduftet. Wenn ein Lokal in Chișinău einen Umweg wert ist, dann dieses. Und dabei habe ich sein Aushängeschild, die Zeamă, noch gar nicht probiert.

Acasă la Mama

Website

Dan Špaňhel

Dan Špaňhel

Ich bin Dan. Ich schreibe nur über das, was ich selbst gekostet habe - vom Straßenstand bis zum Michelin-Stern. Für gutes Essen habe ich die halbe Welt bereist und alles Mögliche probiert - auch das Unmögliche.

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