Restaurant 420, Prag: noch günstiger als früher. Das Erlebnis an der astronomischen Uhr ist jetzt deutlich erschwinglicher
Als ich vor einiger Zeit über das Restaurant 420 am Altstädter Ring schrieb, verließ ich es mit dem Gefühl, hier sei ein selbstbewusstes Projekt am Werk, das zwischen großartiger Gastronomie und einem für diese Lage vertretbaren Preis balanciert. Damals servierte das Restaurant präzise, aber mitunter etwas komplizierte Gerichte. Nach einem weiteren Besuch mit meiner Familie aus Mähren ist nun klar: Das Konzept hat einen stillen, aber grundlegenden Wandel durchlaufen. Die Karte wurde einfacher, die Preise sind gesunken und der Gesamteindruck ist deutlich stärker.

Während viele Prager Lokale im Zentrum die Preise immer weiter anheben, ist das 420 einen Schritt auf den tschechischen Gast zugegangen. Das gesenkte Preisniveau und die Konzentration auf verständlichere Gerichte deuten darauf hin, dass das Restaurant wohl den Bib Gourmand anpeilt - die Auszeichnung, die der Guide Michelin für hervorragendes Essen zu vernünftigen Preisen vergibt.

Die Veränderungen fallen gleich zu Beginn auf. Die vielgelobten Brötchen und das Brot aus der örtlichen Bäckerei, früher eine Aufmerksamkeit des Hauses, bestellen die Gäste jetzt von der Karte. Serviert werden sie mit geräucherter Senfbutter, und meiner Meinung nach gilt weiter: bessere Backwaren findest du in dieser Gegend kaum. Dass das frühere "Amuse-Bouche" nun etwas kostet, ist angesichts der allgemein gesenkten Preise für die Hauptgänge leider ein logischer Schritt.

Die Vorspeisen zeigen deutlich, dass die Zeit der Experimente vorbei ist. Die Entenherzen mit Sauerkirschen orientieren sich nicht an den Texturen, die man aus dem Schwesterhaus Field kennt (ach!), sondern setzen auf eine traditionellere, erdigere Zubereitung. Die Terrine von der Rinderzunge mit Meerrettich und der gebratene Igel-Stachelbart mit eingelegtem Ei bestätigen diese Richtung nur - die Zutaten dürfen glänzen, ganz ohne unnötigen Schnickschnack.


Die größte Überraschung erlebte ich bei den Hauptgängen. Zur geräucherten Rinderbrust kommen Erbsenpüree und Aroniabeeren. Gerade das Erbsenpüree ist eine Beilage, die von tschechischen Speisekarten fast verschwunden ist und höchstens in günstigen Mittagsangeboten überlebt. Hier, getragen von einem kräftigen Rinderjus und zartem Fleisch, zeigt es sein volles Potenzial. Ähnlich funktioniert die Lammroulade. Den Geschmack von Fleisch und gegrilltem Rosenkohl gleicht die leichte Säure der Buttermilchkartoffeln aus, was dem Gericht die nötige Leichtigkeit gibt.

Auf das Kalbsschnitzel Escoffier war ich schon lange scharf, manche Freunde haben es in den höchsten Tönen gelobt, andere waren weniger begeistert. Ich war am Ende sehr zufrieden. Es ist eine gewaltige Portion mit knuspriger Panade und zartem Fleisch, das im Inneren eine Käsefüllung verbirgt. Dazu kommen Kartoffelpüree und Stachelbeerkompott. Es ist ein Gericht, das einen einzelnen Esser mit seiner Größe und Mächtigkeit an die Grenzen bringt.

Die Desserts bleiben verspielt, ein wenig Förmlichkeit haben aber auch sie abgelegt. Das Chaudeau 420 kommt zerlegt auf den Tisch - die Brioche mit Walnüssen und Orange liegt für sich, den Weinschaum selbst bekommst du in einem Tässchen.

Der Eisbecher mit Schokoladeneis und Karamellsoße setzt dann einen kompromisslos üppigen süßen Schlusspunkt.

Das Restaurant 420 hat eine Position gefunden, die ihm meiner Meinung nach deutlich besser steht. Es hat unnötig komplizierte Kompositionen hinter sich gelassen und setzt auf perfekt beherrschte Tradition. Nach der Preissenkung ist es am Altstädter Ring zudem eine Wahl mit einem außergewöhnlich attraktiven Preis-Leistungs-Verhältnis.

Warst du schon im Restaurant 420?
Guten Appetit!
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