Kot Ti Baz: Omas Bistro mit Farata in Flic en Flac
In Flic en Flac hängt an der Wand eines Bistros eine Tafel, auf der keine Preise stehen. Geschrieben hat sie die Inhaberin, und sie erklärt darauf, warum es das Lokal überhaupt gibt: Sie ist Großmutter, und ihr vierjähriger Enkel soll ständig mit dem Satz "Mamie, mo ventre à faim" zu ihr gekommen sein - Oma, ich habe Hunger. Also hat sie für ihn ein Bistro aufgemacht.
Kot Ti Baz ist ein winziger Familienbetrieb an der Coastal Road in Flic en Flac, der auf wenigen Quadratmetern die Klassiker der mauritischen Küche hinbekommt: gefüllte Fladenbrote, gebratene Nudeln und gedämpfte Klößchen. Und es hat die kleinste Küche, aus der ich je etwas zu essen bekommen habe.

Was Kot Ti Baz bedeutet
Das Schild über der Theke verkündet Manzer tipik mauricien, typisches mauritisches Essen, und es sagt die Wahrheit. Im mauritischen Kreol setzt sich der Name aus drei Wörtern zusammen: kot ist die Präposition "bei", verwandt mit dem französischen chez, ti heißt "klein" und baz ist ein umgangssprachliches Wort für einen Ort, an den man geht, und ebenso für die Clique, mit der man dorthin geht. Gemeint ist also kein Stützpunkt, er klingt eher familiär: "Bei Ti Baz". Wer oder was Ti Baz genau ist, habe ich nicht herausfinden können; das Kreol lässt sich seine Kneipenbegriffe nicht in Wörterbücher schreiben. Sicher ist nur eins - für einen Militärstützpunkt ist dieser Ort wirklich schwach bewaffnet.

Ein Bistro, das das Internet nicht kennt
Auf Google Maps brauchst du Kot Ti Baz nicht zu suchen, dort steht es nicht. Von einem leeren Profil bei Foursquare abgesehen, hat das Lokal im Internet keine einzige Bewertung - und das, obwohl seine Nachbarn welche haben: ein paar Schritte weiter steht das chinesisch-mauritische Bistro Nam Wah Snack, einen Kilometer die Küste entlang backt Farata Aka Vinoda seine Fladen und am Strand brät Ti Kabann Nudeln. Ein Lokal, das zwei der verbreitetsten Gerichte des mauritischen Street Food kocht, kommt also mit einem Schild, einer handgeschriebenen Tafel und einem Topf vor der Tür aus. Auf der Tafel wird gestrichen und überschrieben, je nachdem, was es gerade gibt. Mir kam das wie die ehrlichste Werbung der Insel vor: Auf einer Tafel, von der sich der Preis mit einem Lappen wegwischen lässt, lügt es sich schwerer als auf einer Website.

Ein Kühlschrank, ein Kocher
Die Küche ist teilweise offen - wenn du fragst, kannst du beim Kochen zuschauen. Zu sehen ist das gesamte Inventar: ein Kühlschrank, ein Gaskocher und eine Arbeitsfläche, kaum größer als ein Schneidebrett. Aus dieser Ausstattung kommen gefüllte Fladenbrote Farata, gebratene Nudeln Mine frit, gekochte Mine bouillie und Curry; vor der Tür steht dazu den ganzen Tag ein Dämpftopf mit den Klößchen Boulettes. Gedruckte Kochbücher schreiben gern "Omas Küche" über Gerichte, die nie eine Oma zu Gesicht bekommen hat; hier ist es die schlichte Beschreibung des Betriebs. Ich koche fast täglich und habe zu Hause eine Küche, die größer ist als dieses ganze Bistro. Fünf Gerichte auf einmal würde ich mich darin nicht zu kochen trauen.

Gesessen wird auf Holzkisten an der Wand, das meiste Essen geht aber in Papier gewickelt zum Mitnehmen raus; ich habe es jedes Mal so gemacht. Die Köchin spricht kein Englisch, und das stört überhaupt nicht: zeigen, nicken, bezahlen. Denk aber an Bargeld, etwas anderes nehmen sie hier nicht. Das Umrechnen schaffst du im Kopf: Die Preise auf der Tafel musste man bei meinen Besuchen nur durch fünfzig teilen, und schon hatte man Euro.


Faratas, für die ich wiedergekommen bin
Faratas habe ich mir bei der Großmutter immer wieder geholt, mit vegetarischer Füllung und mit Hähnchenmischung, und alle waren ausgezeichnet: obenauf trockene, knusprige Schichten, darunter ein weicherer, fettigerer Teig und eine Füllung, die nach Curry duftete. Die vegetarische Farata kostete 25 MUR (0,50 EUR), die mit Hähnchenmischung 60 MUR (1,20 EUR). Ganz ehrlich: Wegen Kot Ti Baz fährst du nicht nach Flic en Flac. Wenn du aber schon einmal dort bist, bekommst du im Zentrum des Örtchens kaum irgendwo eine bessere Farata. Der Enkel hat sich mit einem Satz über den Hunger ein Bistro erkämpft. Nach mehreren Faratas von seiner Großmutter weiß ich: Der Junge hatte recht.