Chana puri: mauritisches Bällchen mit gelber Erbsenfüllung
Die Schilder an mauritischen Ständen mit frittierten Snacks folgen meist einer festen Rangordnung: ganz oben Gâteaux piment, darunter Samosa und irgendwo weiter unten Chana puri. An dem Food Truck in Curepipe, bei dem ich mich eingedeckt habe, stand Chana puri in der dritten Zeile von oben. Hätte ich diese Schilder geschrieben, hätte ich die Reihenfolge umgedreht.
Chana puri ist ein kleines frittiertes Hefeteigbällchen, gefüllt mit einer würzigen Masse aus gelben Spalterbsen - ein Straßensnack der mauritischen Küche, der gleich zu mehreren in einer Papiertüte über die Theke geht.

Chana puri in Indien und Chana puri auf Mauritius
Der Name setzt sich aus dem Hindi-Wort chana, Kichererbse, und puri, frittiertes Gebäck, zusammen - auf dem Weg über den Ozean hat sich der Name allerdings vom Gericht gelöst. Ein Inder stellt sich unter "Chana puri" einen Teller mit zwei Dingen vor: ein luftiges Fladenbrot poori und daneben ein Kichererbsencurry. Ein Mauritier bekommt dagegen nur eines - ein Bällchen, das beide Bestandteile in sich trägt: außen Hefeteig, innen würzige Erbsen. Dieselben zwei Wörter, eine ganz andere Grammatik des Gerichts. Am nächsten kommt die mauritische Version dem nordindischen chole bhature - auch Bhatura ist ein frittierter Hefeteig, nur liegt auch dieser Teig neben dem Curry und nicht darum herum. Und als wäre das nicht genug, verspricht der Name Kichererbsen, in der Füllung stecken aber meist gelbe Spalterbsen, gern zusammen mit Kartoffeln und Zwiebeln - nicht einmal die mauritischen Rezepte sind sich einig, was genau hineingehört, die Füllung ist also von Stand zu Stand ein Glücksspiel.
Auf der Insel gehört Chana puri zu den frittierten Kleinigkeiten zum Tee, in denen gelbe Spalterbsen gleich mehrfach die Hauptrolle spielen: Dholl puri streicht sie in einen Fladen, Gâteaux piment presst sie zu einem Bällchen ohne Hülle und die süße Tekwa schließt sie in eine Teigtasche ein. Chana puri ist der einzige Vertreter dieser Reihe, der die Füllung in Hefeteig einschließt - und genau darin liegt auch der Unterschied zur Samosa, mit der die Füllung sonst oft identisch ist. Wer den Snack auf die Insel gebracht hat, ist nicht überliefert: Die ganze Gruppe wird allgemein den indischen Vertragsarbeitern des 19. Jahrhunderts zugeschrieben, aber bei Chana puri hat niemand ein Jahr, einen Ort oder einen indischen Vorfahren belegt - der Form nach erinnert das Bällchen an die südindische Bonda, doch Ähnlichkeit ist noch kein Stammbaum.

Hefeteig, Erbsen innen, Chili obendrauf
Der Teig wird mit Hefe angesetzt und muss vor dem Frittieren gut zwei Stunden gehen; im heißen Öl werden die Bällchen dann leicht und luftig.
Verkauft wird Chana puri aus Food Trucks und an Ständen auf der ganzen Insel, meist gleich neben Dholl puri und Samosas. Gegessen werden die Bällchen heiß und mit den Händen - die Verkäufer wickeln sie in Papier, und die Insel gönnt sie sich vor allem als Nachmittagssnack zum Tee. Dazu gehört ein Tomaten- oder Korianderchutney; wer mehr verträgt, lässt sich die noch warmen Bällchen mit Chilipaste bestreichen, genau so macht man es an den Ständen. Es gibt auch eine Variante mit Fleisch, klassisch ist aber die fleischlose - noch ein mauritisches Gericht, bei dem Vegetarier nicht lange überlegen müssen.

Eine Tüte aus Curepipe
Gekauft habe ich sie am Food Truck Caravanne Bleu Blanc Rouge in Curepipe - an dem mit dem Schild, auf dem "Chanapuri" in einem Wort und erst in der dritten Zeile stand. Der Teig war luftig, die Masse im Inneren hervorragend gewürzt, und die noch warmen Bällchen habe ich mir mit Chilipaste bestrichen, die wunderbar dazu passt. Ein Bällchen kostete 5 MUR (0,10 EUR). Von allem, was ich auf Mauritius gegessen habe, ist Chana puri meine Nummer eins - ein absoluter Knaller. Und zugleich das einzige mauritische Gericht, das mir in Tschechien buchstäblich fehlt.