Markthalle von Curepipe: Street Food mitten auf Mauritius
Wer sich Mauritius als Strand mit Palme vorstellt, sollte für die Fahrt nach Curepipe einen Pullover einpacken. Die Stadt liegt mitten auf der Insel auf über 550 Metern, der Nebel hängt hier gern stundenlang, und die wohlhabenderen Familien aus Port Louis zogen in den 1860er-Jahren genau deshalb hierher: In der kühlen Höhenlage hatte die Malaria keine Chance. Daraus wurde die zweitgrößte Stadt der Insel, und mittendrin steht der Grund, warum ich hergekommen bin.
Die Markthalle von Curepipe (französisch: Marché de Curepipe) ist eine täglich geöffnete überdachte Halle mit Obst und Gemüse aus dem Inselinneren, um die herum jeden Tag Stände mit mauritischem Street Food stehen - und weil nach Curepipe keine Touristen fahren, sind die Preise hier die der Einheimischen.

Eine Stadt, die sich ihres eigenen Namens nicht sicher ist
Der Name sieht verständlich aus: curer sa pipe heißt auf Französisch sich die Pfeife reinigen, und die Legende erzählt, dass genau das die Reisenden aus Port Louis in den Südosten der Insel taten, wenn sie an einem Bach Rast machten. Reiseportale geben das als Tatsache aus. Die Stadtverwaltung von Curepipe räumt auf ihrer eigenen Website allerdings ein, dass manche Historiker die Legende bezweifeln und den Namen von einem Grundbesitzer ableitet - den sie freilich nicht nennt. Die Stadt weiß also nicht sicher, wonach sie benannt ist. Beim Namen des Busbahnhofs gleich neben der Markthalle gibt es dagegen keine Zweifel: Er ist nach Jan Palach benannt, und darauf komme ich noch zurück.
Mauritische Märkte haben mehrere Gesichter, und Curepipe ist das unauffälligste davon. Die Zentralmarkthalle in Port Louis hat eine eigene Souvenirabteilung für Touristen und ist laut einer Preiserhebung des Portals Defimedia zugleich die teuerste der Insel: Ein Korb mit vierzehn Obst- und Gemüsesorten kostete dort 17 % mehr als der Durchschnitt der übrigen Märkte; Quatre Bornes hat seinen Kleidermarkt. Curepipe ist einfach eine Halle, die sieben Tage die Woche geöffnet ist und in der die Leute aus der Stadt einkaufen, und die einzige Attraktion für Auswärtige sind die Stände.

Drei Markthallen und ein Zyklon
Das heutige Gebäude ist das dritte in der Reihe. Die erste Markthalle von 1878 war aus Teakholz mit einem Schindeldach und hieß Marché Martial, die zweite baute die Stadt im Ersten Weltkrieg, und die zerstörte 1975 der Zyklon Gervaise. An ihrer Stelle entstand die heutige elliptische Halle und auf ihrem Dach eine Reihe bunter Zylinder, die von der Stadtbahn aus wie Skulpturen aussehen und sich aus der Nähe als Werbung für Farben entpuppen. Mir haben sie besser gefallen, bevor ich das Logo gelesen hatte. Koloniale Romantik solltest du hier aber nicht suchen: Die mauritische Presse schreibt über die Halle vor allem wegen des undichten Dachs, der Tauben und der Ratten.

Was man vor der Markthalle isst und was es kostet
Die Stände vor der Halle und rund um den Busbahnhof ergeben zusammen einen ordentlichen Querschnitt durch das mauritische Street Food: Farata, ein Fladenbrot aus Weizenteig, gefüllt mit dem, was der Stand gerade in den Töpfen hat, Dholl puri mit gelben Spalterbsen im Teig, frittierte Bällchen Gâteaux piment und dreieckige Samoussa, gebratene Nudeln Mine frit und zum Nachspülen die süße Alouda. In das Fladenbrot streicht dir der Verkäufer den Tomaten-Rougaille, Curry und das eingelegte Gemüse Achard, bevor er es in Papier einwickelt. Farata entsteht hier wie am Fließband: An dem großen Stand hatte jeder seinen festen Handgriff, einer zog den Teig aus, der zweite fettete die Platte ein, der dritte füllte und wickelte ein.
Auf den Markt geht man am Vormittag, wenn die Stände in vollem Betrieb sind, im Dezember außerdem wegen der Litschis: Die Saison läuft von November bis Januar und erreicht ihren Höhepunkt kurz vor Weihnachten, sodass sich die rosa Früchte auch an den Obstständen vor der Halle stapeln. Am einfachsten kommst du mit dem Metro Express her, der Stadtbahn von Mauritius, die seit Oktober 2022 von Port Louis bis zur Endstation in Curepipe fährt - vierzig Minuten Fahrt, alle zehn Minuten eine Verbindung, das Ticket für 55 MUR aus dem Automaten an der Haltestelle, der Karten annimmt und Englisch kann.


Endstation Curepipe
Nach Curepipe kam ich mit der Stadtbahn bis zur Endstation und sah das Gebäude der Markthalle, noch bevor ich ausgestiegen war. Die Farata habe ich am großen Stand vor der Halle gekauft: eine mit reichlich vegetarischer Füllung kostete 20 MUR (0,40 EUR), die zweite in derselben Bestellung nur noch 15 MUR - ein Mengenrabatt, den bei uns in Tschechien keine Bäckerei auf Brötchen gewähren würde. Der Fladen war warm und blättrig, das Gemüsecurry darin schärfer, als ich erwartet hatte. Und dann dieses Schild. Als ich an einem anderen Imbissstand fragte, ob sie wüssten, nach wem der Busbahnhof benannt ist, zögerten die Verkäufer nicht: Sie holten ein Papierschild mit der Geschichte von Palach hervor und zeigten es mir stolz, der Stand heißt schließlich Jan Palach Snack. Wir haben ein paar Worte über ihn gewechselt; die Stadt weiß nicht sicher, wonach sie selbst benannt ist, aber wer Jan Palach war, wussten sie am Stand ganz genau. Zum Schluss habe ich am Obststand noch ein halbes Kilo Litschis mitgenommen: Die Schale platzte unter dem Fingernagel, das Fruchtfleisch war süß und saftig, mit einem Duft, den du aus der Dose nicht kennst. Das halbe Kilo kostete 75 MUR (1,40 EUR). In Port Louis das Doppelte.
Curepipe Market