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Markt Alexandru cel Bun, Iași: ein Markt für Einheimische

Dan Špaňhel Rumänien Aktualisiert Keine Kommentare

Das Rumänische hat für den Markt und für den Platz nur ein einziges Wort, piață, und wer in Iași (früher deutsch Jassy) sagt, er gehe auf die piață, kann genauso gut auf dem Weg zum Kraut sein wie zu einer Demonstration. Ich wollte zum Kraut. Der kleinste Stand, den ich dort gefunden habe, bestand aus zwei Kisten auf dem Boden: in der einen Weinblätter in Tüten, in der anderen Bündel getrockneter Kräuter, und dahinter eine Frau mit Kopftuch, die sie mit der Sorgfalt einer Juwelierin zurechtlegte.

Der Markt Alexandru cel Bun (rumänisch: Piața Alexandru cel Bun) ist der größte Markt in Iași - fast ein Hektar Stände in einem Wohnviertel außerhalb des Zentrums, wo man zum Einkaufen hingeht und nicht zum Schauen, und wo sich die rumänische Küche in den Zutaten zeigt, lange bevor sie jemand kocht. An die Markthallen in Barcelona oder Valencia erinnert man sich noch Jahre später. Dieser hier dient ausschließlich den Einheimischen, und ein Tourist ist ein Gast, mit dem niemand gerechnet hat.

Weinblätter: frische Rebenblätter für Sarmale.
Weinblätter: frische Rebenblätter für Sarmale.

Der Name vom Fürsten, die Stände aus den Siebzigern

Der Name des Marktes verspricht mehr Geschichte, als der Ort zu bieten hat. Alexandru cel Bun, Alexander der Gute, regierte das Fürstentum Moldau über dreißig Jahre lang, residierte in Suceava und stellte 1408 eine Urkunde aus, die den Kaufleuten aus Lemberg Handelsprivilegien einräumte. Diese Urkunde ist zugleich die älteste erhaltene Erwähnung von Iași überhaupt: In den Schriftquellen taucht die Stadt zum ersten Mal als Station an einer Handelsstraße auf, in keiner anderen Rolle. Der Markt mit dem fürstlichen Namen ist dagegen blutjung: Das Viertel Alexandru cel Bun entstand ab Mitte der Sechzigerjahre als Wohnsiedlung, der Markt darin wurde 1970 eröffnet. Wer einen alten Markt sucht, findet ihn im Zentrum: Die Hala Centrală steht seit 1873 auf einer Eisenkonstruktion aus der Werkstatt von Gustave Eiffel. Alexandru cel Bun macht ihr mit Fläche und Zahl der Stände Konkurrenz: Die Stadtverwaltung zählt über vierhundert.

Markt Alexandru cel Bun: Gemüsestand mit Paprika und Kräutern.
Markt Alexandru cel Bun: Gemüsestand mit Paprika und Kräutern.
Basilikum: grün und violett, verkauft wird es im Bund.
Basilikum: grün und violett, verkauft wird es im Bund.

Ein Fass mit Kraut, ein Fass mit Gurken

Seit meiner Reise ins Baltikum fasziniert mich, auf wie viele Arten sich Gemüse vergären lässt; in Iași habe ich zum ersten Mal ganze eingelegte Krautköpfe gesehen. Nicht gehobelt, sondern ganz, dicht an dicht im Holzfass, den Strunk nach oben. Ganze Köpfe vergärt man wegen der Blätter: Jedes einzelne ist eine künftige Hülle für Sarmale, gefüllte Rouladen, die Rumänien zu seinen Nationalgerichten zählt. Krautköpfe für die Sarma vergären auch die Serben in der Vojvodina und die Bulgaren; in der bulgarischen Küche würde das Fass in Iași also niemanden überraschen. In der Region Moldau wickelt man kleinere, feinere Sarmale in Weinblätter, die es im Sommer frisch und für den Winter eingesalzen zu kaufen gibt - und genau die lagen in der Kiste der Frau mit dem Kopftuch. Das nächste Fass gehörte den Gurken. Die rumänische eingelegte Gurke, Castravete murat, liegt in reiner Salzlake, Essig hat darin nichts verloren, und damit ist sie genau das, was man bei uns zu Hause in der mährischen Walachei, einer Region im Osten Tschechiens, als Salzgurke kennt. In Ungarn lässt man Sommergurken im Glas mit einer Scheibe Brot in der Sonne gären, in Rumänien ohne Brot, nur mit Dill und Knoblauch. Murături, das eingelegte Gemüse für den ganzen Winter, setzt man um das Fest des heiligen Dumitru Ende Oktober an, wenn es schon kühl ist und die Gärung langsam läuft.

Ins Fass kommt grobes, unjodiertes Salz, denn Jod bremst die Gärung. Dazu Dill, Bohnenkraut, ein paar Maiskörner, eine Scheibe Quitte und vor allem Meerrettich. Meerrettich hält Kraut und Gurken knackig und hält den Schimmel von der Oberfläche der Lake fern, deshalb verkauft man ihn auf dem Markt kiloweise, frisch ausgegraben und gewaschen, für die Bequemeren auch geschält.

Varză murată: ganze Krautköpfe, vergoren für Sarmale.
Varză murată: ganze Krautköpfe, vergoren für Sarmale.
Castraveți murați: Gurken, im Fass in Salzlake vergoren.
Castraveți murați: Gurken, im Fass in Salzlake vergoren.
Meerrettich: frisch ausgegrabene Wurzeln, Zutat für jedes Fass.
Meerrettich: frisch ausgegrabene Wurzeln, Zutat für jedes Fass.

Walnüsse, Kartoffeln mit Hund und eine Halle voller Käse

Ende August beginnt im Kreis Iași die Walnusssaison; der Kreis hat eigene registrierte Walnusssorten aus den Gemeinden Miroslava und Deleni. Auf einer Stufe saß ein Mann mit Hut und schälte sie direkt in die Kiste aus den grünen Schalen - frischer bekommt man eine Nuss nicht. Die Kartoffeln in Säcken ein Stück weiter bewachte ein brauner Hund, einer der Straßenhunde, von denen es in Rumänien immer noch genug gibt, und er war der einzige Angestellte des Marktes, der mich die ganze Zeit über im Auge behielt.

In der Mitte des Marktes steht eine verglaste, klimatisierte Halle mit Milchprodukten, in der auf den Theken Käselaibe von Erzeugern aus den umliegenden Dörfern liegen; heute lässt sich per QR-Code am Stand nachprüfen, woher der Käse stammt. Was man vor dem Einkauf wissen sollte: Das Gesetz reserviert den Kleinerzeugern mindestens vierzig Prozent der Plätze, und der Stand mit dem Schild producător ist der, an dem das Kraut derjenige vergoren hat, der es auch angebaut hat.

Walnüsse: direkt vor Ort aus den grünen Schalen geschält.
Walnüsse: direkt vor Ort aus den grünen Schalen geschält.
Kartoffeln: Säcke unter der Aufsicht eines Hundes.
Kartoffeln: Säcke unter der Aufsicht eines Hundes.
Käse: Laibe hausgemachten Käses von örtlichen Erzeugern.
Käse: Laibe hausgemachten Käses von örtlichen Erzeugern.

Ohne einen einzigen Leu am Gurkenfass

Ganz Iași ließ sich ohne einen einzigen Leu Bargeld erkunden: Überall sonst konnte man mit Karte zahlen, und ich hatte mich so daran gewöhnt, dass ich zum Markt Alexandru cel Bun (siehe Wo man in Iași essen geht) mit leerem Portemonnaie kam. Terminals halten auf rumänischen Märkten langsam Einzug, und in Iași haben einige Stände sie schon, das Fass mit den Salzgurken gehörte aber nicht dazu. Das war der einzige Moment des ganzen Besuchs, in dem mir Bargeld fehlte: eine Salzgurke aus dem Fass, die genauso aussah wie die, die ich von zu Hause aus der mährischen Walachei kenne - und dafür hatte ich keinen einzigen Leu. Auf einen Markt, der nach dem Mann benannt ist, der Iași die ersten Handelsprivilegien gab, kam ich so als jemand, der nicht handeln konnte.

Dan Špaňhel

Dan Špaňhel

Ich bin Dan. Ich schreibe nur über das, was ich selbst gekostet habe - vom Straßenstand bis zum Michelin-Stern. Für gutes Essen habe ich die halbe Welt bereist und alles Mögliche probiert - auch das Unmögliche.

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