Rakı: das türkische Nationalgetränk
Rakı ist ein traditioneller türkischer Schnaps aus Trauben und Anis. Seine Geschichte ist eng mit der Kultur und dem geselligen Leben in der Türkei verwoben. Oft wird er als "türkisches alkoholisches Nationalgetränk" bezeichnet. Getrunken wird er mit Wasser, wodurch er seine typische milchig weiße Farbe bekommt.

Herkunft und Geschichte des Rakı
Rakı stammt aus der Zeit des Osmanischen Reiches, in das Brennkunst und Schnapsgenuss über den Mittelmeerraum und den Nahen Osten kamen. Belegt ist seine Produktion bereits im 17. Jahrhundert. Mit der Zeit wurde er zu einem festen Bestandteil der türkischen Kultur, vor allem während der Tanzimat-Reformen im 19. Jahrhundert, als man ihn in größerem Maßstab zu brennen begann.
Das Wort "rakı" geht vermutlich auf das arabische "araq" zurück, das destillierte Getränke bezeichnet. Derselbe Begriff steht auch in anderen Ländern für ähnliche Spirituosen.
Typische Zutaten und Herstellung des Rakı
Rakı entsteht durch das Brennen vergorener Trauben, manchmal auch getrockneter Rosinen. Danach kommt Anis dazu, der dem Getränk seinen unverwechselbaren Geschmack gibt. Die Herstellung läuft in mehreren Schritten ab:
- Gärung - Trauben oder Rosinen vergären, damit die alkoholische Grundmaische entsteht.
- Erster Brand - die vergorene Maische wird destilliert, daraus entsteht der Grundbrand.
- Zugabe von Anis - dem Brand werden Anissamen beigegeben.
- Zweiter Brand - die Mischung wird erneut destilliert, damit der Geschmack reiner und weicher wird.
- Reifung - der Rakı ruht in Edelstahltanks oder Eichenfässern.
Rakı Göbek
Beim Brennen von Rakı spricht man vom "göbek" (türkisch "Nabel"), also vom Mittellauf des Destillats. Dieser Teil gilt als der beste, denn er enthält den reinsten Alkohol und die ausgewogensten Aromen. Am Anfang des Brandes (im sogenannten Vorlauf) und an dessen Ende (im Nachlauf) können unerwünschte Stoffe oder Fehltöne auftreten, deshalb werden diese Teile getrennt. Der Göbek bleibt dagegen immer im Endprodukt und prägt dessen Qualität entscheidend.
Der Göbek gilt als der edelste Teil des Destillats. Genau so ein Fläschchen Rakı Göbek der Marke Efe habe ich auf meiner Reise durch die Türkei im April probiert. In einem Spezialgeschäft in Konya kostete die 35-cl-Flasche 760 TRY (18 EUR).
Wie man Rakı trinkt
Rakı kommt traditionell in schmalen Gläsern auf den Tisch, meist mit Wasser oder Eiswürfeln. Sobald Wasser dazukommt, passiert etwas Chemisches: Die Anisöle färben das Getränk milchig weiß. In der Türkei heißt es dann "aslan sütü", Löwenmilch.
Warum aus den Trauben Rakı wird und nicht Wein
In der türkischen Kultur hat Rakı historisch Vorrang vor Wein, vor allem aus religiösen und kulturellen Gründen. Das Osmanische Reich war überwiegend muslimisch, und obwohl Alkohol nicht für alle Bewohner verboten war, galt Rakı als der akzeptablere Alkohol - akzeptabler jedenfalls als Wein.
Dazu kommt ein praktischer Grund: Für Rakı taugen auch Trauben oder Rosinen minderer Qualität, die sich weder für Wein noch für die Küche geeignet hätten. So ließ sich die Ernte bis zum letzten Rest verwerten.
Ähnliche Getränke in anderen Ländern
Rakı hat weltweit viele Verwandte, alle mit derselben Grundlage - einem Brand mit Anis:
- Ouzo (Griechenland) - der griechische Anisschnaps, den man ähnlich wie Rakı trinkt, oft mit Wasser.
- Arak (Naher Osten) - beliebt in Ländern wie Libanon, Syrien oder Irak.
- Pastis (Frankreich) - das französische Gegenstück, in dem neben Anis noch weitere Kräuter stecken, etwa Süßholz.
- Sambuca (Italien) - ein italienischer Likör, süßer als Rakı, oft mit Kaffeebohnen serviert.
- Mastika (Balkan) - ein Balkanbrand mit Harz oder Anis, besonders beliebt in Bulgarien und Nordmazedonien.
Ich mag Wein lieber als Hochprozentiges, aber gerade Anisbrände gehören zu meinen Favoriten.
Zum Wohl - und trink mit Maß!