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Restaurant Torna a Surriento: Trattoria in Sorrent, benannt nach einem neapolitanischen Lied

Dan Špaňhel Italien Aktualisiert Keine Kommentare

Über die Tür schreibt ein Lokal für gewöhnlich den Namen der Familie, der Stadt oder des Schutzpatrons. Die Trattoria in der ruhigen Via Santa Lucia hat sich stattdessen eine Bitte geliehen: Torna a Surriento, Komm zurück nach Sorrent - der Titel des berühmtesten Liedes, das je über die Stadt geschrieben wurde.

Torna a Surriento ist eine Familientrattoria in Sorrent, in der ein Ehepaar aus Neapel italienische Küche auf neapolitanische Art kocht: langsam gezogenes Ragù, hausgemachte Pasta und bitteres Gemüse aus Kampanien.

Polpette aus der Trattoria Torna a Surriento: Fleischbällchen in neapolitanischem Ragù mit Ricotta und Friarielli.
Polpette aus der Trattoria Torna a Surriento: Fleischbällchen in neapolitanischem Ragù mit Ricotta und Friarielli.

Woher der Name Torna a Surriento stammt

Geschrieben haben das Lied die Brüder De Curtis - Ernesto die Musik, Giambattista den Text auf Neapolitanisch - und zum ersten Mal erklang es am 15. September 1902 in Sorrent. Der überlieferten Version nach entstand es in aller Eile zur Begrüßung von Ministerpräsident Zanardelli; genaueren Quellen zufolge ist die Melodie allerdings älter, von 1894, und bekam in jenem September nur eine neue Aufgabe. Das berühmteste Lied der Sehnsucht nach Sorrent begann also wohl als höfliche Mahnung - die Stadt brauchte jemanden, der den Ministerpräsidenten daran erinnerte, in welchem Zustand ihre Kanalisation war. Im Refrain ist davon keine Spur geblieben, die Bitte "komm zurück" steht dort unverändert.

Das Lokal, das diesen Namen trägt, ist gegen das Lied ein Jungspund. Nicola Caprio und Roberta Clemente eröffneten es 2017, als sie von Neapel nach Sorrent zogen: Sie steht in der Küche und hütet die Familienrezepte, er führt den Gastraum, ein paar Jahre später kam zur Trattoria noch eine Pizzeria dazu. Das Lied bittet die gebürtigen Sorrentiner um Rückkehr; über die Tür gehängt haben es am Ende zwei Neapolitaner, die neu in die Stadt gezogen sind.

Neapel auf dem Sorrentiner Teller

Dabei hat Sorrent genug eigene kulinarische Wahrzeichen: Zitronen, Limoncello und das Törtchen Delizia al limone. Die Familie Caprio setzte auf Neapel. Die Grundlage ist das Ragù napoletano - statt Hackfleisch wie in Bologna kommen ganze Fleischstücke hinein, die stundenlang in der Tomatensoße ziehen - und die Polpette, Fleischbällchen, die direkt darin schmoren. Polpette sind entfernte Verwandte der Frikadellen, nur brät man sie nicht trocken in der Pfanne, sondern sie garen von Anfang an in der Soße. Zum Fleisch gehören in Neapel die Friarielli, junge Triebe des Stängelkohls, die an Brokkoli erinnern, nur schlanker und angenehm bitter.

Zwei kampanische Nudelklassiker haben jeweils eine ganz andere Herkunftsgeschichte. Gnocchi alla sorrentina, mit Tomaten, Mozzarella und Basilikum überbackene Klößchen, sind die Einzigen, die direkt nach Sorrent benannt sind. Bei den Scialatielli, dicken kurzen Nudeln, ist die Herkunft umstritten: Die traditionelle Version schreibt sie einem Koch aus Amalfi zu, eine neuere behauptet, gerollt worden seien sie zum ersten Mal in den kalabrischen Bergen. Die Nudel, die heute an der ganzen kampanischen Küste auf den Tisch kommt, ist also vielleicht Hunderte Kilometer vom Meer entfernt entstanden.

Sorrents Zentrum kocht zu großen Teilen für Touristen, und entsprechend fallen auch die Rechnungen aus; die Familientrattorien, in denen man besser und günstiger isst, liegen meist ein, zwei Gassen abseits. Torna a Surriento ist genau so ein Fall: ein paar Schritte von der Flaniermeile entfernt und trotzdem abseits des Touristenstroms. Abends wird an den Tischen gesungen, hierher passt also eher ein langes Abendessen als ein schnelles Mittagessen.

Zu Tisch bei der Familie Caprio in Sorrent

Genau deshalb sind wir hergekommen - wegen der lokalen Küche und weil das Lokal abseits der Hauptrouten liegt. Angefangen haben wir mit einer Auswahl an Vorspeisen: Fleischbällchen im Ragù mit Ricotta und Friarielli, dazu aufgebackenes Brot und in Öl eingelegte Auberginen, zusammen für 8 EUR. Die größte Überraschung auf dem Teller waren die Auberginen - ein Geschmack, den ich aus einem Einmachglas nicht erwartet hätte. Weiter ging es über die Gnocchi alla sorrentina (6 EUR) zu den Scialatielli mit Salsiccia, Auberginen und geräuchertem Mozzarella (8 EUR); ein gehaltvolles Essen, nach dem man nur schwer vom Tisch aufsteht, aber es schmeckte ausgezeichnet. Die Bedienung war freundlich und die Preise für Sorrent sehr vernünftig, ich würde zum Essen also gern wiederkommen. Ein italienischer Reiseführer fasst die Trattoria mit den Worten "viel Musik für wenig Geld" zusammen - und da stimme ich voll zu.

Torna a Surriento

Dan Špaňhel

Dan Špaňhel

Ich bin Dan. Ich schreibe nur über das, was ich selbst gekostet habe - vom Straßenstand bis zum Michelin-Stern. Für gutes Essen habe ich die halbe Welt bereist und alles Mögliche probiert - auch das Unmögliche.

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