Zentralmarkthalle in Port Louis: der Basar der Hauptstadt von Mauritius
Die ältesten Teile der Zentralmarkthalle sind nicht auf Mauritius entstanden, sondern in Schottland. Die verzierten gusseisernen Tore, ein filigranes Spitzenmuster mit Blumen, wurde in Glasgow gegossen und zerlegt in Kisten per Schiff um den halben Globus geschickt; in Port Louis mussten sie nur noch zusammengeschraubt werden.
Die Zentralmarkthalle (kreolisch: Bazar Porlwi) ist die überdachte Lebensmittelmarkthalle im Zentrum von Port Louis, in der die mauritische Küche seit 1845 einkauft - die Haupthalle gehört Obst und Gemüse, die Nebenhallen Fleisch und Fisch und ein eigenes Gebäude den kleinen Bistros.

Markt an derselben Stelle seit 1725
Den ersten Basar ließ hier schon 1725 der französische Gouverneur La Bourdonnais einrichten; die heutige Halle baute die britische Verwaltung zwischen 1839 und 1845, das Gusseisen für die Tore bestellte sie in Glasgow. Reiseführer machen die Halle gern zur ältesten der Insel - das Gebäude ist es nicht, die dreihundertjährige Markttradition des Ortes schon. Heute ist der Bau ein nationales Denkmal und für die Einheimischen aber immer noch vor allem le Bazar: den französischen Namen Marché Central hörst du eher von Fremdenführern als von den Händlern.
Eine überdachte Kolonialmarkthalle ist zudem keine mauritische Erfindung. Eine fast ebenso alte Schwester steht seit 1840 in Victoria auf den Seychellen, und auch auf der Insel selbst haben die Markthallen die Rollen unter sich aufgeteilt: Curepipe hat Handwerk und Textilien in einem Basaltbau, Quatre Bornes hat den größten Textilmarkt unter freiem Himmel - und ein paar Straßen weiter steht die moderne Konkurrenz, die Markthalle im Bahnhof Victoria. Der Basar in Port Louis ist damit "nur" die größte überdachte Lebensmittelmarkthalle der Insel - und die, in die Fremdenführer die Touristen zuerst schicken.


Was unter einem Dach verkauft wird
In der Haupthalle sieht man alles, was die Insel hervorbringt: Pyramiden aus Mangos und Ananas, in der Saison Litschis, Kräuterbündel und bei den Gewürzhändlern Vanille, Kurkuma oder die Gewürzmischung Masala. Die Händler besprühen Obst und Gemüse den ganzen Tag mit Wasser, damit auch in der tropischen Hitze nichts austrocknet. Du bekommst hier auch Tofu und frische Eiernudeln - genau hier holen die Köche der kleinen Bistros ihre Zutaten für die gebratenen Nudeln Mine frit. Am vollsten ist es samstags; wer die frischeste Ware will und die Hitze noch ertragen kann, kommt gegen neun Uhr morgens.
Zweimal hat das Feuer die Halle heimgesucht - die Brände von 1981 und 1999 beschädigten den Flügel mit Obst und Gemüse. Aus dem ausgebrannten Teil wurde ein Stockwerk mit Souvenirs, und 2004 entstand das zweigeschossige Gebäude mit den Bistros. Die beiden Bereiche, wegen derer heute die meisten Touristen herkommen, hat der Halle also das Feuer beschert. Gehandelt wird nur oben bei den T-Shirts mit dem Dodo; unten beim Gemüse stehen die Preise mit Filzstift auf Kartons und sind fest.



Fleisch und Fisch nur für starke Mägen
Fleisch und Fisch haben eigene Hallen - zum Glück getrennt von der Haupthalle. Kühlvitrinen haben es hierher nie geschafft: Das Rindfleisch liegt direkt auf den Tischen, und den Thunfisch zerlegt ein Verkäufer im Squid-Game-T-Shirt mit der Machete. Ein Tourist verirrt sich nur selten hierher und im tropischen Sommer, wenn man ohne Klimaanlage kaum Luft bekommt, fast nie. Wer sich die Nase zuhält und durchgeht, sieht den Fisch-, Rind- und Hähnchenverkäufern bei der Arbeit zu.



Kokosnuss für achtzig Cent
Ich bin durch alle Hallen gegangen. In der Haupthalle habe ich die Hälfte des Gemüses zum ersten Mal im Leben gesehen - meterlange Bohnen, knubbelige Bittermelonen. Ich habe mir eine geschälte Kokosnuss für rund 0,80 EUR gekauft; das Obst ist auf der Insel um Klassen besser als das, was bei uns erst den halben Globus hinter sich bringen muss. In die Fleisch- und Fischhallen habe ich zuerst nur hineingeschaut; am Ende konnte ich nicht widerstehen und bin doch ganz durchgegangen und war froh, wieder zwischen Mangos und Kräutern zu stehen; zur süßen Alouda im Gebäude mit den Bistros sind es dann nur noch ein paar Schritte. Die gusseisernen Tore mussten einst aus Glasgow über das Meer gebracht werden. Das Beste, was unter ihnen verkauft wird, braucht keine Überfahrt.
Central Market