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Pliska: der bulgarische Brandy, der den Namen der ersten Hauptstadt trägt

Dan Špaňhel Bulgarien Aktualisiert Keine Kommentare

Auf dem Etikett dieser Flasche steht eine Menge: fünf Sterne, eine große Fünf, der Schriftzug "since 1966" und quer über die ganze Breite das englische Wort Brandy. Ein Wort fehlt allerdings - und ausgerechnet das, mit dem in Bulgarien jeder diesen Brandy bestellt.

Pliska (bulgarisch: Плиска) ist ein bulgarischer Weinbrand - ein Destillat aus Weißwein, das mehrere Jahre in Eichenfässern reift, bis es bernsteinfarben wird und eine Milde entwickelt, die von der bulgarischen Küche kaum jemand erwarten würde. Zu Hause sagt man Konjak dazu. Aufs Etikett darf das nicht.

Pliska: die fünfjährige Basisreihe des bulgarischen Brandys.
Pliska: die fünfjährige Basisreihe des bulgarischen Brandys.

Zwei Hauptstädte in einer Flasche

Den Namen hat er von Pliska, der ersten Hauptstadt des Bulgarischen Reiches, die ab 681 beim heutigen Schumen stand von der ein archäologisches Reservat übrig geblieben ist. Der Hersteller, die Firma Vinex Preslav, sitzt dabei in Weliki Preslaw, also in der zweiten Hauptstadt - und hat die teurere Schwestermarke genau danach benannt. Wer in Bulgarien Geschichte in zwei Etappen kaufen will, nimmt Pliska und Preslav aus dem Regal und hat sie in der Reihenfolge, in der sie sich abgespielt hat.

Mit dem Wort Konjak ist es komplizierter. Rechtlich steht es allein der französischen Region um die Stadt Cognac zu, und die Europäische Union wacht darüber, dass es sonst niemand auf eine Flasche schreibt; auf dem bulgarischen Etikett steht deshalb Brandy, aus dem niederländischen brandewijn, gebrannter Wein, und am Tisch sagen trotzdem alle Konjak. Damit stehen die Bulgaren nicht allein da. Der ganze frühere Ostblock brannte dasselbe aus Wein und ließ es in Eiche reifen, und jedes Land musste sich dann ein eigenes Wort ausdenken: Serbien hat vinjak, Rumänien vinars, Moldawien divin. Armenien hat sich eine Ausnahme ausgehandelt und darf seinen Ararat zu Hause noch ein paar Jahre lang Konjak nennen. Der griechische Metaxa gehört nicht in diese Familie, das ist ein Brandy, der mit Wein und Kräutern verschnitten wird. Pliska ist ein Nationalgetränk, das Prinzip aber ist von Kruševac bis Eriwan dasselbe.

Wie aus Pliska der Konjak für den ganzen Ostblock wurde

Zur Staatssache wurde das Weindestillat in Bulgarien nach dem Krieg, als der Staat das Branntweinmonopol einführte, und die Marke Pliska tauchte 1953 auf einem drei bis fünf Jahre alten Destillat auf. Warum auf dem heutigen Etikett 1966 steht, habe ich nicht herausgefunden; beides ist jedenfalls älter als ich. Die größte Karriere machte er in der Sowjetunion. Zu den Olympischen Spielen 1980 wurde so viel Pliska nach Moskau geliefert, dass er keine Mangelware mehr war - im damaligen Moskau eine Ehre, die nur wenigen Produkten zuteilwurde.

Pliska: ein eingeschenktes Glas Brandy.
Pliska: ein eingeschenktes Glas Brandy.

Was die Fünf auf dem Etikett bedeutet

Die Basis ist Weißwein, meist aus der Rebsorte dimjat, die rund um Schumen und Preslaw wächst und viel Säure hat - genau das, was ein Destillat braucht, damit es im Fass nicht flach wird. Dann kommt die Eiche. Die Fünf auf dem Etikett steht für die Jahre, die die Basisreihe reift; sie hat 36 Prozent. Die Reihe Reserve VSOP reift sieben Jahre und hat volle vierzig. Vanille und Honig, die du im Glas riechst, hat das Eichenfass beigesteuert - in fünf Jahren hat es hergegeben, was es zu geben hatte.

Getrunken wird er nach dem Essen, aus einem kleinen Glas, ohne Eis und in Portionen zu fünfzig Millilitern. Verwechsle ihn nicht mit dem Rakija, auch wenn beide auf der Karte nebeneinander stehen: Rakija darf aus Trauben oder jedem beliebigen Obst gebrannt werden und in allem oder gar nicht reifen, Brandy nur aus Wein und nur in Eiche. Die Bulgaren fassen das in dem Spruch zusammen, dass jeder Rakija ein Brandy ist, aber nicht jeder Brandy ein Rakija - und wer nach dem Abendessen etwas Gereiftes will, sucht die zweite Hälfte des Satzes.

Ein Glas mit Blick aufs Schwarze Meer

Getrunken habe ich Pliska in Baltschik, einem Städtchen an der Küste nördlich von Warna, im Restaurant Rhomphaia nach dem Mittagessen; die Flasche kam zu mir auf die Terrasse, hinter der schon das Meer lag. Die Farbe Bernstein, im Duft Vanille und Honig, im Mund weich, mit süßlichem Auftakt und einer Wärme, die erst im Hals ankommt - für 36 Prozent ruhiger, als ich erwartet hatte. Ein Gläschen zu 5 cl kostete rund 2,40 EUR. Auf dem Etikett fehlte das Wort Konjak. Im Glas nicht.

Dan Špaňhel

Dan Špaňhel

Ich bin Dan. Ich schreibe nur über das, was ich selbst gekostet habe - vom Straßenstand bis zum Michelin-Stern. Für gutes Essen habe ich die halbe Welt bereist und alles Mögliche probiert - auch das Unmögliche.

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