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Erriberako merkatua: die Markthalle von Bilbao am Ufer des Nervión

Dan Špaňhel Spanien Aktualisiert Keine Kommentare

Die Schilder an den Theken der Markthalle von Bilbao verraten neben dem Preis noch etwas Zweites: In einem Teil der Ware steckt eine kleine baskische Flagge. Sie sagt, dass der Fisch, der Käse oder die Wurst darunter von hier stammt, und im Baskenland, wo die Herkunft zählt, ist das keine Kleinigkeit; von allem, was die Markthalle zu bieten hat, war mir genau das am sympathischsten.

Erriberako merkatua (spanisch: Mercado de la Ribera) ist die Markthalle von Bilbao, eine 134 Meter lange Halle von 1929 am Ufer des Nervión: unten gibt es Fisch und Fleisch, eine Etage höher Wurstwaren, Käse und Gemüse, und in der Bar-Etage isst man Pintxos - kurz gesagt alles, was die spanische Küche im Baskenland auf den Tisch bringt, an einem Ort direkt neben den Gassen der Altstadt.

Erriberako merkatua: das Gebäude der Markthalle am Ufer des Nervión.
Erriberako merkatua: das Gebäude der Markthalle am Ufer des Nervión.

Zwei Namen, eine Adresse

Bilbao hat für die Markthalle zwei Namen und wechselt sie ohne Vorwarnung: auf Baskisch Erriberako merkatua, auf Spanisch Mercado de la Ribera. Beide bedeuten dasselbe, Markt am Ufer, denn ribera heißt auf Spanisch Flussufer und erribera auf Baskisch genau dasselbe. Der Name verrät also nichts über das Gebäude, nur, wo es steht: am rechten Ufer des Nervión, dort, wo der Fluss die Altstadt umschlingt. Ähnliche Hallen entstanden damals in derselben Bauwelle in ganz Spanien - der Mercat Central d'Alacant ist sieben Jahre älter und steht mitten in der Stadt, diese hier steht am Wasser, und man sieht es ihr an. Konkurrenz hat sie aber nicht in anderen Markthallen, sondern ein paar hundert Meter weiter: in den Gassen mit den Bars, in die man zum Txikiteo geht.

Erriberako merkatua: die verglaste Jugendstilfassade der Markthalle.
Erriberako merkatua: die verglaste Jugendstilfassade der Markthalle.

Sieben Jahrhunderte Markt und ein Gebäude, das Schiff genannt wird

Markt gab es hier schon, bevor irgendetwas stand, was man ein Gebäude hätte nennen können: Das Recht auf einen Wochenmarkt am Ufer bekam Bilbao bereits im 14. Jahrhundert, und der Handel ist seither nicht von der Stelle gewichen. Die Halle aus Eisen und Glas vom Ende des 19. Jahrhunderts ersetzte der heutige Stahlbetonbau des Stadtarchitekten Pedro Ispizua, eröffnet im August 1929 mitten in den Stadtfesten. Über seine Form heißt es seitdem, sie sei ein umgedrehtes Schiff, eine Hommage an den Fluss und an die Werften. Baskische Quellen sind nüchterner: Der lange schmale Grundriss folgt schlicht dem Grundstück in der Flussbiegung, und ein Schiff haben erst diejenigen daraus gemacht, die vom gegenüberliegenden Ufer herüberschauten. Wer recht hat, weiß ich nicht. Mir kam sie wie die interessanteste Markthalle vor, die ich je gesehen habe - ob es nun der Architekt entworfen hat oder das Grundstück.

Der Fluss versorgte die Markthalle ohnehin auch ohne Metaphern. Die Ware kam lange mit Kähnen, die flussaufwärts von Frauen am Seil getreidelt wurden, die man sirgueras nannte; die Fischstände bekamen das Erdgeschoss, weil es dem Wasser am nächsten lag. Der Großhandel zog erst 1971 nach MercaBilbao um, und neunzehn Jahre später folgte der Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde als vollständigste städtische Markthalle. Den Rekord von 1990 hat seither niemand nachgemessen, in Werbetexten hält er sich trotzdem bis heute. Der spätere Umbau kümmerte sich dann vor allem um den Beton, der bröckelte, weil ihm einst Sand vom Strand beigemischt worden war. So hat der Fluss auch dort seine Handschrift am Gebäude hinterlassen, wo ihn niemand eingeladen hatte.

Erriberako merkatua: Stand mit Jamón ibérico und Chorizo.
Erriberako merkatua: Stand mit Jamón ibérico und Chorizo.

Was auf dem Eis liegt und wann man es sich ansehen sollte

Das Erdgeschoss gehört noch immer dem Fisch, und es ist der beste Teil der Halle. Auf dem Eis liegen ganze Lachse und Seeteufel mit Kopf, in Kisten Sardinen, Garnelen nach Größe und Preis sortiert und daneben percebes, Entenmuscheln. Bei uns kaufen wir Fisch meist filetiert und eingeschweißt; hier hat jedes Stück einen Kopf, Augen und einen Preis. Eine Etage höher hängen die Ibérico-Keulen, darunter liegt Chorizo aus Zamora und León, an der Käsetheke Idiazabal, und beim Fleisch hat der Metzger ein Schild mit der Aufschrift txilindron. Das ist weder eine Fleischsorte noch eine baskische Erfindung, sondern eine Art, es in einer Sauce aus Zwiebeln, Tomaten und Paprika zu schmoren, und diese Art teilt sich das Baskenland mit Aragonien, Navarra und der Rioja. Daneben liegt Rindfleisch für den Txuletón, ein hohes Rindersteak, das hier über Holzkohle gegrillt wird. Die kleine Flagge auf dem Schild schafft dabei Ordnung: Der Käse aus den baskischen Bergen bekommt sie, der Chorizo aus Zamora nicht.

Erriberako merkatua: Theke mit frischem Lachs und Seeteufel.
Erriberako merkatua: Theke mit frischem Lachs und Seeteufel.
Erriberako merkatua: Angebot an Garnelen und Tintenfischen.
Erriberako merkatua: Angebot an Garnelen und Tintenfischen.

Die Markthalle öffnet um acht Uhr morgens und schließt erst am Abend, sonntags geht es um elf los; die Straßenbahn hält direkt unterhalb, und die Haltestelle heißt schlicht Ribera. Wer einkaufen und schauen will, kommt am besten vormittags, wenn die Theken voll sind; für Pintxos ist jede Uhrzeit recht. Die Bar-Etage ist jünger als das Gebäude und keine baskische Idee: Das Modell der Markthalle mit Bars darin hat 2009 der Madrider Mercado de San Miguel losgetreten, und seitdem wird das Modell von Barcelona bis Bilbao kopiert. Die Pintxos sind hier dieselben wie überall im Baskenland (die berühmteste davon ist die Gilda), getrunken wird dazu Txakoli.

Erriberako merkatua: Percebes und Muscheln auf dem Eis.
Erriberako merkatua: Percebes und Muscheln auf dem Eis.
Erriberako merkatua: Stand mit süßem Blätterteiggebäck.
Erriberako merkatua: Stand mit süßem Blätterteiggebäck.

Oben die Buntglasfenster, unten die Schilder

In Bilbao bin ich durch die ganze Markthalle gegangen, vom Fisch im Erdgeschoss bis hinauf zur Bar-Etage, den Kopf immer zu den Auslagen geneigt. Pintxos habe ich mir oben keine bestellt. Die Preise sind hier höher als in den Bars in der Stadt, und die kleinen Bars außerhalb der Halle sind mir vor allem wegen der Atmosphäre lieber, die diese Halle für mich einfach nicht hat - in der Bar steht man und bestellt über Köpfe hinweg, in der Markthalle sitzt man und schaut. Das Teuerste, was ich aus der Ribera mitgenommen habe, ist deshalb das Foto eines Schildes: Percebes, 59,95 EUR das Kilo.

Erriberako merkatua

Dan Špaňhel

Dan Špaňhel

Ich bin Dan. Ich schreibe nur über das, was ich selbst gekostet habe - vom Straßenstand bis zum Michelin-Stern. Für gutes Essen habe ich die halbe Welt bereist und alles Mögliche probiert - auch das Unmögliche.

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