Markt von Quatre Bornes: Kleidermarkt und Street Food auf Mauritius
Mittwochs und samstags gibt es in der Halle Gemüse, Fisch und Fleisch. Donnerstags und sonntags füllen sich die Straßen ringsum mit Hunderten von Ständen voller Jeans, Saris, Pashminas und Modeschmuck, und Quatre Bornes wird zum bekanntesten Kleidermarkt von Mauritius. Und an allen sieben Tagen der Woche wird dabei gegessen.
Der Markt von Quatre Bornes (französisch: la foire de Quatre Bornes) ist ein Stadtmarkt auf dem zentralen Hochplateau der Insel: eine Markthalle für Lebensmittel, zweimal pro Woche ein Kleidermarkt in den umliegenden Straßen und dazwischen ein Food Court kleiner Bistros, in denen die mauritische Küche alles verkauft, was sich aus der Hand essen lässt. Diese Website schickt dich also zum ersten Mal Kleider kaufen. Wegen des Essens.

Vier Grenzsteine und die Landkarte der mauritischen Märkte
Ihren Namen hat die Stadt aus dem Kataster. Quatre bornes sind vier Grenzsteine, die einst die Zuckergüter Palma, Trianon, Bassin und Beau Séjour voneinander trennten; die Siedlung wuchs dort, wo diese vier Grenzen aufeinandertrafen, und der Name blieb ihr, auch wenn aus den Plantagen längst eine Stadt mit siebzigtausend Einwohnern und dem Beinamen la ville des fleurs geworden ist. Sie liegt auf dem Hochplateau in der Inselmitte, vierzehn Kilometer südlich von Port Louis, und wie jede mauritische Stadt hat sie ihren Markt. Die Zentralmarkthalle in Port Louis ist die älteste und touristischste, Flacq hat den größten Markt, Curepipe das bunteste Gebäude und Quatre Bornes das, wofür zweimal in der Woche die ganze Umgebung anreist - Kleidung. Auch der abwechselnde Rhythmus, zwei Tage Lebensmittel und zwei Tage Textil am selben Ort, ist keine örtliche Erfindung; im benachbarten Rose-Hill läuft es genauso.

Woher die Jeans auf der Straße kommen
Das Wort foire bezeichnet in Frankreich einen Jahrmarkt, auf Mauritius einen Wochenmarkt unter freiem Himmel. Dass darauf ausgerechnet Kleidung verkauft wird, hängt damit zusammen, womit die Insel nach der Unabhängigkeit reich geworden ist: ab 1970 entstand auf Mauritius eine Exportzone, und die mauritischen Nähereien kleideten Europa so lange ein, bis billige Jeans zu einer ebenso einheimischen Ware wurden wie Zucker. Wann in den Straßen rund um den Markt der erste Stand mit Hosen aufgebaut wurde, lässt sich nicht datieren, und die Behauptung, hier würden Überschüsse aus den Fabriken verkauft, wiederholt jeder Reiseführer und belegt keiner. Belegt ist etwas anderes: Als die Stadtverwaltung ankündigte, die alte Halle abzureißen und eine neue zu bauen, setzten sich die Händler kurzerhand in den Hof des Rathauses. Ein Kartoffelverkäufer gab an, seine Familie betreibe den Stand seit über fünfzig Jahren, und die Stadt lenkte am Ende ein und stimmte einem Umbau in zwei Etappen zu, damit der Handel keinen einzigen Tag stillsteht. Ein Markt ohne Kartoffeln hätte das überlebt. Ein Kartoffelhändler ohne Markt nicht.

Was man in Quatre Bornes zwischen den Kleiderständern isst
Die Essensstände stellen den Bauernmarkt, wie man ihn kennt, auf den Kopf: Sonst geht man wegen des Essens hin und die Kleidung hängt nebenbei, hier geht man wegen der Jeans hin und das Essen ist der Grund, warum man bleibt. Das Repertoire ist überall auf der Insel dasselbe: ein paar Fladen Dholl puri mit Curry und Chutney, in Papier gewickelt, frittierte Bällchen Gâteaux piment aus zerstoßenen Spalterbsen und Chili, die man tütenweise kauft, Klößchen Boulettes aus dem Dämpfer und dazu rosa Alouda aus dem Plastikbecher. Der Preis für Dholl puri ist auf der Insel ein öffentliches Thema: Wenn die Standbetreiber die Preise erhöhen, schreiben die Zeitungen darüber, als ginge es um Benzin. Auf mauritischen Websites liest man den Rat, Dholl puri erst an zwei, drei Ständen zu probieren und sich dann für einen zu entscheiden, dem man treu bleibt. Wer nur essen will, kommt am Mittwoch oder Samstag; wer Essen und Jeans will, am Donnerstag oder Sonntag, in beiden Fällen am Vormittag, solange man durch die Gassen noch durchkommt. Von den Stränden im Westen fährt ein Direktbus, von Port Louis seit 2021 die Stadtbahn.

Mit dem Bus vom Strand auf den Markt
Nach Quatre Bornes bin ich mit dem Direktbus aus Flic en Flac gefahren, die Fahrt dauerte knapp eine Stunde. Gleich neben dem Kleidermarkt steht ein Food Court voller kleiner Bistros, von denen jedes ein oder zwei Gerichte kann und sonst nichts, und rund um den ganzen Markt ziehen sich weitere Stände mit örtlichen Leckerbissen. Touristen gab es wenige, ein paar aber schon. Die Preise waren niedrig und das Essen ausgezeichnet. Zwischen den Ständen stand ein Honigverkäufer mit einer ganzen Wabe auf dem Karren: jeder Interessent durfte zuerst probieren, und wer kaufte, konnte auch ein Stück Wabe mit nach Hause nehmen. Von einem Tisch, auf dem Dutzende Tütchen nebeneinander lagen, habe ich mir zwei Stück Tekwa genommen - frittierte Teigtaschen mit süßer Füllung aus Spalterbsen, über die ich überhaupt nichts wusste und die sich als das interessanteste Geschmackserlebnis der ganzen Reise entpuppten. Den Kleiderbereich habe ich mir auch angesehen. Das Marktgebäude hat die Form einer langen Nudel und zieht sich bis zum Horizont, drinnen gibt es auch traditionellen mauritischen Schmuck, aber das meiste ist Durchschnittsware, die du wohl kaum mit nach Hause nimmst. Gekauft habe ich in Quatre Bornes kein einziges Kleidungsstück. Trotzdem schicke ich dich hin - und jetzt weißt du, wofür.
Quatre Bornes Market Fair