Naryn: festliches kirgisisches Gericht
Der Naryn (нарын) ist nicht nur in Kirgisistan, sondern in ganz Zentralasien ein traditionelles und sehr beliebtes Gericht. Er taucht häufig in Volksmärchen, Liedern und Epen auf, was zeigt, welchen Stellenwert er in der kirgisischen Kultur hat.
Die Grundlage für den Naryn ist in Kirgisistan traditionell Pferdefleisch, das weich gekocht und anschließend in wirklich hauchdünne Streifen geschnitten wird. Das Fleisch kommt zusammen mit den Nudeln auf den Tisch, die durchaus kalt sein dürfen; die heiße Brühe wird separat in einer eigenen Schale serviert. Genau dieser Kontrast zwischen den kalten Nudeln und der heißen Brühe macht das Gericht einzigartig.

Die Zubereitung des Naryn verlangt Geschick und Geduld. Das Fleisch muss lange kochen, damit es weich wird, und es muss in wirklich hauchdünne Streifen geschnitten werden. Der Nudelteig wird zu möglichst dünnen Platten ausgerollt, kurz gekocht und danach abgekühlt. Gewürzt wird das fertige Gericht mit Zwiebeln, schwarzem Pfeffer und je nach Geschmack mit weiteren Gewürzen.
Der Naryn hat in Kirgisistan nicht nur kulinarische Bedeutung, er steht auch für Gastfreundschaft und Familienwerte. Er kommt oft zu festlichen Anlässen auf den Tisch und gilt als Zeichen des Respekts gegenüber den Gästen. Er ist ein festliches kirgisisches Gericht, ähnlich wie das Beshbarmak.
Interessant ist das kasachische Sprichwort "Нарынды қырғыз турасын", das wörtlich übersetzt "Den Naryn soll der Kirgise schneiden" bedeutet. Auch daran sieht man, dass die Kirgisen als die besten Meister in der Zubereitung dieses zentralasiatischen Gerichts gelten.
Früher wurde der Naryn in Kirgisistan bei fast allen Feiern und Festen zubereitet, den sogenannten Tojah. Ursprünglich bestand er nur aus fein gehacktem gekochtem Fleisch, gewürzt mit einer Soße aus Zwiebeln, Knoblauch, Kräutern und fetter Brühe. Erst später kamen die Nudeln dazu, und dieser Naryn wurde unter dem Namen Beshbarmak bekannt.
Obwohl der Naryn auch in anderen zentralasiatischen Ländern zubereitet wird, etwa in Usbekistan, Kasachstan oder Xinjiang (Gebiet der Uiguren), behält die kirgisische Variante ihre Eigenständigkeit und ihre Tradition.
Ich habe dieses Gericht in Bischkek im Restaurant Navat probiert (siehe Wo du in Bischkek essen gehst), dort kostete es 495 KGS (5 EUR). Zu den kalten Nudeln mit Pferdefleisch kamen die Pferdewurst Kazy (казы) und die heiße Lammbrühe Chyk (чык) dazu.
Die Kombination aus kalten Nudeln und heißer Brühe war ziemlich ungewöhnlich und ich bin froh, dass ich dieses festliche kirgisische Gericht probieren konnte.
Guten Appetit!