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Qanat: unterirdische Wasserkanäle im Iran

Dan Špaňhel Iran Aktualisiert Keine Kommentare

Wasser gehört zu den wichtigsten Zutaten überhaupt. Ohne Wasser gäbe es kein Leben auf der Erde. Seit jeher versuchen die Menschen, es selbst in den trockensten Gegenden der Welt verfügbar zu machen.

Eines der bedeutendsten und ältesten Systeme der Wasserversorgung sind die Qanate - raffinierte unterirdische Kanäle, die vor allem für den Iran typisch sind.

Qanat: im Inneren eines der vielen unterirdischen Kanäle in der Stadt Yazd.
Qanat: im Inneren eines der vielen unterirdischen Kanäle in der Stadt Yazd.

Was ist ein Qanat?

Der Qanat (قنات) ist ein traditionelles System unterirdischer Wasserkanäle, die Grundwasser aus Bergregionen oder unterirdischen Reservoiren in tiefer gelegene Gegenden leiten. Qanate nutzen die Schwerkraft und brauchen weder Pumpen noch andere mechanische Anlagen. Sie funktionieren allein über das Gefälle des Geländes. Ein Qanat besteht aus einem waagerechten Hauptstollen, an den sich eine Reihe senkrechter Schächte anschließt - sie dienen der Belüftung, der Instandhaltung und dem Abtransport von Sedimenten.

Die Anfänge der Qanate liegen wahrscheinlich mehr als 2.500 Jahre zurück. Die ältesten iranischen Qanate stammen aus der Zeit des Achämenidenreichs (550-330 v. Chr.), einige archäologische Funde deuten aber darauf hin, dass sie noch älter sein könnten. Im Iran gibt es Zehntausende Qanate, die bis heute Städte, Dörfer, Felder und Obstgärten mit Wasser versorgen.

Qanate in der Stadt Yazd

Eines der wichtigsten Zentren der Qanate im Iran ist die historische Wüstenstadt Yazd. Yazd liegt im Zentraliran, mitten in einer rauen, trockenen Wüste. Hier ist der Zugang zu Wasser eine Frage des Überlebens, und genau deshalb haben die Qanate in dieser Gegend ihre höchste Vollendung erreicht.

In Yazd findest du Hunderte aktive Qanate. Die Qanate von Yazd sind berühmt für ihre Länge, ihre Präzision und ihre ausgefeilte Technik. 2016 wurde die historische Altstadt von Yazd samt ihren Qanaten in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen. Die Qanate lassen sich in Yazd bequem besichtigen, und du kannst sogar durch das Wasser waten, das noch immer durch die Kanäle fließt.

Das Wasser wurde in den Qanaten so raffiniert genutzt, dass es sogar ein Mühlrad antreiben konnte.
Das Wasser wurde in den Qanaten so raffiniert genutzt, dass es sogar ein Mühlrad antreiben konnte.

Aufbau und Funktionsweise der Qanate

Ein typischer Qanat besteht aus mehreren Teilen:

  • Mutterbrunnen: ein tiefer senkrechter Schacht in einer Berg- oder Hochlage, wo man an das Grundwasser herankommt. Hier sickert das Wasser von selbst in das System.
  • Waagerechter Stollen: ein langer unterirdischer Tunnel mit leichtem Gefälle, der das Wasser vom Mutterbrunnen bis zum Ort des Verbrauchs führt. Die Tunnel können mehrere, manchmal sogar mehrere Dutzend Kilometer lang sein.
  • Senkrechte Schächte: Sie dienen vor allem der Instandhaltung des Qanats, dem Entfernen von Sedimenten, der Belüftung und der Kontrolle des Durchflusses. Diese Schächte liegen in regelmäßigen Abständen über die ganze Länge des Qanats verteilt.
  • Austrittsstelle: Der Ort, an dem das Wasser an die Oberfläche tritt, oft in Form von oberirdischen Kanälen oder Bewässerungsfeldern.

Der Bau eines Qanats erfordert gründliche Kenntnisse in Geologie, Hydrologie und Ingenieurwesen. Im Iran widmeten sich diesem Handwerk traditionell spezialisierte Fachleute, die "Moghanni" (مقنی) genannt wurden und ihr Wissen und ihre Erfahrung von Generation zu Generation weitergaben.

Qanate in anderen Regionen des Iran

Yazd ist zwar eine der wichtigsten Qanat-Städte, ähnliche Systeme findest du aber auch in anderen iranischen Städten wie Kaschan, Kerman, Isfahan oder Täbris. Der ganze Iran ist von einem dichten Netz dieser Wasserkanäle durchzogen, dessen Gesamtlänge Zehntausende Kilometer erreicht.

Ähnliche unterirdische Kanäle gibt es auch in anderen trockenen Gegenden der Welt. In Afghanistan, Pakistan und Westchina etwa sind sie als "Karez" bekannt. In den Maghrebstaaten (zum Beispiel in Marokko oder Algerien) heißen vergleichbare Systeme "Foggara". Im Süden Spaniens, in Andalusien, kennt man sie als "Galerías". Das Funktionsprinzip ist überall sehr ähnlich.

Wenn du nach den kulinarischen Streifzügen durch Yazd noch Energie abbauen willst, mach dich auf zu den örtlichen Qanaten.

Es lohnt sich!

Dan Špaňhel

Dan Špaňhel

Ich bin Dan. Ich schreibe nur über das, was ich selbst gekostet habe - vom Straßenstand bis zum Michelin-Stern. Für gutes Essen habe ich die halbe Welt bereist und alles Mögliche probiert - auch das Unmögliche.

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