Fasolia: traditionelle irakische Bohnensuppe
Fasolia (فاصوليا) gehört zu den Grundpfeilern der irakischen Küche. Es handelt sich um eine sämige Suppe oder einen Schmortopf, dessen Hauptzutat weiße Bohnen in einer reichhaltigen Tomatensoße sind. Das Gericht ist zwar im ganzen Nahen Osten verbreitet, im Irak wird es aber auf eigene Art zubereitet und hat eine kulturelle Bedeutung, die es von den Varianten der Nachbarländer abhebt.
Das Wort "Fasolia" geht auf das griechische phasiolos oder das lateinische phaseolus zurück - beide bezeichnen die Bohne. In die irakische Küche kam das Gericht vermutlich im Lauf der Jahrhunderte über die Handelsrouten und den kulturellen Austausch im Osmanischen Reich, das die Region lange Zeit beherrschte. Weiße Bohnen wurden damals zu einer erschwinglichen und nahrhaften Zutat für alle Bevölkerungsschichten. Fasolia diente als wichtigste Eiweißquelle in Zeiten, in denen Fleisch kostbar war, auch wenn die traditionelle irakische Version normalerweise Fleisch enthält.

Die Basis des Rezepts bilden getrocknete weiße Bohnen, die vor dem Kochen über Nacht einweichen müssen - so werden sie weich und garen schneller. In die irakische Fasolia kommt Fleisch, meist Lamm oder Rind mit Knochen, denn der Knochen gibt der Brühe Tiefe. Die Soße verbindet frische Tomaten mit konzentriertem Tomatenmark. Das Besondere am irakischen Rezept ist der Verzicht auf komplizierte Gewürzmischungen, die in anderen arabischen Gerichten üblich sind. Hier hat der pure Geschmack von Fleisch und Bohnen das Sagen. Dazu wird oft Reis gereicht.
Fasolia ist keine rein irakische Spezialität; unter demselben Namen findest du sie im Libanon, in Syrien, in Jordanien und in der Türkei (dort heißt sie Kuru Fasulye). Im Irak ist sie ein typisches Gericht für das Freitagsessen im Familienkreis (der Freitag entspricht im Irak unserem Sonntag), zu dem die ganze Verwandtschaft zusammenkommt.
Ich habe sie in der fleischlosen Variante in einem kleinen Lokal im irakischen Kurdistan probiert. Sie war einfach perfekt!
Guten Appetit!