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Schoggiweggli: Basler Gebäck mit Schokolade

Dan Špaňhel Schweiz Aktualisiert Keine Kommentare

Basel liegt in der Ecke der Schweiz, aus der man zu Fuß nach Frankreich und nach Deutschland spazieren kann. Wer dort in der Bäckerei auf ein Schokoladengebäck zeigt und im Kopf schon ein französisches pain au chocolat knuspern hört, hat sich um eine Grenze vertan: Auf der Theke liegt etwas ganz anderes.

Das Schoggiweggli ist ein süßes Butterbrötchen aus Hefeteig, gespickt mit Schokoladenstücken - ein Stück Schweizer Küche, das fest zu Basel gehört. Und die Schokolade versteckt es nicht: Vor dem Backen bekommt es oben spitze Zacken eingeschnitten, sodass es schon im Schaufenster zeigt, was in ihm steckt.

Schoggiweggli: Schweizer Brötchen mit Schokoladenstücken im Teig.
Schoggiweggli: Schweizer Brötchen mit Schokoladenstücken im Teig.

Was Schoggiweggli bedeutet und wo es überall gebacken wird

Der Name klingt wie aus dem Kinderzimmer, und sprachlich liegt er damit gar nicht so weit daneben. Schoggi ist keine Abkürzung von Schokolade, sondern die Abkürzung einer Abkürzung - der Schweizer Dialekt hat sich das ohnehin schon umgangssprachliche Schoki noch zurechtgebogen. Weggli wiederum ist die Verkleinerungsform des alten Wortes Wecke, mit dem man im frühen Mittelalter keilförmiges Gebäck bezeichnete; das runde Brötchen heißt also bis heute nach einem Keil. Das Weggli allein, ein Milchbrötchen mit Kerbe in der Mitte und ohne ein einziges Stück Schokolade, ist in der Schweiz seit dem 16. Jahrhundert belegt - und noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts war es Gebäck für Reiche, denn weißes Mehl und Butter kamen in einem gewöhnlichen Haushalt nicht auf den Tisch.

Die Schokoladenversion ist dagegen blutjung, und vor allem gibt es sie nicht überall. Das Schoggiweggli gehört zu Basel und in die Deutschschweiz; in der französischsprachigen Romandie und im italienischen Tessin kennt man es praktisch nicht. Ein süßes Hefebrötchen mit Schokolade kennt dabei der ganze deutschsprachige Raum - in Deutschland heißt es Schokobrötchen, nur bezeichnet dasselbe Wort dort auch Blätterteiggebäck mit Schokostangen, sodass zwei Deutsche bei ein und demselben Namen von zwei verschiedenen Dingen reden können. Die französische Küche stillt dasselbe Verlangen mit dem blättrigen pain au chocolat - und nur der Ordnung halber: Das französische Gebäck namens pain suisse, wörtlich "Schweizer Brot", ist in der Schweiz so gut wie unbekannt.

Wer das Schoggiweggli erfunden hat und wer sich dazu bekennt

Das Schoggiweggli hat, für ein Gebäck selten, einen Namen und eine Jahreszahl: Erfunden haben soll es 1975 der Confiseur Anton Bachmann von der Basler Confiserie Bachmann. Diese Jahreszahl gibt allerdings nur die Firma selbst an - in zeitgenössischen Zeitungen und Archiven ist sie nirgends belegt. Und damit es nicht zu einfach wird: In Luzern steht eine zweite Confiserie Bachmann, ein halbes Jahrhundert älter und mit der Basler nicht im Geringsten verwandt - und sie bäckt ihr eigenes Hefebrötchen mit Schokolade namens Schoggibrötli. Zwei nicht verwandte Familien Bachmann, zwei Städte, zwei Schokoladenbrötchen: Daran verheddern sich selbst seriöse Webseiten, also mach dir nichts daraus.

Der Teig ähnelt dem eines Hefezopfs - Mehl, Milch, Butter, Zucker, Hefe - und den Unterschied macht erst die Schokolade. Genauer gesagt ihre Form. Basler Bäckereien geben große, von Hand gehackte Stücke Schokolade hinein; kleine maschinell hergestellte Schokotropfen sind das Erkennungszeichen der Nachahmungen. Ob zartbitter oder Vollmilch, unterscheidet sich von Bäckerei zu Bäckerei, sodass zwei Schoggiweggli aus zwei Straßen nicht gleich schmecken. Gegessen wird es kalt und meistens als Zwischenmahlzeit - das Schweizerdeutsche hat dafür ein eigenes Wort, Znüni, die Pause um neun. Frisch bleibt es nur einen Tag; die Bäckereien raten selbst dazu, es am Tag des Kaufs zu essen.

Schoggiweggli: Angebissen zeigt das Brötchen eine Krume voller Schokolade.
Schoggiweggli: Angebissen zeigt das Brötchen eine Krume voller Schokolade.

Ein Brötchen auf die Hand in Basel

Mein Schoggiweggli habe ich in Basel gekauft und gleich draußen vor der Bäckerei gegessen. Der Teig war luftig und für sich genommen nur leicht süß, das große Wort hatte also die Schokolade: Stücke so groß, dass man sie nicht verfehlen konnte, und bitter genug, damit das Brötchen nicht zum Dessert wird. Für eines habe ich 2,55 CHF (2,55 EUR) bezahlt. Der Name ist eine Verkleinerung, versteckt in einer Verkleinerung; die Schokolade darin ist dagegen ziemlich erwachsen.

Dan Špaňhel

Dan Špaňhel

Ich bin Dan. Ich schreibe nur über das, was ich selbst gekostet habe - vom Straßenstand bis zum Michelin-Stern. Für gutes Essen habe ich die halbe Welt bereist und alles Mögliche probiert - auch das Unmögliche.

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