Tunesisches Olivenöl
Tunesien gehört zu den bedeutendsten Olivenölproduzenten der Welt und Olivenöl spielt in der tunesischen Küche wie auch in der Wirtschaft eine zentrale Rolle. Olivenbäume werden auf dem Gebiet des heutigen Tunesien seit Jahrtausenden angebaut, eingeführt haben sie vermutlich schon die Phönizier. Heute bedecken Olivenhaine weite Gebiete im Norden und in der Mitte des Landes und Olivenöl ist eine der Säulen des tunesischen Exports. Nach Spanien, Italien und Griechenland ist Tunesien der viertgrößte Olivenölproduzent der Welt.
Bis zu 75 % des tunesischen Olivenöls gehen in den Export, der Großteil davon in EU-Länder.

Olivenöl ist ein unverzichtbarer Bestandteil der tunesischen Küche und des täglichen Lebens. Es wird zum Kochen, Braten und Abschmecken der unterschiedlichsten Speisen verwendet, es steckt in Salaten, Hauptgerichten und Suppen. Aus eigener Erfahrung muss ich sagen, dass hier mit Olivenöl wirklich nicht gespart wird.
Die wichtigste Olivensorte Tunesiens ist Chemlali. Sie ist robust und kommt gut mit Trockenheit zurecht, denn die meisten Haine werden in Tunesien nicht künstlich bewässert. Chemlali wächst vor allem in Mittel- und Südtunesien. Die zweithäufigste Sorte, hauptsächlich im Norden angebaut, ist Chetoui. Sie liefert intensiv grüne Öle. Den allergrößten Teil der tunesischen Produktion (bis zu 90 %) macht natives Olivenöl extra aus. Wie in Europa muss natives Olivenöl extra strenge Vorgaben erfüllen - einen niedrigen Säuregehalt und keinerlei sensorische Fehler - und ausschließlich mechanisch durch Kaltextraktion gewonnen werden. Die restlichen 10 % sind Öle geringerer Qualität, von denen der Großteil ebenfalls in den Export geht.

Tunesien hat ideale Bedingungen für den Anbau von Olivenbäumen - lange heiße Sommer und milde Winter mit genug Niederschlag. Geerntet wird von November bis Februar, meist von Hand: Die Früchte werden von den Bäumen gepflückt oder vom Boden aufgelesen. Nur größere Produzenten setzen auf maschinelle Ernte. Statistiken zufolge entfallen 54 % der gesamten Olivenhainfläche in Tunesien auf kleine Haine mit weniger als 5 Hektar. Die Ölmühlen sind über das ganze Land verteilt, damit zwischen Ernte und Verarbeitung möglichst wenig Zeit vergeht und die hohe Qualität des Öls erhalten bleibt.
Olivenöl ist nicht das einzige Olivenprodukt aus Tunesien. Großer Beliebtheit erfreuen sich natürlich auch eingelegte schwarze und grüne Oliven, außerdem werden hier Olivenpaste und Olivenseife hergestellt. Olivenholz wird für Schnitzereien verwendet.

Trotz seiner unbestreitbaren Qualität tut sich tunesisches Olivenöl manchmal schwer, unter eigenem Namen den Weg zum Endkunden zu finden. Ein großer Teil des Exports geht nach Europa, wo das Öl mit europäischen Ölen verschnitten und unter italienischen oder spanischen Marken verkauft wird. Ein großer Teil des tunesischen nativen Olivenöls extra wird in Europa und Nordamerika unter fremder "Flagge" konsumiert. Das liegt an der Tradition - italienische und spanische Olivenöle sind auf dem Markt viel länger etabliert und haben sich eine feste Kundschaft aufgebaut. Wirklich schade. Die allermeisten tunesischen Olivenöle, die ich probieren konnte, haben mich geschmacklich voll überzeugt.

Zu den einheimischen Gerichten passt tunesisches Olivenöl ausgezeichnet und man merkt, dass die Tunesier ihr Olivenöl lieben. Fad schmecken Gerichte mit diesem Öl jedenfalls nicht.
Wie sieht es bei dir mit tunesischem Olivenöl aus? Ist es dir schon irgendwo untergekommen? Probieren lohnt sich auf jeden Fall.
Guten Appetit!