Zelen pazar: der Markt von Skopje für den Alltag
Er saß auf einem Pappkarton vor einer verwitterten Mauer, um sich herum Bündel von Weinblättern, Rosmarin und einen Eimer Stachelbeeren, und als ich fragte, ob ich ihn fotografieren dürfe, hob er beide Daumen. Dann erzählte er mir, dass er in der Tschechoslowakei gedient hatte, und lobte sie lange, sehr lange. So beginnt ein Vormittag an einem Ort, an dem die Stadt einkaufen geht und nicht die Touristen.
Der Zelen pazar (mazedonisch: Зелен пазар) ist ein Lebensmittelmarkt im Zentrum von Skopje am Boulevard Kočo Racin, wo es unter den Vordächern und auf den Gehwegen ringsum alles gibt, was die mazedonische Küche zum Kochen braucht: Gemüse, Obst, Käse und Kajmak, Bohnen, Kräuter und Süßigkeiten nach Gewicht.

Was Zelen pazar bedeutet und worin er sich vom Bit pazar unterscheidet
Der Name ist eine schlichte Beschreibung der Ware: zelen ist die kurze mazedonische Form des Adjektivs grün, pazar heißt Markt, also grüner Markt - benannt nicht nach der Farbe der Stände, sondern nach dem Gemüse, das hier überwiegt. Dieselben zwei Wörter stehen in Mazedonien auch für den Markttyp an sich; auch Ohrid hat zum Beispiel seinen zelen pazar. In Skopje werden die Märkte von einer einzigen Firma betrieben, von Skopski pazar, die über zehn davon in der Stadt hat, und nur dieser eine heißt schlicht Grüner Markt, als wäre im Gründungsjahr für einen eigenen Namen keine Zeit mehr geblieben.
Ein Tourist, der in Skopje nach dem Markt fragt, landet eher auf dem Bit pazar: Der liegt am Nordtor der Alten Čaršija, des osmanischen Basarviertels von Skopje, ist der größte Markt des Landes, ist aus einem mittelalterlichen Jahrmarkt hervorgegangen und verkauft neben Paprika auch Textilien und Schuhe - und ja, mir ist er zu touristisch und deutlich weniger reizvoll als dieser hier. Der Zelen pazar ist sein kleiner Bruder für die Viertel rund ums Zentrum: Lebensmittel, fast keine Souvenirs.

Was es auf dem Zelen pazar gibt und was es kostet
Die Preisschilder sind hier mit der Hand geschrieben und nennen keine Mengenangabe, weil ohnehin jeder weiß, dass es ums Kilo geht. Tomaten der beliebten örtlichen Sorte rozev domat kosteten 80 MKD (1,30 EUR), Aprikosen 100 MKD (1,70 EUR), ein Haufen Kirschen mit Stiel 120 MKD (2 EUR), daneben lagen Erdbeeren und Erbsen in der Schote. Den Abstand zwischen Markt und Supermarkt messen mazedonische Zeitungen jedes Frühjahr, und im Mai 2025 stellten sie fest, dass Kirschen auf den grünen Märkten 70 Denar das Kilo kosteten und im Supermarkt ein Vielfaches davon.


Kräuterverkäufer auf Kartons
Das Gemüse hat Stände. Die Kräuter haben den Gehweg. Vor dem Markt und an den Mauern entlang sitzen Leute auf Hockern und Kisten und haben vor sich auf Kartons ausgebreitet, was sie gesammelt oder angebaut haben: Bündel von frisch gepflücktem Bergtee, den es sonst nur getrocknet zu kaufen gibt, Kamille, Petersilie, Minzsetzlinge und Holunderblüten in einer Plastiktüte, aus denen zu Hause Sirup gekocht wird. Der Gehweg gehört offiziell nicht zum Markt, und die Stadt schickt ab und zu eine Kontrolle vorbei; wer heute am Eingang sitzt, sitzt morgen vielleicht schon woanders. Zwischen den Kräutern wird auch das verkauft, woraus in einem halben Jahr Essen wird: Paprikasetzlinge mit dem Schild ajvarka, also die Sorte, aus der im Herbst im ganzen Land Ajvar gekocht wird, und zusammengerollte Weinblätter in einer Tüte, mit einer Schnur gebunden und fertig für Sarma. Wer schon einmal auf dem Samstagsmarkt am Marktplatz einer Kleinstadt war, weiß, wie das läuft - er muss sich nur fünf Kräuterverkäufer statt einem vorstellen, keine Preisschilder und einen Preis, den erst der Verkäufer nennt.






Kajmak, Süßigkeiten und Tavas aus Ton
Unter dem Dach der Stände liegt auch das, was Kühle braucht. Kajmak, die dicke Rahmschicht, die von aufgekochter Milch abgeschöpft wird, liegt hier in Platten in Plastikwannen, und das Schild darauf sagt kraljevački, also nach dem serbischen Kraljevo, das für den Kajmak das ist, was Parma für den Schinken ist. Ein Stück weiter steht eine Theke mit Baklava, Tulumbas und Kokoskugeln für 250 MKD (4,10 EUR) das Kilo, daneben ein Stand mit Tongeschirr: die ovalen Tavas, in denen Tavče gravče gebacken wird, Krüge und Töpfe mit Deckel für 400 bis 900 MKD (6,60 bis 14,90 EUR), aus einem Handwerk, das in Mazedonien die Töpfer von Veles am Leben halten. Wer hungrig kommt, findet neben dem Markt einen Imbiss mit einer Preisliste der Čorbas an der Wand: Tavče gravče kostet dort 100 MKD (1,70 EUR) die Portion, die Kuttelsuppe Škembe čorba 160 MKD (2,70 EUR).




Ein Vormittag zwischen den Ständen
Zum Zelen pazar (siehe Wo man in Skopje essen geht) bin ich am Vormittag zu Fuß aus dem Zentrum gelaufen und habe außer einem Haufen Erbsen fast nichts gekauft; ich hatte einfach keine Lust, den Einkauf den ganzen Tag mit mir herumzuschleppen. Von allen Orten in einer Stadt mag ich die Märkte am liebsten, ich gehe wegen der Leute hin. Die Frau mit den Süßigkeiten richtete sich hinter ihrer Theke auf und posierte so stolz, als wäre die Baklava ihr Porträt, der Mann mit den Heilkräutern hielt seine Mütze fest und behielt die Zigarette in der Hand, und der Mann vom Anfang ließ auf die Tschechoslowakei wirklich nichts kommen.
Zelen pazar