Full Irish Breakfast: das typische irische Frühstück
Hätte die irische Küche eine Flagge, wäre dieser Teller darauf. Umso überraschender ist, dass zwei Dinge, die für Touristen heute selbstverständlich dazugehören, gar nicht aus Irland stammen: Der Hash Brown kam aus Amerika, und die Bohnen in Tomatensauce verdanken wir der Werbung.
Das Full Irish Breakfast ist ein üppiges gebratenes Frühstück und das bekannteste Gericht der irischen Küche: Speck, Schweinswürstchen, Spiegelei, gebratene Champignons, geröstete Tomate, je eine Scheibe Black und White Pudding, dazu Soda Bread mit Butter und starker schwarzer Tee. Fast alles kommt aus einer einzigen Pfanne, und die Portion hält bis zum Abend satt.

Was Full Irish Breakfast bedeutet
Der Name ist eine reine Beschreibung - volles irisches Frühstück - und das Interessanteste daran ist das, was fehlt. Das Irische hat für Frühstück kein eigenes Wort: Man sagt bricfeasta, eine lautliche Anpassung des englischen breakfast. Die irischste Mahlzeit des Tages heißt also selbst auf Irisch englisch. Und ehrlich gesagt: das große gebratene Frühstück teilen sich die gesamten Britischen Inseln - England hat das Full English mit Bohnen und gebratenem Brot, Nordirland den Ulster Fry mit dem Kartoffelfladen Potato Farl, Schottland legt eine eckige Wurst ohne Darm dazu und Wales sogar Küchlein aus gebratenem Seetang. Als ich mich zum ersten Mal nach Irland aufmachte, suchte ich nach einem wesentlichen Unterschied zwischen der irischen und der englischen Version - und fand keinen. Die irische Variante erkennt man angeblich am White Pudding neben dem Black Pudding und am Soda Bread statt Toast. Angeblich.
Wie die Pfanne vom Bauernhof in jedes Hotel kam
In den Schriftquellen tauchen die großen gebratenen Frühstücke erst im viktorianischen Zeitalter auf, und zwar ziemlich plötzlich - in die Kochbücher brachte sie 1861 Isabella Beeton, als erschwingliche Nachahmung der prunkvollen Frühstücke des Landadels. Wann genau der Begriff Full Irish aufkam, lässt sich nicht datieren. Das ländliche Irland hatte jedenfalls praktischere Gründe als der Adel: Der Bauer brauchte vor einem langen kalten Tag Kalorien, und gebraten wurde in einer einzigen Pfanne, weil Brennstoff und das vom Brunnen getragene Wasser kostbar waren. Zum nationalen Symbol machte das Frühstück aber erst der Tourismus - die Bed-and-Breakfast-Pensionen, die seit den fünfziger Jahren auf dem üppigen Frühstück ihren Namen und ihr Geschäft aufgebaut haben.
Und die beiden Eindringlinge vom Anfang? Der Hash Brown, das frittierte Kartoffeldreieck, ist eine amerikanische Erfindung, die mit den Tiefkühlprodukten in die irische Pfanne kam; die Bohnen in Tomatensauce wiederum hat die Heinz-Werbung groß gemacht, die 1927 aus einem Luxusimport ein "traditionelles" Frühstück machte. Auf meinem Dubliner Teller lagen beide. Die Tradition hat ein dehnbareres Gedächtnis, als sie selbst zugibt.
Was Black Pudding ist und wie man das Frühstück bestellt
Lass dich vom Wort Pudding nicht in die Irre führen: Black Pudding und White Pudding sind Wurstwaren, in Scheiben geschnitten und in der Pfanne gebraten. Der Black Pudding ist ein entfernter Verwandter unserer Blutwurst - Schweineblut, Schmalz und vor allem ein hoher Anteil Haferflocken, der der irischen Version eine gröbere, körnigere Konsistenz verleiht als den englischen Blutwürsten. Der White Pudding ist dasselbe ohne Blut, heller und feiner gewürzt. Beide entstanden aus der Logik der Hausschlachtung, bei der nach dem Schlachten eines Schweins nichts weggeworfen werden darf - und beide gehören heute zum Irischsten, was auf dem Teller liegt.
Allen Hotelbuffets zum Trotz: So frühstücken die Iren nicht jeden Tag. Unter der Woche dominieren Toast und Porridge, dieses Frühstück ist eine Sache des Wochenendes, der Feiertage und der Gäste - dafür bieten es viele Cafés und Pubs den ganzen Tag als All-day Breakfast an, sodass du auch mittags nicht zu kurz kommst, was du etwa am Tag nach einem Abend beim Guinness zu schätzen weißt. Zum Teller gehört eine Kanne starker schwarzer Tee mit Milch; Kaffee wird toleriert. Und wer es eilig hat, für den gibt es eine urirische Abkürzung: den Breakfast Roll, ein mit den Zutaten des Frühstücks gefülltes Baguette von der Tankstelle oder aus dem Lebensmittelgeschäft.

An der Wachstuchdecke bei Oh'Rourke's
Das Full Irish Breakfast habe ich in Dublin im Bistro Oh'Rourke's gegessen (siehe Wo man in Dublin essen geht) - einem kleinen Lokal mit Plastiktischtüchern und karger Einrichtung, in dem zur Frühstückszeit nur Einheimische saßen. Das Frühstück stellt man sich dort aus einzelnen Komponenten zusammen - du sagst, was du vom Angebot haben willst - acht Komponenten mit Kaffee oder Tee kosteten rund 9 EUR. Der Speck blieb saftig, das Eigelb war genau so flüssig, dass der Toast etwas zum Eintunken hatte, und am besten waren die beiden Puddings. Der Kellner legte mir zur Rechnung noch einen Tipp für einen Pub mit abendlicher Livemusik dazu - was ich daraus gemacht habe, steht im Artikel über das Cobblestone. Am nächsten Tag habe ich es im Tasty 8 versucht, einem deutlich schickeren Bistro mit schnellem, professionellem Service, wo es neben dem klassischen Frühstück auch ausgezeichnete Eggs Benedict gibt; man zahlt dort etwas mehr. In beide würde ich wiederkommen. Ins Oh'Rourke's jederzeit wieder.