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Marché de Kairouan: die Märkte in Tunesiens heiliger Stadt

Dan Špaňhel Tunesien Aktualisiert Keine Kommentare

Die Gewürzstände auf dem Markt in Kairouan duften genau so, wie sie sollen. Ein paar Schritte weiter wird allerdings direkt auf dem Pflaster Mörtel angerührt: ein Sandhaufen, Eimer, eine Schaufel und die angelehnte alte Tür eines Hauses, dessen Eingang die Maurer gerade ausbessern. Der Markt läuft drumherum einfach weiter; gebaut wird hier eben mitten zwischen dem Gemüse. Der Marché de Kairouan, der tägliche Lebensmittelmarkt vor den Toren der Medina von Tunesiens heiliger Stadt, verzichtet auf jeden Schnickschnack für Touristen - er ist die tunesische Küche in dem Moment, bevor irgendjemand mit dem Kochen begonnen hat.

Märkte in Kairouan: eine Obstgasse unter Planen.
Märkte in Kairouan: eine Obstgasse unter Planen.

Markt vor den Mauern, Souks hinter den Mauern

Innerhalb der Mauern suchst du ihn allerdings vergeblich: Die Altstadt gehört den spezialisierten Souks - Teppichen, Leder und Parfümhändlern - und den Besuchern, die durch sie flanieren. Die Lebensmittel sind vor der Mauer geblieben: Die Marktgassen beginnen am Tor Bab Tunis und ziehen sich an der Stadtmauer entlang bis zur Straße El Moez Ibn Badis. Sie ist nach dem Emir benannt, der Kairouan im Jahr 1057 verließ und ans Meer zog - und so hängt sein Name heute auf dem Straßenschild über den Gemüseständen. Nach Handwerken aufgeteilte Souks kennt übrigens der ganze Maghreb von Marokko bis Tunesien - und wer einen herausgeputzten tunesischen Markt in einer Kolonialhalle sehen will, findet in der Hauptstadt den Marché Central.

Märkte in Kairouan: der Markt quillt auf die belebte Straße über.
Märkte in Kairouan: der Markt quillt auf die belebte Straße über.

Vom Heerlager zur vierten heiligen Stadt

Die Stadt selbst begann als Lager. Im Namen Kairouan (arabisch القيروان) steckt das persische Wort kārvān, Lager oder Karawane, und als traditionelles Gründungsjahr gilt 670, als der Feldherr Uqba ibn Nafi hier mit seinem Heer sein Lager aufschlug. Aus dem Lager ist der Überlieferung nach die vierte heilige Stadt des Islam geworden - man sagt, sieben Pilgerfahrten nach Kairouan wögen eine nach Mekka auf - und seit 1988 gehört sie zum UNESCO-Welterbe. Eine Lehrbuchregel bricht Kairouan allerdings: In einer islamischen Stadt soll die Moschee in der Mitte stehen und der Handel um sie herum, doch die Große Moschee liegt hier abseits in der Nordostecke der Medina, und die Mitte samt der Hauptstraße zwischen den Toren gehört den Souks.

Märkte in Kairouan: Karotten, Rüben und Paprika.
Märkte in Kairouan: Karotten, Rüben und Paprika.

Paprika von nebenan, Datteln aus dem Süden, Fisch vom Meer

Das Sortiment ist die Geografie der Region, ausgebreitet auf Tabletts. Das Gouvernement Kairouan ist Tunesiens größter Paprikaproduzent, und das örtliche Kafteji wird vor allem daraus gemacht - deshalb ist es meist schärfer als die Version aus der Hauptstadt; in der Region wachsen über elf Millionen Olivenbäume, und grüne Oliven schöpft man auf dem Markt mit dem Sieb. Die Datteln auf den Theken stammen nicht von hier - sie kommen aus den Oasen im Süden Tunesiens, wo der Großteil der Ernte wächst. Neben dem frischen Gemüse stehen Tabletts mit Eingelegtem: die Mischung Msayer, geriffelte Karotten, Sellerie und Zitronen im Essigsud, eine entfernte Cousine der Mixed Pickles, nur ohne Zucker und mit einem scharfen Kick Harissa.

Der zweite Trumpf des Marktes ist Fisch. Kairouan liegt im Landesinneren, bis zum nächsten Meer bei Sousse sind es über fünfzig Kilometer, und trotzdem liegen hier Sardinen und Doraden auf den Theken - wer sich am Stand einen Fisch aussucht, lässt ihn gleich im Bistro nebenan grillen. Die Stände mit fertigem Essen haben auch Brik und Fricassé im Angebot, die Konditoreien ein paar Straßen weiter Makroudh, eine Dattelsüßigkeit, deren tunesische Heimat eben Kairouan ist. Der Verkauf passt allerdings längst nicht mehr in die Gassen und quillt auf Straßen mit normalem Autoverkehr über; im Amtsarabisch heißt das "chaotisches Aufstellen", und die Stadt geht von Zeit zu Zeit mit Razzien dagegen vor. Im Ramadan herrscht in den Souks bis zwei Uhr nachts Betrieb.

Märkte in Kairouan: grüne Paprikaschoten, die Basis für Kafteji.
Märkte in Kairouan: grüne Paprikaschoten, die Basis für Kafteji.
Märkte in Kairouan: eingelegtes Gemüse und Zitronen.
Märkte in Kairouan: eingelegtes Gemüse und Zitronen.
Märkte in Kairouan: gegrillter Fisch im Marktbistro.
Märkte in Kairouan: gegrillter Fisch im Marktbistro.

Zwischen Metzger und Mörtel

Ich habe hier einen Metzger gesehen, der direkt auf der Straße mit großer Präzision Fleischstücke zerlegte; wer auf seine Bestellung wartete, schaute ihm dabei zu und bewunderte sein Können. Die Maurer rührten derweil zwischen den duftenden Gewürzständen weiter ihren Mörtel an. Die Gassen sind eng, die Überdachung löchrig, die Lebensmittel aber absolut frisch - und der Einkauf ist hier nur das halbe Programm: Die Einheimischen treffen sich an den Ständen und tauschen Neuigkeiten aus. Niemand spielt hier etwas vor. Märkte wie dieser sind urwüchsig, ungeschminkt und funktionieren vielleicht noch genauso wie vor Hunderten von Jahren. Genau solche liebe ich.

Märkte in Kairouan: Mörtel, direkt in der Gasse angerührt.
Märkte in Kairouan: Mörtel, direkt in der Gasse angerührt.
Dan Špaňhel

Dan Špaňhel

Ich bin Dan. Ich schreibe nur über das, was ich selbst gekostet habe - vom Straßenstand bis zum Michelin-Stern. Für gutes Essen habe ich die halbe Welt bereist und alles Mögliche probiert - auch das Unmögliche.

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