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Satini pomme d'amour: mauritisches Tomaten-Chutney

Dan Špaňhel Mauritius Aktualisiert Keine Kommentare

Satini pomme d'amour ist das mauritische Tomaten-Chutney - eine rohe, frische, fein geschnittene Mischung aus Tomate, Zwiebel, Koriander und Chili, die es in der mauritischen Küche zu fast jedem Gericht dazu gibt. Nichts wird gekocht, nichts eingeweckt - es genügen ein Messer, eine Schüssel und zehn Minuten. Nur der Name ist länger als die Zubereitung.

Satini pomme d'amour: mauritisches Chutney aus frischen Tomaten.
Satini pomme d'amour: mauritisches Chutney aus frischen Tomaten.

Warum die Tomate Liebesapfel heißt

Pomme d'amour, wörtlich Liebesapfel, ist keine mauritische Erfindung, sondern ein Stück altes Französisch, das auf der Insel hängen geblieben ist. Als die Tomate im 16. Jahrhundert nach Europa kam, gab es das Wort tomate noch gar nicht - in Italien hieß die Neuheit goldener Apfel, in Frankreich setzte sich der Liebesapfel durch. Später verdrängte tomate den alten Namen fast überall; überlebt hat er nur im Süden Frankreichs und in den Kolonien. Auf Mauritius heißt die Tomate bis heute pomme d'amour - die kleine Insel hat ein Stück altes Französisch besser bewahrt als Frankreich selbst, wo dieselben zwei Wörter heute den kandierten Apfel vom Jahrmarkt bezeichnen.

Chatni, chatini, Chutney

Die zweite Hälfte des Namens kam vom anderen Ende der Welt. Satini ist die kreolische Form von Chutney - die Briten haben das Wort in Indien aus dem Hindi chatni übernommen, und nach Mauritius brachten es indische Vertragsarbeiter im 19. Jahrhundert samt Rezepten mit; die Schreibweise schwankt vor Ort zwischen satini und chatini. Satini ist auf der Insel eine ganze Familie: satini cotomili aus Koriander, satini brinzel aus Aubergine, satini coco aus Kokos.

Woraus Satini besteht und wozu es auf den Tisch kommt

Das Rezept ist kurz und kompromisslos: reife Tomaten, Zwiebel, frischer Koriander, Salz, Öl - dazu Chili und Knoblauch, ohne die auf Mauritius niemand von Satini sprechen würde. Alles roh und fein geschnitten - es sieht fast aus wie der Tomatensalat mit Zwiebeln, den man von zu Hause kennt, nur so klein gehackt, dass man ihn mit einem Fladenbrot aufnehmen kann. Es kommt zu allem auf den Tisch, was die Insel isst: zu Roti, zu Dholl puri, zu Briani und zu den Gâteaux piments, aus denen sich die Mauritier auch einen eigenen Salat machen. Eine Regel gilt aber: Satini macht man nicht auf Vorrat. Tomaten ziehen Wasser, deshalb wird es erst kurz vor dem Essen frisch angerührt - was übrig bleibt, wird nicht aufbewahrt.

Schüssel neben Schüssel

Mein erstes Satini bekam ich auf Mauritius als Beilage - daneben stand noch eine Schüssel mit süßem Salat aus Mango und Litschi, und ich probierte abwechselnd aus beiden, einen Löffel von hier, einen von dort. Die Tomaten waren kühl, die Zwiebel stach in der Nase und der Chili meldete sich erst, als ich nicht mehr aufpasste; so habe ich den Geschmack in Erinnerung, auch wenn ich für die genaue Reihenfolge nicht die Hand ins Feuer legen würde. Seitdem sehe ich Satini vor allem als Gegenspieler: zum fettigen und stark gewürzten Essen eine kalte, saure und scharfe Schüssel. Für ein Gericht, das sein ganzes Leben lang nur Begleitung ist, ist ein eigener Artikel eine ganz ordentliche Karriere.

Dan Špaňhel

Dan Špaňhel

Ich bin Dan. Ich schreibe nur über das, was ich selbst gekostet habe - vom Straßenstand bis zum Michelin-Stern. Für gutes Essen habe ich die halbe Welt bereist und alles Mögliche probiert - auch das Unmögliche.

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