Kirgisischer Cognac
Die Bischkeker Brennerei Kyrgyz Konyagy ist wörtlich nach ihrem Produkt benannt: Kirgisischer Cognac. Der Name gehört ihr allerdings nicht - das kirgisische Patentamt registriert grundsätzlich keine Marken mit dem Wort "kyrgyz", und so darf die Firma nicht einmal ihren eigenen Namen schützen lassen. Ein konkurrierender Wodkahersteller nutzte das aus und brachte Flaschen in die Läden, auf denen der Name des Werks in großen Lettern prangte; es folgten eine Beschwerde bei der Kartellbehörde, ein Gegenschlag wegen eines bestimmten Wodkas und eine Phase, die die lokalen Nachrichten mit einem einzigen Wort zusammenfassten: Trolling. Im Grunde ist kirgisischer Cognac (russisch wie kirgisisch: коньяк) ein Brandy aus Weindestillat, der in Eichenfässern reift, und gebrannt wird er im einzigen Cognacwerk Kirgisistans - den Streit um den Namen kann dagegen niemand gewinnen.

Ein Wort aus Frankreich, eine Familie aus der ganzen Sowjetunion
Das Wort selbst haben die Kirgisen auf demselben Weg entlehnt wie der Rest des einstigen Imperiums: Cognac kam über das Russische nach Zentralasien und geht auf den Namen des französischen Städtchens Cognac zurück, dessen Umland in Frankreich eifersüchtig über den Namen wacht. Im sowjetischen Sprachgebrauch bezeichnete Cognac allerdings jeden Brandy aus Weindestillat; Dutzende Werke vom Kaukasus bis nach Zentralasien brannten ihn. Cognac ist also keine kirgisische Erfindung - kirgisisch sind nur der Hersteller und sein Werk in Bischkek. Aus derselben Familie stammen der armenische Ararat, der zu Hause bis heute auf dem Wort Cognac beharrt, und der moldauische Divin, für den man sich lieber ein neues Wort ausgedacht hat. Die Nachbarrepubliken tauften ihre Cognacs nach sowjetischer Art auf die Namen von Ländern und Städten - genau so, wie die Bischkeker Marken Kyrgyzstan und Bishkek heißen.
Vom Sekt aus Frunse zu sieben Sternen
Der Bischkeker Zweig fing prickelnd an. 1948 entstand in Frunse, wie Bischkek damals hieß, das Shampanvinkombinat: Der Betrieb füllte sechs Sorten sowjetischen Sekt und dreißig Sorten Wein ab und brannte nebenbei Cognacdestillat. Eigenen Cognac gab es dort etwa ab den 1960er Jahren - als lokale Medien Mitte der 2010er Jahre über das Werk schrieben, war von einem halben Jahrhundert Produktion die Rede, das Datum der ersten Flasche ist aber nirgends belegt. Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurde das Kombinat privatisiert; die heutige Kyrgyz Konyagy ist seine Rechtsnachfolgerin, und laut lokalen Journalisten sind ihr aus jener Zeit vor allem die alten Fässer geblieben. Von den "regelmäßigen Auszeichnungen bei internationalen Wettbewerben", mit denen sich heute jeder schmückt, bleiben bei näherem Hinsehen ein nationaler Qualitätspreis von 2013 und ein GUS-Preis zwei Jahre später übrig - international ist daran höchstens die Abkürzung.
Das Alter zeigt ein System an, das so einfach ist wie die Kerzen auf einer Geburtstagstorte: ein Stern pro Jahr. Verkauft wird er mit drei, fünf und sieben Jahren; der fünfjährige Bishkek trägt fünf Sterne, der siebenjährige Kyrgyzstan gleich sieben, obwohl die sowjetische Klassifikation mit den Sternen bei fünf Jahren aufhörte und ältere Destillate zu Markencognacs beförderte, marochny. Schwerer zu überprüfen ist, was in der Flasche steckt. Laut Etikett wird das Getränk im Land sowohl destilliert als auch abgefüllt, die Reben wachsen vor allem im Tschüi-Tal, und der Hersteller ist stolz auf Trauben von Böden, die nie von der Reblaus befallen wurden - woher die Trauben für die Brennkessel tatsächlich kommen, hat allerdings niemand unabhängig belegt.
Wie man kirgisischen Cognac kauft und mit nach Hause nimmt
Im Land selbst regiert der Wodka: Er bringt dem Staat Milliarden Som ein, der Cognac Millionen, was immerhin für Platz drei reicht. Umso besser schlägt er sich als Souvenir - die lokale Presse zählt ihn zu den Mitbringseln, die man als Besucher mit nach Hause nehmen sollte, gleich neben Honig und Trockenobst, und ein Flachmann mit 0,2 Liter passt in jeden Rucksack. Kauf ihn aber in einer Supermarktkette und mit Steuermarke - die Behörden beschlagnahmen immer wieder "fünf- bis achtjährige Cognacs", die sich bei der Analyse als gefärbter Wodka entpuppen.

Zwei Flachmänner aus dem Spar in Bischkek
Beide Flachmänner habe ich in einem Spar-Supermarkt in Bischkek gekauft: den siebenjährigen Kyrgyzstan im Angebot für 199 KGS (2 EUR), den fünfjährigen Bishkek zum regulären Preis von 203 KGS (2 EUR), beide mit 0,2 Liter. Der Siebenjährige hat mich zum Bergsee Song-Köl begleitet und mich regelrecht begeistert: rund, wärmend, mit süßen Noten von Trockenobst und Eiche, ganz ohne alkoholische Schärfe. Den fünfjährigen Bishkek habe ich im Nationalpark Altyn-Arashan geöffnet und würde ihn kein zweites Mal kaufen - er war schärfer und spritiger, eher zum Aufwärmen als zum Genießen. Vielleicht hat dem Siebenjährigen die Landschaft am Song-Köl nachgeholfen, wo fast alles schmeckt. Nur habe ich den Bishkek in einer mindestens ebenso schönen Kulisse getrunken. Geholfen hat es ihm nicht.