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Tavern Yerevan: armenische Küche mit Musik und Kulturprogramm

Dan Špaňhel Armenien Aktualisiert Keine Kommentare

In der Küche eines Eriwaner Restaurants wächst ein Baum. Kein Kübel neben dem Eingang: Der Stamm kommt zwischen den Edelstahltresen aus dem Boden, und durch die Glaswand sieht man ihn auch von draußen. Die Filiale Riverside am Hrasdan hat ihn beim Bau stehen lassen und die Küche um ihn herum gebaut - und ich habe ihn länger angeschaut als die Speisekarte.

Tavern Yerevan (armenisch: Պանդոկ Երևան) ist eine Restaurantkette in Eriwan, die die traditionelle armenische Küche um ein Abendprogramm ergänzt: Livemusik, Tanz und am Fluss auch Feuer. Filialen gibt es mehrere, und derselbe Name bedeutet noch lange nicht denselben Abend.

Tavern Yerevan: eine Küche, die um einen lebenden Baum herum gebaut ist.
Tavern Yerevan: eine Küche, die um einen lebenden Baum herum gebaut ist.

Schaschlik am Kino und ein Name nach der Stadt

Den Namen hat sich das Lokal so gewählt, dass ihn jeder lesen kann: tavern ist die Schenke, Yerevan ist die Stadt, also Eriwan, und die armenische Aufschrift Պանդոկ Երևան sagt mit dem Wort pandok, Gasthaus, dasselbe. Gründer Davit Yeremyan bekannte sich mit diesem Namen zur Stadt, schon bevor ihm dort irgendetwas gehörte. 2001 lieh er sich von seiner Schwester ein paar Hundert Dollar und verkaufte Schaschlik an einem Stand beim Kino Rossia; seine erste Taverne eröffnete er 2006 in der Mowses-Chorenazi-Straße, und Plätze soll es dort von Anfang an zu wenige gegeben haben. Aus dieser einen Schenke ist heute die Gruppe Yeremyan Projects mit über einem Dutzend Marken geworden, darunter auch das Restaurant Lavash.

Drei Adressen unter einem Schild

Riverside an der Issakow-Straße ist die jüngste, eröffnet 2018, und zugleich die größte: Hunderte Plätze, die meisten im Garten am Fluss, wo es im Sommer etwas erträglicher ist als im Zentrum. Touristen verirren sich kaum hierher, dafür feiern hier die Armenier; die Gäste zwischen den Tischen waren an jenem Abend gekleidet wie zu einer Hochzeit. Es ist mein zweitliebstes Restaurant in Eriwan, gleich nach dem Lavash - eben das mit dem Baum in der Küche.

Tavern Yerevan Riverside

Tavern Yerevan: der abendliche Garten der Filiale Riverside.
Tavern Yerevan: der abendliche Garten der Filiale Riverside.

Khorenatsi ist die allererste, von 2006, und sieht auch so aus: Ziegelwand, Holzbalken, die Band spielt drinnen zwischen den Tischen. Die Karte ist eine andere als im Riverside und die Küche eine Spur einfacher, aber immer noch sehr gut. Amiryan liegt im Zentrum unweit vom Platz der Republik, ist von den drei Filialen die auffälligste, und ohne Reservierung kommst du abends nicht hinein - ich habe es versucht.

Tavern Yerevan Khorenatsi

Tavern Yerevan Amiryan

Tavern Yerevan: Folkloreensemble und Sänger bei einem armenischen Lied in der Filiale Khorenatsi.
Tavern Yerevan: Folkloreensemble und Sänger bei einem armenischen Lied in der Filiale Khorenatsi.

Was zum Abendessen gespielt wird und was der Blick kostet

Ein Abendessen mit Band ist in Eriwan keine Erfindung dieser Kette; gespielt wird auch im Pandok Yerevan oder im Saal des Hotels Ani, und ein Folkloreensemble in einem großen Restaurant überrascht hier niemanden. Der Unterschied liegt im Umfang. Im Khorenatsi heißt das armenische Volkslieder mit Gesang und Instrumenten, bei denen der Duduk aus Aprikosenholz nicht fehlen darf; im Amiryan wird jeden Abend außer sonntags Volksmusik gespielt. Im Riverside steht im Garten eine große Bühne, und das Programm dauert mehrere Stunden: Filmmusik als Konzertfassung, eine armenische Popsängerin und nach Einbruch der Dunkelheit eine Aufführung, in der Theater, Bühnentanz und Feuer zusammenkommen. Vor diesem letzten Block werden zwanzig Minuten lang Requisiten auf die Bühne getragen, und eine bessere Darbietung habe ich in einem Restaurant noch nie gesehen.

Im Riverside wird für das Programm Eintritt verlangt, und zwar auf eine Weise, die mir sonst nirgendwo begegnet ist: Die Gebühr gilt pro Tisch, nicht pro Person, und richtet sich nach dem Blick auf die Bühne. Der beste Tisch kostet 4.000 AMD (9,60 EUR), ein seitlicher 2.000 AMD (4,80 EUR) und der Tisch mit der schlechtesten Sicht 1.000 AMD (2,40 EUR); zu viert teilt man den Betrag also durch vier. Zur Rechnung kommen wie überall in der Stadt automatisch zehn Prozent Bedienung dazu, für die Programmgebühr gilt das aber nicht. Mit einem Drink in der Hand kannst du ohnehin direkt vor der Bühne stehen, der billige Tisch ist also eher ein Platz, um die Tasche abzustellen. Im Khorenatsi und im Amiryan kostet die Musik nichts. Zur Reservierung: Ins Riverside kam ich unangemeldet und allein, und nach kurzem Hin und Her (es ging eher um die Sprache als um einen Platz) bekam ich einen Platz, obwohl es fast voll war; im Amiryan kommst du ohne nicht weiter, im Khorenatsi brauchst du unter der Woche wohl keine.

Tavern Yerevan: das abendliche Musikprogramm auf der Bühne im Freien.
Tavern Yerevan: das abendliche Musikprogramm auf der Bühne im Freien.

Tjvjik am Fluss und Putuk aus der ersten Reihe

Ins Riverside kam ich auf dem Weg von den Verkostungen der Brandys Ararat und Noy, die ein Stück weiter liegen. Ich nahm Tjvjik vom Rind und Salat aus Aveluk, beides tadellos, dazu den Cocktail Tres Belle: Gin, frisch gepresster Granatapfelsaft, Himbeersirup und Limette. Er kommt unter einer rauchgefüllten Glasglocke, auf einem Tablett mit Blütenblättern, und der Kellner hebt sie erst am Tisch ab, sodass der erste Eindruck über die Nase kommt. Geschmacklich ist er süßsauer, der Granatapfel hält mit seiner Säure gegen den Sirup, und der Rauch bleibt länger am Glas als im Getränk. Er kostete 4.000 AMD (9,60 EUR), und für dieses Schauspiel und den Geschmack ist das ein fairer Preis.

Tres Belle: Der Cocktail kommt unter einer rauchgefüllten Glocke.
Tres Belle: Der Cocktail kommt unter einer rauchgefüllten Glocke.
Tres Belle: Die Glocke wird vom Cocktail gehoben.
Tres Belle: Die Glocke wird vom Cocktail gehoben.
Tres Belle: Der Rauch zieht um das freigelegte Glas.
Tres Belle: Der Rauch zieht um das freigelegte Glas.
Tres Belle: Der fertige Cocktail nach dem Abheben der Glocke.
Tres Belle: Der fertige Cocktail nach dem Abheben der Glocke.

Im Khorenatsi saß ich an einem Mittwoch, der Saal war bis auf ein paar Tische leer und das Programm sollte gleich beginnen, also setzte ich mich direkt in die erste Reihe um. Die Suppe Putuk war hervorragend, die Khashlama vom Kalb ebenso, und die Band spielte für ein paar Tische, als wäre der Saal voll. Ins Amiryan, die dritte Adresse mit demselben Schild, ließ man mich ohne Reservierung nicht hinein - es war voll.

Dan Špaňhel

Dan Špaňhel

Ich bin Dan. Ich schreibe nur über das, was ich selbst gekostet habe - vom Straßenstand bis zum Michelin-Stern. Für gutes Essen habe ich die halbe Welt bereist und alles Mögliche probiert - auch das Unmögliche.

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