Restaurant Výčep, Prag (2): Kulajda, Halušky und Boeuf bourguignon
Im hinteren Teil des Výčep steht ein alter Tesla-Fernseher, und er läuft. Bei den letzten Besuchen hatte ich ihn übersehen, diesmal konnte ich den Blick nicht von ihm lösen: Es läuft weder Sport noch Nachrichten, sondern eine Live-Übertragung von der Essensausgabe, an der ein paar Meter weiter die Teller fertig angerichtet und an die Kellner übergeben werden. Ein Wirtshausfernseher, auf dem statt Fußball gekocht wird.
Das Restaurant Výčep in den Prager Vinohrady ist ein modernes Wirtshaus im Stil der mährischen Walachei, einer Region im Osten Tschechiens, und trägt die Michelin-Auszeichnung Bib Gourmand - und das hier ist der Bericht von einem weiteren Mittagessen, mit dem ich überprüft habe, ob der "Knaller" aus meinem ersten Artikel kein Zufall war. Er war keiner.

Kulajda mit Trüffelöl, Halušky mit Grieben
Den Auftakt machte eine Kulajda aus Steinpilzen mit Ei, Dill und eingelegten Pilzen für 125 CZK (5 EUR). Trüffelöl in einer Wirtshaussuppe passt auf dem Papier wie die Faust aufs Auge, hier aber funktionierte es: Die Pilze schmeckten kräftig, die Suppe war angenehm säuerlich und das Trüffelöl hob sie noch eine Stufe höher. Die Kulajda gehört zu meinen liebsten tschechischen Suppen, die Latte lag also hoch - und sie übersprang sie aus dem Stand.
Der zweite Gang schickte das Mittagessen ins Nachbarland: slowakische Halušky, in Schmalz gebacken, mit Bryndza (slowakischer Schafskäse) und geräucherten Grieben, bestreut mit knusprigen Röstzwiebeln, für 285 CZK (11,40 EUR). Die Beschreibung halte ich kurz, weil das Gericht keine längere braucht: einfach, sättigend, perfekt.

Boeuf bourguignon und Erdbeerbecher
Der Hauptgang fuhr dann bis nach Frankreich: Rinderschulter nach Burgunder Art mit Kartoffelpüree, Karotten, Champignons und eingelegten Perlzwiebeln für 295 CZK (11,80 EUR). Boeuf bourguignon ist ein französischer Klassiker und wirkt auf der Karte eines Wirtshauses in den Vinohrady ähnlich unerwartet wie dieser Fernseher - und ähnlich selbstverständlich. Das Rindfleisch zerfiel auf der Zunge und die gegrillte Karotte war ein wunderbarer Blickfang auf dem Teller. Kartoffelpüree liebe ich, und ich weiß, wie viel man dabei falsch machen kann, auch wenn es jeder für eine simple Beilage hält - dieses war großartig. Der ganze Teller sah außerdem genauso gut aus, wie er dann schmeckte.

Das Dessert hatte diesmal Konkurrenz: Neben dem klassischen Větrník, einem karamellisierten Windbeutel, tauchte auf der Mittagskarte ein Erdbeerbecher mit Vanillesahne für 185 CZK (7,40 EUR) auf. Frisch geschlagene Sahne, bestäubt mit geriebener Limettenschale, darunter eine Kugel Erdbeereis, belegt mit eingelegten Erdbeeren und Zitronenmelisse, und ganz obenauf ein Štramberker Ohr (štramberské ucho) - ein knuspriger Gruß aus Mähren, gesteckt in einen Prager Eisbecher.

Mittagessen mit Blick in die Küche
Der nächste Besuch hat es nur bestätigt: Das Výčep ist ein Knaller. Das Lokal findest du unter den tschechischen Lokalen mit der Michelin-Auszeichnung Bib Gourmand. Und wenn du hingehen willst, mach eine Sache besser als ich: Mich hat es mehrere Besuche gekostet, bis mir der Fernseher überhaupt aufgefallen ist - setz dich also gleich so hin, dass du ihn im Blick hast. Die Übertragung von der Essensausgabe ist eine ausgesprochen sympathische Kuriosität, und aus dem Augenwinkel könnte ich ihr den ganzen Abend zusehen.

Výčep