Albanisches Bier: Korça, Tirana und Elbar
Das älteste albanische Bier begann nicht mit Malz, sondern mit einer Abstimmung: Genehmigt hat die Brauerei in Korça 1928 das Parlament, und König Zogu I. persönlich gab ihr seinen Segen. Den Großteil des Geldes brachte ein italienischer Unternehmer mit, das Grundstück und das restliche Kapital steuerte ein einheimischer Teilhaber bei, und der fertige Betrieb stellte neben Bier auch Eis her. Albanisches Bier (auf Albanisch birra shqiptare), das sind vor allem helle Lagerbiere aus einer Handvoll heimischer Brauereien - Korça, Tirana, Elbar, Stela oder Kaon - und in der albanischen Küche gehören sie überall dazu, wo gegrillt wird.

Ein italienisches Lehnwort und ein Bierkrieg mit dem Kosovo
Der Name kam übers Meer: Das albanische birrë ist aus dem italienischen birra entlehnt, vielleicht sogar direkt aus dessen mittellateinischer Vorlage. Das Albanische hängt den bestimmten Artikel zudem ans Wortende, sodass Birra Korça wörtlich "das Bier Korça" bedeutet - jede albanische Marke trägt so ein Stückchen Grammatik im Namen, von dem Touristen nichts ahnen. Die Geografie ist dramatischer: Der Markt ist national, die Sprache teilt Albanien aber mit dem Kosovo, und der hat seinen eigenen Favoriten, das Peja. Als Albanien großen Brauereien die doppelte Verbrauchsteuer auferlegte, sah der Kosovo darin einen Angriff genau auf dieses Bier und drohte mit Vergeltung. Das Bier ignoriert die Grenze derweil: Peja wird in Albanien ganz selbstverständlich verkauft, Korça im Kosovo. Als erstes Bier gilt Korça allerdings nur im eigenen Land - das mazedonische Skopsko ist vier Jahre älter.
Verstaatlichung und Bier aus Tirana für zwei Drittel des Landes
Nach dem Krieg fiel die Brauerei in Korça an den Staat, und der baute 1960 eine weitere, eigene: ein Werk in Tirana mit sowjetischer Technik, das zwei Drittel des Landes versorgte, während für Korça der Südosten blieb. Nach der Privatisierung wurden aus beiden Staatsbetrieben private Marken - und laut der einzigen Quelle, die sich zu den Besitzverhältnissen äußert, haben Korça und Tirana heute denselben größten Anteilseigner. Dabei gilt Albanien noch immer als Land des Raki und des Weins; trotzdem macht Bier mehr als ein Drittel des Alkohols aus, der im Land getrunken wird.
Lagerbiere, Opas Bier und Regale voller Importe
Die Stilkarte ist schnell gelesen: In der heimischen Produktion regiert das helle Lagerbier - ein sauberes, leichtes Bier ohne höhere Ambitionen; in einer tschechischen Kneipe würde es weder anecken noch begeistern. Korça stellt ihm ein dunkles birra e zezë zur Seite, die jüngeren Marken aus Tirana, Stela und Kaon, setzen ebenfalls auf helles Lager; über Elbar und Norga verrät selbst das albanische Internet nicht viel - die Marken stehen im Regal, nach dem Hersteller muss man lange suchen. In den letzten Jahren sind Kleinbrauereien hinzugekommen, von IPAs aus Tirana bis zu einem Betrieb am Ohridsee namens Birra e Gjyshit, wörtlich "Opas Bier". Die Regale sprechen allerdings eine andere Sprache: Mehr als die Hälfte des Marktes entfällt auf Importe, vor allem aus Serbien und Italien, sodass die heimischen Lagerbiere heute vor allem mit den Preisschildern fremder Etiketten konkurrieren.
Getrunken wird es kalt und zu Fleisch vom Grill: zu Qofte, zu Kërnacka, den Fleischröllchen direkt aus Korça, und auch zu schwereren Kalibern wie Tavë dheu - Leber, mit dem Quark Gjizë überbacken. Im August kommt in Korça noch ein Bierfestival dazu - es findet seit 2007 jedes Jahr statt, mit fünf Konzertabenden und freiem Eintritt.

Eine Dose Elbar, eine Flasche Tirana
Ich habe albanisches Bier über das Supermarktregal kennengelernt - eine Dose Elbar und eine Flasche Tirana. Beide Lagerbiere fielen aus wie erwartet: sauber, leicht, der Hopfen eher zu erahnen als ausgeprägt; ein Bier, das dem Essen das Wort überlässt - und bei albanischen Preisen lässt man es ihm gern. Ein halber Liter kostete im Supermarkt etwa 100 ALL (1 EUR), im Restaurant das Doppelte.