Was isst man in Israel? Typische israelische Gerichte und Spezialitäten | Seite 2 von 3
Jaffa-Orangen: die Sorte Shamouti aus den Gärten von Jaffa und die Exportmarke
Jaffa-Orangen sind die Sorte Shamouti: eine süße Orange mit dicker, leicht abziehbarer Schale und fast ohne Kerne, die Mitte des 19. Jahrhunderts in den Gärten am Hafen von Jaffa auftauchte und dank ihrer widerstandsfähigen Schale nach Europa segelte, noch bevor es den Staat Israel gab. Jaffa ist heute vor allem eine Marke, die auch spanische Orangen tragen, und die berühmte Shamouti bleibt meist zu Hause.
Die niedrigste Bar der Welt: Erfrischungen am Kalia Beach am Toten Meer
Die Bar am Kalia Beach am Nordufer des Toten Meeres brüstet sich mit einem Titel, den ihr niemand verliehen hat und den ihr niemand nehmen wird: Tiefer kann man an Land keinen Kaffee kaufen. Das eine Schild behauptet minus 420 Meter, das Schild daneben schon minus 430 - und in Wirklichkeit liegt es noch tiefer, denn der Wasserspiegel sinkt jedes Jahr. Wie du von Jerusalem aus zum Grund der Welt kommst und was dort ein Espresso kostet.
Halva: die krümelige Sesamsüßigkeit des östlichen Mittelmeerraums
Halva ist eine Süßigkeit, die in Fasern zerfällt: Die Sesampaste Tahini wird mit Zucker gekocht, erstarrt zu Blöcken, und die Händler auf den Märkten schneiden davon Stück für Stück ab. Sie ist im gesamten östlichen Mittelmeerraum zu Hause, von Nablus über die Türkei bis Griechenland, in Israel wird sie seit 1929 im großen Stil hergestellt. Ich habe sie auf dem Jerusalemer Mahane-Yehuda-Markt probiert, wo sie kiloweise verkauft, aber scheibchenweise gegessen wird.
Mahane-Yehuda-Markt: der Markt, der sich vor dem Schabbat verwandelt
Der Mahane-Yehuda-Markt ist der wichtigste Markt Westjerusalems: über 270 Stände mit Oliven, Gewürzen und Halva, dazwischen Bistros und Bars. Seinen Namen hat er sich vom Nachbarviertel geliehen, zu dem er nie gehört hat, und seine ganze Woche läuft auf den Freitagnachmittag zu - auf den Ausverkauf vor dem Schabbat, nach dem sich die überfüllten Gassen binnen weniger Minuten leeren. Ich war dabei.
Shawarma: Fleisch vom Drehspieß aus dem Nahen Osten
Der senkrechte Fleischzylinder, der sich langsam im Schaufenster dreht, gehört zum Nahen Osten so selbstverständlich wie das Kleingeld auf den Markt. Shawarma - in Gewürzen mariniertes Fleisch, in dünnen Scheiben vom Spieß geschnitten - ist ein gemeinsames Erbe der ganzen Region. Die israelische Version hat sich die Pute dazugeholt, Pommes direkt in die Pita und die Mangosauce Amba, die über Bagdad aus Indien kam.
Falafel: das frittierte Kichererbsenbällchen
Die Falafel beansprucht der halbe Nahe Osten; die Israelis haben sie zum Nationalgericht gemacht und in die Pita gesteckt. Sie ist ein Bällchen aus roh gemahlenen Kichererbsen mit Kreuzkümmel, Petersilie und Koriander, knusprig frittiert - je grüner innen, desto frischer die Kräuter. Am besten schmeckt sie frisch aus dem Öl - zum Beispiel im Jerusalemer Hummuslokal Ben-Sira.
Arabische Märkte am Damaskustor: Einkaufen in Jerusalem, auch am Schabbat
Während der Westen Jerusalems am Schabbat verstummt, wird hinter dem Damaskustor weiter Gemüse auf Handwaagen gewogen und Kaffee mit Kardamom duftet durch die Gassen. Die arabischen Märkte im muslimischen Viertel der Altstadt folgen ihrem eigenen Kalender. Ich bin sie an einem Samstagmorgen durchgegangen - von den leeren Gassen bis zur Tasse Kaffee, bei der sich der Café-Besitzer an die Tschechoslowakei erinnerte.
Pita: Fladenbrot mit Tasche für die Füllung
Die wichtigste Zutat der Pita ist Luft: der Dampf, der im heißen Ofen den Fladen aus Mehl, Wasser, Hefe und Salz aufbläst und darin eine Tasche für Falafel, Shawarma oder Hummus zurücklässt. Der Name kam auf einem Umweg über den Balkan ins Hebräische, das Brot selbst ist älter als der Ackerbau, und so klein wie die heutige "Pita hundert Gramm" hat sie erst Israel gemacht. In Israel habe ich sie jeden Tag gegessen, ohne sie ein einziges Mal zu bestellen.
Jerusalemer Bagel: Sesamgebäck an den Toren der Altstadt
Ein unterarmlanges Sesamoval, das im Unterschied zum New Yorker Namensvetter nicht gekocht, sondern nur gebacken wird. Auf Hebräisch bejgele jeruschalmi, auf Arabisch ka'ak al-Quds - warum er nach Jerusalem benannt ist, weiß nicht einmal die hebräische Wikipedia. Woher er kommt, wer ihn in der Altstadt backt und warum es sich lohnt, ihn ein paar Gassen vom Tor entfernt zu kaufen.
Za'atar: levantinische Gewürzmischung mit Sumach und Sesam
Za'atar ist eine Gewürzmischung aus getrocknetem syrischem Oregano, säuerlichem Sumach, geröstetem Sesam und Salz, in die man in der ganzen Levante Brot tunkt, nachdem man Olivenöl dazugegeben hat. Dasselbe Wort bezeichnet das Kraut und die fertige Mischung. Gegessen wird es vor allem morgens, auf dem Fladen Manakish, auf Labne, und in Jerusalem bekommst du es in der Tüte zum Jerusalemer Bagel dazu.