Was isst man rund um die Welt? | Seite 3 von 70
Walnüsse: der Kern des moldawischen Herbstes
Moldawien gehört zu den zehn größten Exporteuren von Walnusskernen weltweit, fast die gesamte Ernte geht ins Ausland, vor allem in die Europäische Union. Im Land selbst füllen die Nüsse Festtagsgebäck und in Wein gekochte Backpflaumen, aus den grünen Früchten wird Konfitüre gekocht und Likör angesetzt. Anfang Oktober werden frisch geknackte Kerne becherweise direkt auf den Märkten verkauft.
Plăcintă: ein Name für Fladen, Spirale und Kuchen
Plăcintă ist der Name, den Moldawien, Rumänien und der Süden der Ukraine für gefülltes Gebäck aus dünnem, ausgezogenem Teig teilen. Je nach Form und Füllung meint er einen frittierten Fladen für die Hand, eine gebackene Spirale mit Käse oder einen süßen Blechkuchen. Namen wie Învârtită, Saralie oder Vărzare stehen für weitere Formen, und in Moldawien werden Plăcinte vom Markt bis zum Supermarkt verkauft.
Turte de casă: ohne Fett gebackene Brotfladen
Turte de casă sind runde Brotfladen, die ohne Fett auf der Herdplatte oder in der Pfanne gebacken werden - ohne Füllung und ohne einen einzigen Tropfen Öl. Das Landbrot Moldawiens und Rumäniens begleitet vor allem Suppen, an Weihnachten wird es mit Nüssen zu den "Windeln des Herrn" geschichtet, und mit dem ungarischen Lángos hat es mehr gemeinsam, als die Fritteuse vermuten lässt.
Sarmale: Röllchen in Kohl- und Weinblättern
Sarmale sind kleine Röllchen aus Hackfleisch und Reis, eingewickelt in Sauerkraut- oder Weinblätter und lange im Tontopf geschmort. In Moldawien heißen sie auch Găluște, und auf keiner Hochzeit dürfen sie fehlen. Unter den Namen Sarma, Dolmadakia oder Golubzy kennt halb Europa dasselbe Gericht - von der Türkei und Zypern bis nach Polen und Ungarn.
Borș scăzut: moldawische Sauersuppe, auf die Hälfte eingekocht
Borș scăzut ist ein Wintergericht der moldawischen Küche, wörtlich "eingekochter Borș". Fette Schweinerippchen und Sauerkraut in ganzen Köpfen kochen so lange, bis die Hälfte der Flüssigkeit aus dem Topf verschwunden ist und aus der Suppe fast ein Schmorgericht aus Fleisch und Kraut geworden ist. Die Säure liefert das Kraut aus dem Fass ganz von selbst. Am häufigsten gekocht wird er im Norden und in der Mitte Moldawiens zu Weihnachten und Neujahr, gegessen wird er mit Mămăligă und Sauerrahm.
Harbuz murat: im Fass vergorene Wassermelone
Harbuz murat ist eine ganze Wassermelone, vergoren in Salzlake - klein, hart, gegessen wird sie samt Schale. Diesen Wintervorrat hat Moldawien mit der rumänischen Region Moldau, dem Süden der Ukraine und dem russischen Don gemeinsam. Ich hatte mir die eingelegte Melone als Kuriosität Nummer eins der ganzen Reise vorgemerkt, und trotzdem ist mir die Kostprobe entgangen.
Gogonele: eingelegte grüne Tomaten
Gogonele sind unreife grüne Tomaten aus der letzten Herbsternte, in Salzlake mit Meerrettich, Sellerie und Dill vergoren. Das Rumänische hat für sie ein eigenes Wort, nach derselben Methode legt sie aber ganz Osteuropa ein - von Moldawien bis Russland. Im Winter begleiten sie schwere Fleischgerichte, und gut durchgegoren prickeln sie leicht auf der Zunge.
Divin: moldawischer Weinbrand mit göttlichem Namen
Divin ist der moldawische Weinbrand: ein Destillat aus Weißwein, das mindestens drei Jahre in Eichenfässern reift, eine geschützte Bezeichnung für ganz Moldawien. Der Name aus den Neunzigerjahren ist zugleich eine Abkürzung von distilat de vin und das rumänische Wort für göttlich - ein Ersatz für das verbotene Wort Cognac. Die Altersstufen von VS bis XXO folgen dem Vorbild des Cognacs, und anders als beim rumänischen Vinars darf in die Cuvée auch Zuckersirup.
Trandafirată: Likör aus Rosenblütenblättern
Trandafirată wird aus den Blütenblättern der Damaszener-Rose angesetzt - zuerst mit Zucker und Zitrone, dann mit Schnaps. Der süße Likör ist ein Hausklassiker Moldawiens wie Rumäniens, in Rumänien bezeichnet dasselbe Wort heute allerdings häufiger eine sommerliche Rosenlimonade. In Moldawien füllt ihn auch die Likörmanufaktur aus Bulboaca ab, aus Blütenblättern, die im Bezirk Anenii Noi von Hand gesammelt werden.
Nucată: Likör aus unreifen Walnüssen
Nucată ist ein Likör aus unreifen grünen Walnüssen, wie ihn die Haushalte in Moldawien und Rumänien kennen - verwandt mit dem italienischen Nocino, dem französischen Vin de noix und dem tschechischen Nusslikör. Das Weingut Castel Mimi aus Bulboaca macht daraus einen "fürstlichen" Balsam: Zu den Nüssen kommen Wein aus Traminer und Muscat, zwei Sorten Wermutkraut und Hopfen, sodass der süße Auftakt in der Bitterkeit eines Vermuts endet.