Was isst man rund um die Welt? | Seite 5 von 70
Bar Eli-Pili: Nachtklassiker in Chișinău mit Sperrstunde um sechs Uhr morgens
Eli-Pili ist eine Institution des nächtlichen Chișinău: eine Bar mit Küche, die nur zwischen sechs und neun Uhr morgens geschlossen hat und fast bis zur Sperrstunde kocht. Der Name ist ein russisches Wortspiel und bedeutet "gegessen und getrunken", in der Einrichtung begegnen sich die Fünfzigerjahre von beiden Seiten des Eisernen Vorhangs, und im Karaoke-Raum nebenan wird bis in den Morgen gesungen.
Salată Șuba cu hering: Hering im Pelzmantel
Salată Șuba cu hering, auf Russisch Hering im Pelzmantel, ist ein geschichteter kalter Salat: eingelegter Hering, versteckt unter Kartoffeln, Karotten und Roter Bete, verbunden mit Mayonnaise und bestreut mit geriebenem Ei. Der sowjetische Neujahrsklassiker aus den 1970er Jahren ist in Moldawien so volkstümlich geworden, dass die Restaurants in Chișinău ihn das ganze Jahr auf der Karte haben - und so wird sie schnell zur Vorspeise für jeden Tag.
Sotschnik: der Quarkhalbmond aus sowjetischen Kantinen
Der Sotschnik ist ein süßes Gebäck aus Mürbeteig: ein Fladen, in der Mitte zusammengeklappt, aus dessen offenem Rand eine Quarkfüllung hervorschaut. Eine moldawische Spezialität ist er nicht - nach Chișinău hat ihn die Sowjetzeit gebracht, und bis heute bekommt man ihn dort ganz selbstverständlich im Supermarkt und an Ständen. Seinen Namen verdankt er alten russischen Fladen, nach denen auch der russische Heiligabend benannt ist.
Colaci: zu einem Ring geflochtene Ritualbrote
Colaci sind Hefebrote aus Weizenmehl, die aus Teigsträngen zu einem Ring geflochten werden. In Moldawien und im ganzen rumänischsprachigen Raum begleiten sie Taufen, Hochzeiten, Beerdigungen und das weihnachtliche Singen von Haus zu Haus; ihr Name macht sie zu Verwandten der tschechischen Kolatsche, des polnischen Kołacz oder des russischen Kalatsch. Große Ritualbrote bestellt man beim Bäcker im Voraus, kleinere gibt es ganz normal im Supermarkt.
Syrok: der glasierte Quarkriegel aus sowjetischen Molkereien
Syrok ist ein kleines gekühltes Dessert aus gesüßtem Quark mit einem dünnen Schokoladenüberzug, eine Erfindung sowjetischer Molkereien. In Moldawien ist er unter dem rumänischen Namen brânzică glazurată heimisch geworden, gleich mehrere einheimische Marken stellen ihn her. Unter eigenen Namen kennt ihn der ganze postsowjetische Raum von der Ukraine bis ins Baltikum, in Ungarn ist aus ihm der Túró Rudi hervorgegangen.
Rjaschenka: postsowjetisches Sauermilchgetränk aus gebackener Milch
Für Rjaschenka wird die Milch zuerst mehrere Stunden gebacken und erst danach gesäuert - vom Joghurt unterscheidet sie sich also nicht durch die Bakterien, sondern durch die Milch selbst. Den ostslawischen Klassiker haben die Molkereien der Sowjetunion im ganzen Imperium verbreitet, in Moldawien wird er bis heute unter dem rumänischen Namen lapte covăsit verkauft; ein eigenes Wort dafür hat das Rumänische nicht.
Borș acru: vergorener Kleiensud für rumänische und moldawische Suppen
Borș acru, auch Borș de tărâțe genannt, ist ein vergorener saurer Sud aus Weizenkleie, mit dem im ganzen rumänischsprachigen Raum Suppen gesäuert werden - von der Zeamă bis zur Ciorbă, mit dem Schwerpunkt in der historischen Region Moldau beiderseits des Pruth. Der russische Borschtsch ist sein Namensvetter, kein Verwandter. Zu Hause setzt man ihn mit dem Starter Huște an, es gibt ihn aber auch in Flaschen.
Adjika: scharfe Sauce aus dem Kaukasus
Adjika ist eine scharfe Sauce aus Tomaten, Paprika und Knoblauch - ein sowjetischer Dip mit kaukasischem Namen, der in der ganzen ehemaligen UdSSR für den Winter eingekocht wird; Moldawien ist nur eines der Länder, in denen er heimisch geworden ist. Der Name ist abchasisch und bedeutet schlicht Salz, dabei kam die ursprüngliche kaukasische Paste ohne Tomaten und ganz ohne Kochen aus. Auf dem moldawischen Tisch gehört Adjika zu gegrilltem Fleisch, Brot und Kartoffeln.
Martinsgans: Warum sie gerade am 11. November gebraten wird
Die Martinsgans gehört zu den beliebtesten tschechischen Herbsttraditionen: Um den 11. November wird sie im ganzen Land gebraten und mit Kraut und Knödeln serviert. Ihre Wurzeln führen aber nicht zu Legenden über Vögel, die den heiligen Martin verraten haben - eher zu dem Datum, an dem das Wirtschaftsjahr endete und die Abgaben fällig wurden. Dasselbe Fest feiern - jedes auf seine Weise - auch Österreich, Deutschland, Polen und Ungarn.
Restaurant La Veranda, Prag: Degustationsmenü neben einem Regal voller Kochbücher
Das Restaurant La Veranda kocht seit 2002 im Prager Josefov moderne europäische Küche auf mediterraner Basis und gehört zu den Lokalen, die der Guide Michelin empfiehlt. Neben dem Degustationsmenü mit Weinbegleitung, das Lieferanten und Winzer beim Namen nennt, lockt es mit einem ungewöhnlich gemütlichen Gastraum samt Regal voller Kochbücher - und mit einer Küche, die selbst mit einer Kartoffelschale zu glänzen weiß.