Was isst man rund um die Welt? | Seite 4 von 70
Must: Traubenmost auf halbem Weg zum Wein
Must ist frischer Traubenmost von der neuen Lese, wie man ihn im Herbst in Moldawien und Rumänien trinkt - süß, trüb und von Tag zu Tag wilder, je mehr die Hefen darin arbeiten. Sobald er zu perlen beginnt, ist er das Gegenstück zum tschechischen Burčák; die nächste Stufe nennen die Moldawier Tulburel, wörtlich "der kleine Trübe". Weil er sich nicht transportieren lässt, trinkt man ihn nur ein paar Wochen im Jahr und nur dort, wo er entstanden ist.
Piața Centrală: der Hauptmarkt von Chișinău
Der Hauptmarkt von Chișinău versorgt die Stadt seit 1825: überdachte Hallen mit Milch, Fleisch und lebenden Fischen, Standreihen unter freiem Himmel mit Trauben moldawischer Sorten, Gemüse und Jujuben, an den Eingängen Stände mit frittierten Piroschki, den Pateuri. Das Sodawasser aus dem Automaten zapft hier eine Frau in Schürze, und auf den Bänken rund um das Gelände verkaufen Bäuerinnen hausgemachten Brynza und Himbeeren.
Restaurant Acasă la Mama: moldawische Hausmannskost in Chișinău
Acasă la Mama ist ein Restaurant in Chișinău mit moldawischer Hausmannskost - der Name bedeutet "zu Hause bei Mama", und genau so sieht es hier aus und so schmeckt es auch: gewebte Teppiche, Volkskeramik und Rezepte von Hausfrauen vom Land. Aushängeschilder sind die Hühnersuppe Zeamă und die Mămăligă mit Fisch und Mujdei, auf der Karte treffen aber moldawische, rumänische und postsowjetische Schichten aufeinander.
Bucuria: die moldawische Süßwarenlegende
Bucuria ist der größte Süßwarenhersteller Moldawiens, 1946 in Chișinău gegründet. Der Name der Fabrik bedeutet Freude, und ihre Pralinen - Sauerkirschen und Trauben in Schokolade, der Krokant Meteorit oder die Trockenpflaumen Chișinăul de seară - gehören zu den bekanntesten Geschmackserlebnissen des Landes. Zwei ihrer Direktoren wurden Ministerpräsidenten, und Pralinenschachteln mit dem ovalen Logo nehmen Besucher als typisches Souvenir mit nach Hause.
Was aus Moldawien mitbringen?
Aus Moldawien habe ich vor allem Backpflaumen mitgebracht - mit Walnuss von Rifero und in Schokolade von Bucuria - und dazu Kosinaki von Noor, Covrigei von Galfim und Lebkuchen aus Cahul. Für die sowjetische Schicht meines Einkaufs stehen Borodinoer Brot mit Koriander und die Salami Moscovita. Ein Stück Ukraine steuern Fisch-Jerky und Lebkuchen aus Kiew bei.
Borschtsch: dicke Suppe aus Roter Bete, Kohl und Fleisch
Borschtsch heißt in Moldawien borș roșu, roter Borș, und steht auf den Speisekarten so selbstverständlich wie die einheimischen Suppen. Nach Bessarabien brachten ihn die ukrainischen Nachbarn, sowjetische Kantinen verbreiteten ihn im ganzen Land, und heute beschreiben ihn moldawische Websites als Geschmack der Kindheit. In der Schüssel landen meist Rote Bete, Kohl, Bohnen und viel Fleisch, dazu Smântână, eine scharfe Chilischote und Pampuschki mit Knoblauch.
Soljanka: die russische saure Suppe mit Wurst und Gurken
Die Soljanka ist in Moldawien so heimisch geworden, dass sie unter dem Namen soleancă in Restaurants, Kantinen und rund um die Uhr geöffneten Lokalen gekocht wird - die Einheimischen nennen sie dabei weiterhin russische Suppe. Es ist eine dicke, säuerlich-salzige Suppe aus mehreren Sorten Fleisch und Wurst, mit Salzgurken, Oliven und Zitrone, serviert mit Sauerrahm; sie stammt aus Russland und hat sich im ganzen ehemaligen Ostblock verbreitet.
Moldawisches Bier: Chișinău, Litra und Lagerbiere im Schatten des Weins
Moldawisches Bier lebt im Schatten von Wein und Divin, und doch steigt sein Verbrauch Jahr für Jahr - derzeit auf 61 Liter pro Einwohner über fünfzehn Jahren. Den Markt beherrscht das helle Lagerbier Chișinău aus einer Brauerei, die sich auf das Jahr 1873 beruft und heute dem türkischen Konzern Efes gehört; daneben setzt sich die Craft-Szene durch, angeführt von der Familienbrauerei Litra.
Weinbar Wine.md: moldawischer Wein aus Selbstbedienungsautomaten in Chișinău
Wine.md ist ein Verkostungssaal mit Selbstbedienung im Zentrum von Chișinău. Hier schenkt den Gästen niemand ein: An der Bar bekommen sie eine Karte, zapfen sich an den Enomatic-Automaten selbst kleine Mengen moldawischer Weine und zahlen erst am Schluss. Die Weinbar steht an einer Kreuzung, die man die Betrunkene Ecke nennt und an der schon Ende des 19. Jahrhunderts Wein verkauft wurde, und sieht sich als ersten Verkostungssaal der Stadt seit 1985.
Bar Marlène: Signature-Cocktails im Zentrum von Chișinău
Die Cocktailbar Marlène hat um den Jahreswechsel 2019/2020 im Zentrum von Chișinău eröffnet und steht heute an der Spitze der örtlichen Ranglisten. Sie liegt im Erdgeschoss eines historischen Hauses: drei vom Art déco inspirierte Zimmer und ein versteckter Innenhof mit einer weinberankten Pergola. Ihre Signature-Cocktails mixt sie aus regionalen Aromen, vom Quittenbrand bis zum Lindenblütenhonig; den eigenen Gin lässt sie in Dänemark destillieren.