Was isst man in Barcelona?
Barcelona ist die Hauptstadt Kataloniens und die zweitgrößte Stadt Spaniens. Am Tisch ist sie aber weit mehr katalanisch als spanisch. Statt eines Brotkorbs kommt hier Brot mit Tomate auf den Tisch, vor dem Sonntagsessen geht man auf einen Vermut, und am Stephanstag kommen Cannelloni in den Ofen. Sangría und Paella bekommst du natürlich auch, vor allem in den Straßen, durch die sich die Touristen schieben - die katalanische Küche wartet nicht auf sie und lebt ein paar Blocks weiter in ihrem eigenen Rhythmus.

Markthallen in Barcelona
Am besten sieht man diesen eigenen Rhythmus in den Markthallen - fast jedes Viertel Barcelonas hat eine überdachte Halle mit Fisch, Gemüse und einer Bar, in der man vormittags isst. Die erste Erwähnung eines Fleischstands an der Stelle der heutigen Markthalle La Boqueria stammt schon aus dem Jahr 1217. Benannt ist sie nach dem Kloster Sant Josep, das hier bis zum Brand von 1835 stand; die überdachten Hallen entstanden nach 1840, und offiziell heißt die Markthalle bis heute Mercat de Sant Josep. Durch das Tor an der Rambla gehen heute mehr Besucher als in die Sagrada Família, und aus dem Markt für Einheimische ist weitgehend eine Touristenattraktion geworden. Wer lieber in Ruhe einkauft, hat den Mercat de Santa Caterina mit seinem bunten, gewellten Dach gleich in der Nähe oder den Mercat de Sant Antoni, vor dem sonntags alte Bücher verkauft werden.
In den Bars der Markthallen hält sich das "Frühstück mit der Gabel", katalanisch esmorzar de forquilla: Händler und Arbeiter, die seit dem frühen Morgen Waren abgeladen hatten, brauchten am Vormittag ein ordentliches warmes Essen - Kutteln, Kabeljau, Bohnen mit Wurst. Die Markthallen-Bars in Barcelona führen diese Tradition fort, und katalanische Websites beschreiben sie als lokale Antwort auf den globalisierten Brunch.

Vermuterías, Xampanyerias und Granjas
"Fer el vermut", also auf einen Vermut gehen, ist in Barcelona ein Wochenendritual: ein Glas vom Fass, eine Olive, Sodawasser aus dem Siphon und dazu ein paar Tapas oder etwas aus der Dose. Ausführlich schreibe ich darüber im Artikel über La hora del vermut, die spanische Vermutstunde - Barcelona gehört zu den Städten, die ihn am ernstesten nehmen, und die Bodega Quimet & Quimet im Viertel Poble Sec zapft ihn seit über hundert Jahren.
Cava entsteht im Penedès, nur ein kurzes Stück südlich der Stadt, und auf Katalanisch hieß er lange Xampany. Barcelona hat sich dafür einen eigenen Lokaltyp ausgedacht: die Xampanyeria, eine Bar für Schaumwein und Tapas. Die berühmteste, El Xampanyet gleich neben dem Picasso-Museum im Viertel Born, eröffnete die Familie Esteve 1929, und der leichte Schaumwein gleichen Namens fließt dort bis heute.
Bier hat Barcelona ein eigenes: Estrella Damm wurde 1876 in der Stadt von zwei Cousins aus dem Elsass gegründet, die nach dem Deutsch-Französischen Krieg hierher geflohen waren - daher der deutsch klingende Name des katalanischen Biers. Heute wird es im benachbarten El Prat de Llobregat gebraut und feiert 2026 seinen 150. Geburtstag; mehr dazu im Artikel über spanisches Bier. Mit einer Gratis-Tapa wie in Granada rechnest du hier aber besser nicht - in Barcelona zahlt man für das Essen zum Bier.
Und dann gibt es noch die Granjas, die Milchbars. Die Carrer Petritxol im Gotischen Viertel ist voll davon: die Granja Dulcinea seit 1941, die Granja La Pallaresa seit 1947. Man bestellt einen Suís, eine dicke heiße Schokolade mit einem Berg Sahne, und dazu Churros zum Eintunken. Kakao liegt der Stadt im Blut - ColaCao, das Pulver, das jedes spanische Kind kennt, entstand 1946 im Barceloner Viertel Gràcia. Und wenn es heiß ist, geht man in die Orxaterias: Orxata ist ein Getränk aus Valencia, nach Barcelona brachten sie aber vor hundert Jahren Zuwanderer aus dem Süden. La Valenciana schenkt sie seit 1910 aus, Sirvent seit 1928.

Was man in Barcelona probiert
- Bomba de la Barceloneta. Ein frittiertes Kartoffelbällchen mit Fleischfüllung, serviert mit Aioli und scharfer Sauce. Die Bomba entstand in den 1950er-Jahren in der Bar La Cova Fumada im Hafenviertel Barceloneta und ist eine der wenigen Tapas, die sich Barcelona selbst ausgedacht hat.
- Bikini. Getoastetes Sandwich mit Schinken und Käse, Teil des spanischen Frühstücks. Seinen Namen hat es vom Barceloner Tanzsaal Sala Bikini: Unter Franco waren ausländische Namen für Gerichte nicht gern gesehen, deshalb verkaufte man den französischen Croque-monsieur hier als "hausgemachtes Sandwich", und die Gäste nannten es irgendwann nach dem Lokal.
- Canelons. Cannelloni, gefüllt mit Bratenfleisch und mit Béchamel überbacken. Nach Barcelona brachten sie Ende des 18. Jahrhunderts italienische Köche großbürgerlicher Haushalte; heute sind sie das katalanische Gericht zum Stephanstag, Sant Esteve, am 26. Dezember.
- Pa amb tomàquet. Brot, eingerieben mit Tomate und Knoblauch, mit Salz und Olivenöl. Erfunden wurde es im 19. Jahrhundert auf dem katalanischen Land, in den Restaurants Barcelonas ist es aber die selbstverständliche Beilage zu allem.
- Crema catalana. Eigelbcreme mit karamellisierter Kruste, in katalanischen Kochbüchern schon im 14. Jahrhundert belegt; traditionell isst man sie am Josefstag, dem 19. März. Sie ist in ganz Katalonien zu Hause, in Barcelona steht sie aber auf jeder Karte.
- Botifarra amb mongetes. Katalanische Bratwurst mit weißen Bohnen, oft als Nationalgericht Kataloniens bezeichnet. Eine Spezialität Barcelonas ist sie nicht, in den traditionellen Restaurants der Stadt gehört sie aber zum festen Repertoire.
- Esqueixada. Kalter Salat aus zerzupftem Salzkabeljau, Tomaten und Zwiebeln - ein katalanischer Sommerklassiker, den fast jedes traditionelle Lokal in Barcelona auf der Karte hat.
- Mel i mató. Frischkäse mit Honig, ein Dessert, das man mit dem Wallfahrtsort Montserrat unweit der Stadt verbindet; den Käse Mató erwähnt schon das mittelalterliche Kochbuch Sent Soví.
- Calçots. Gegrillte Frühlingszwiebeln mit Romesco-Sauce. Zu Hause sind sie in Valls bei Tarragona, von Januar bis März stehen sie aber auch in Barcelonas Restaurants auf der Karte - und zu einer richtigen Calçotada fahren die Leute aus Barcelona hinaus aufs Land.
- … und wer mehr will, findet Dutzende weitere spanische Gerichte in der Liste: Was man in Spanien probiert.

Wer nur ein paar Tage in Barcelona hat, schafft das Wesentliche: vormittags die Markthalle, mittags einen Vermut, nachmittags eine Granja und abends einen katalanischen Klassiker. Genau in dieser Reihenfolge lebt die Stadt.
Lass es dir in Barcelona schmecken!
Cava: der spanische Schaumwein, der nicht Champagner heißen darf
Der Cava ist ein spanischer Schaumwein, der seine Perlage einer zweiten Gärung direkt in der Flasche verdankt, genau wie Champagner - nur aus den katalanischen Rebsorten Macabeu, Xarel·lo und Parellada und unter einem Namen, der Keller bedeutet. Fast der gesamte Cava entsteht im Penedès rund um das Städtchen Sant Sadurní d'Anoia. Neben der Geschichte und dem Streit um den Namen geht es im Artikel auch um eine Flasche Mestres Visol Gran Reserva aus Alicante.