Bier | Seite 2 von 3
Porter bałtycki: kräftiges dunkles Bier von der Ostsee
Ein kräftiges dunkles Bier, das rund um die ganze Ostsee gebraut und heute vor allem in Polen gefeiert wird. Der untergärige Nachfahre des Londoner Porters schmeckt nach Trockenobst, Kakao und Karamell, reift durch lange kalte Lagerung und hat meist 8 bis 9,5 Prozent Alkohol. Die Polen haben ihm sogar einen eigenen Feiertag gewidmet, der auf den dritten Samstag im Januar fällt.
Grodziskie: rauchiges Weizenbier aus Großpolen
Grodziskie ist ein leichtes Weizenbier aus Grodzisk Wielkopolski in Polen, das seinen markanten Geschmack von über Eichenholz geräuchertem Malz bekommt. Wegen seiner kräftigen Perlage nannte man es polnischen Champagner, und das Grodzisk der Zwischenkriegszeit exportierte es in Dutzende Länder. In den Neunzigerjahren wurde die Produktion eingestellt, doch polnische Hobbybrauer haben den Stil wiederbelebt, und seit 2015 wird das Bier auch in seiner Heimatstadt wieder gebraut.
Grzane piwo: polnisches Glühbier
Grzane piwo ist erhitztes Bier mit Gewürzen, das die Polen im Winter in Kneipen und Bars trinken. Die Barversion: helles Lagerbier, Nelken, Zimt und ein süßer Sirup - Ingwer oder Himbeere. Über Jahrhunderte kannten die Polen heißes Bier allerdings vor allem als Frühstückssuppe; die heutige Form im Becher ist viel jünger, und im Handel gibt es auch fertige Flaschen, die man nur noch erwärmen muss.
Spanisches Bier: Glasgrößen, Sorten und Marken
Spanien trinkt sein Bier in kleinen Portionen, sehr kalt und nach dem Namen des Glases: Caña, Tubo, Jarra, im Baskenland Zurito. Aus dem Zapfhahn kommt fast immer das helle Lagerbier Rubia, und in Granada oder León gehört eine Tapa gratis dazu. Die sieben bekanntesten Marken von Mahou bis Estrella Galicia haben nur vier Eigentümer, und die drei Sterne auf den Etiketten verbindet nichts als das alte Zunftzeichen der Brauer.
Der Prager Bier-Zoo
Der Bier-Zoo ist ein inoffizieller Rundweg durch Prager Kneipen mit Tiernamen - und keine zwei Versionen der Liste stimmen überein. Diese führt durch elf Gehege: vom barocken U Černého vola unterhalb der Burg über Hrabals U Zlatého tygra bis zum Brauereihof von Dva Kohouti. Bei jeder Bierstube findest du Geschichte, Innenraum, Kuriositäten und das, was wo gezapft wird.
Brauerei Svijany: unpasteurisiertes Bier aus dem Isertal
Die Brauerei, die die neuen englischen Eigentümer in den neunziger Jahren schließen wollten, ist heute die größte unabhängige Brauerei in rein tschechischer Hand. Svijany braut alle Biere ohne Pasteurisierung, einen Teil des Saazer Hopfens baut die Brauerei selbst an, und die dunkle Kněžna sammelt zusammen mit dem alkoholfreien Vozka seit zwanzig Jahren Medaillen. Im Regal greife ich am häufigsten zu ihrem Weizen.
Brauerei Zichovec: Familienbier vom ehemaligen Panzerschießplatz
Die Familienbrauerei Zichovec fing 2012 in einem winzigen Dorf an der Grenze zwischen den Regionen um Kladno und Louny an, heute braut sie rund 130 Biersorten im Jahr. Das Lagerbier Krahulík trägt den Namen eines Bürgermeisters aus Zichovec, das Spezialbier Magor verdankt seinen Namen der Reaktion, die sich die Familie auf ihr Vorhaben anhören musste. Dazu Portweinfässer und der Grund, warum du zum bitteren Hotline greifen solltest.
Armenisches Bier: Kilikia, Gyumri und das Getränk, das Xenophon trank
Armenisches Bier ist heute fast ausnahmslos ein helles Lagerbier aus Wasser, Gerstenmalz und Hopfen, das im Land des Weins und des Brandys im Schatten steht, obwohl davon mehr produziert wird als Wein. Auf Armenisch heißt es Garedschur, wörtlich Gerstenwasser, und die älteste Beschreibung von Bier auf armenischem Boden stammt schon aus Xenophons Anabasis. Die größten Marken sind Kilikia, Kotayk und Gyumri.
Hejnická putovnice: ein Klosterbier für den Wallfahrtsort Hejnice
Die Hejnická putovnice ist ein helles, unfiltriertes Lagerbier, das sich das Kloster in Hejnice im Friedländer Land von der Kleinbrauerei Volt in Jablonec brauen lässt. Ihren Namen hat sie von der Pilgerin auf dem Etikett, die zügig zur Basilika von Hejnice ausschreitet. Es ist ein Klosterbier ohne Mönche: Das Ordensleben endete in Hejnice 1950, verkauft wird das Bier an Pilger und Kurgäste trotzdem weiter.
Schweizer Bier
1990 hatte die Schweiz 32 Brauereien, heute sind es über tausend - weltweit die meisten pro Kopf. Hinter dem Sprung steht der Fall eines Kartells, das dem Land ein halbes Jahrhundert lang vorschrieb, wer was brauen durfte. Von den Lagerbieren aus dem Schloss Feldschlösschen über das Basler Ueli aus der ersten Gasthausbrauerei des Landes bis zu Chopfab, dessen Name nicht das bedeutet, was hier jahrelang stand.