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Süßigkeiten | Seite 10 von 11

Tschechien

Heidelbeerknödel von der Kohútka

Auf der Kohútka, dem Kamm der Javorníky über meinem Heimatdorf, rufen manche Gäste erst einmal an und fragen, ob an diesem Tag Heidelbeerknödel gekocht werden. Aus Hefeteig, dick mit Mohn und Zucker bestreut und mit Butter übergossen, nach dem Rezept einer Großmutter, die vierundachtzig ist und immer noch in der Küche mithilft. An einem Wochenende gehen über tausend davon weg - und eine einzige Riesenportion macht locker zwei Leute satt.

Portugal

Tigelada: portugiesischer Nachtisch aus dem Ofen

Das Rezept für die Tigelada nahm eine portugiesische Infantin im 16. Jahrhundert als Teil ihrer Mitgift mit nach Italien; heute liegt dieser gebackene Nachtisch aus Eiern, Milch und Zucker auch in den Kühlregalen portugiesischer Supermärkte. Beheimatet ist er in Mittelportugal, wo zwei offizielle Rezepturen nebeneinander bestehen - mit Zucker oder mit Honig und Ziegenmilch - und wo ihm jeden August ein eigenes Festival gewidmet ist.

Portugal

Beijinhos de amor: süße Küsse aus Lousada

Drei ganze Eier und fünfzehn Eigelbe auf sechshundert Gramm Teig - schon das Rezept verrät, dass die Beijinhos de amor einen klösterlichen Stammbaum haben. Die Küsse der Liebe, kleine Eigelbküchlein in einer Zuckerschale aus dem portugiesischen Lousada, halten sich mehrere Monate und überstehen sogar die Heimreise im Koffer. Woher kommt ihr Name, und warum sitzt der bekannteste Hersteller jenseits der Gemeindegrenze?

Italien

Cornetto: die italienische Antwort auf das Croissant

Das Cornetto ist die italienische Variante des Croissants: Plunderteig zum Hörnchen gerollt, mit Ei und Zucker im Teig, weicher und süßer als das französische Original und fast immer gefüllt mit Creme, Schokolade, Marmelade oder Pistaziencreme. In Norditalien heißt es Brioche, im Regal Croissant, an der Theke Cornetto. Gegessen wird es morgens zum Cappuccino, und sein Stammbaum führt ins mittelalterliche Wien, nicht nach Paris.

Italien

Pardulas: sardische Küchlein mit Ricotta

Pardulas sind kleine sardische Küchlein aus geknifftem Teig, gefüllt mit Schafsricotta, Safran und Zitrusschale und goldgelb gebacken. Ursprünglich waren sie ein Ostergebäck, das Kinder an Allerseelen von Haus zu Haus trugen; heute wird es auf Sardinien das ganze Jahr über gebacken - und mit jeder Gegend der Insel ändern sich Name und Füllung: mal kommt frischer Käse hinein, mal Rosinen. Wonach sie benannt sind, weiß bis heute niemand sicher.

Italien

Crostata: der italienische Gitterkuchen

Die Crostata ist ein italienischer Kuchen aus Mürbeteig, mit einer Schicht Marmelade oder Creme und einem Gitter aus Teigstreifen obenauf. Zu Hause wird sie für den Sonntag gebacken, in der Bar kommt sie zum Kaffee, und in der Bäckerei kaufst du sie nach Gewicht. Ihren Namen hat sie von der Kruste, nicht von der Füllung, und unter diesem Namen ist sie in italienischen Kochbüchern des 15. Jahrhunderts belegt. Ihre nächste Verwandte ist die österreichische Linzer Torte.

Italien

Gueffus: sardische Mandelkugeln im bunten Bonbonpapier

Gueffus sind sardische Mandelkugeln: gemahlene Mandeln, Zucker und Zitronenschale werden nur im Topf aufgekocht, gerollt, in Zucker gewälzt, und jede Kugel wird wie ein Bonbon in buntes Papier mit ausgefransten Enden gewickelt. Auf ganz Sardinien macht man sie unter mehreren Namen, sie gehören zu Hochzeiten, Taufen und Weihnachten - und die Legende von den Zinnen auf dem Papier hat sich eine Schriftstellerin ausgedacht.

Italien

Delizia al limone: das Zitronendessert aus Sorrent und Amalfi

Die Delizia al limone ist ein Zitronendessert aus dem italienischen Kampanien: zwei Biskuithalbkugeln, mit Zitronencreme zusammengesetzt, mit Limoncello-Sirup getränkt und mit einer dicken Zitronenglasur übergossen. Erfunden hat sie 1978 der Sorrentiner Konditor Carmine Marzuillo, beinahe hätte sie Zitronenseufzer geheißen. Heute nimmt sie die ganze Küste von Sorrent über Amalfi bis Neapel für sich in Anspruch.

Italien

Antica Gelateria Sorrentina: die familiengeführte Eisdiele in Sorrent

In der via Fuoro in Sorrent lockt ein älterer Herr in eine kleine Eisdiele, dazu ein Schild mit der Jahreszahl 1860. Belegen kann die Jahreszahl niemand, die verbürgte Geschichte ist aber schöner: Die Familie Gargiulo handelte hier einst mit Milch, und von der Milch war es zum Eis nur ein kurzer Schritt. Heute macht die dritte Generation das Eis, und das Aushängeschild ist die Crema amalfitana, eine Milchcreme mit Zitrone.

Tschechien

Kuroblaten: knuspriges Gebäck aus Karlsbad und anderen Kurorten

Kuroblaten sind zwei dünne runde Blätter knusprigen Teigs, zusammengeklebt mit einer süßen Füllung aus Zucker, Nüssen, Zimt oder Schokolade. Karlsbad hat den ältesten Beleg dafür, dass hier Oblaten gebacken wurden, und es hat die geschützte Bezeichnung mit Sprudelwasser im Teig; ihre heutige Gestalt bekam die Oblate aber in Marienbad. Woher die Oblaten ihren Namen haben, warum drei Staaten um sie stritten und warum du dir auf der Kolonnade die warme Oblate kaufen solltest.