Tipps für Essen auf Reisen | Seite 42 von 62
Bol renversé: die umgedrehte Schüssel aus Mauritius
Das Bol renversé ist ein mauritisches Gericht mit Trick: eine umgekehrt gefüllte Schüssel - Ei, Fleisch mit Gemüse in Soja-Austern-Sauce, Reis - wird auf den Teller gestürzt und erst am Tisch vom Kellner enthüllt. Entstanden ist es in der chinesischen Gemeinschaft der Insel aus dem kantonesischen Chop Suey, heute kocht man es überall auf Mauritius und auf La Réunion. Ich habe es in Flic en Flac gegessen, und in einer Küche voller frittierter Gerichte war es eine angenehme Ausnahme.
Gato arouille: frittierte Tarobällchen aus Mauritius
Der Gato arouille ist ein mauritisches frittiertes Bällchen aus roh geriebenem Taro, gewürzt mit Ingwer, Salz, einer Prise Zucker und Sojasauce. Verkauft wird er heiß und stückweise als gajak, als Straßensnack zum Bier. Knusprige Oberfläche, weiches faseriges Inneres - und eine Zutat, für die die Köchin beim Reiben Handschuhe anzieht, weil sie roh auf der Haut brennt.
Mauritischer Rum: Destillat aus Melasse und Zuckerrohrsaft
Mauritischer Rum hat zwei Gesichter: den älteren aus Melasse und den jüngeren aus frischem Zuckerrohrsaft, den die Insel nach der Unabhängigkeit jahrzehntelang verboten hat. Ich erkläre dir, warum sich der Rum aus Saft nicht Agricole nennen darf, was das Fass in den Tropen mit ihm anstellt, wonach Penny Blue benannt ist und wie du eine Flasche für den Heimweg am günstigsten kaufst.
Mine bouillie: gekochte Nudeln aus Mauritius
Die Mine bouillie sind gekochte Eiernudeln mit Fleisch und Gemüse, das bescheidenste Gericht der chinesischen Einwanderer auf Mauritius. Hinter dem einen Namen verbergen sich zwei Varianten - trockene Nudeln mit Sauce und Ei oder Nudeln in klarer Ingwerbrühe - und welche du bekommst, entscheidet das Bistro. Dan hat sie in Flic en Flac gegessen und erklärt, warum trotz des französischen Namens kein Brei dahintersteckt.
Litschi: die tropische Frucht, die auf Mauritius zu Weihnachten reift
Litschis werden auf Mauritius nicht gepflückt, sondern geschnitten - mitsamt dem Zweig, denn nach der Ernte reifen sie nicht mehr nach, sie werden nur braun. Den chinesischen Baum brachten 1764 die Franzosen hierher, und heute isst die Insel den größten Teil der Ernte selbst, während die Weihnachtslitschis in Europa aus Madagaskar kommen. Ich war bei der Ernte auf der Plantage: Die Frucht direkt vom Baum schmeckt anders als alles, was bei uns ankommt.
Bistro Farata Aka Vinoda: Farata direkt am Strand von Flic en Flac
Ein Stand mit Blechdach am Strand von Flic en Flac hat bei Google eine Bewertung, für die sich manches Restaurant nicht schämen müsste. Farata Aka Vinoda füllt frische Farata mit allem von Gemüse bis Oktopus, die Schlange rückt mittags schnell vor, und die Preise bleiben dieselben wie in Lokalen weit weg von den Touristenstränden.
Lao Fang Zi: kantonesisches Restaurant in Flic en Flac
Das Lao Fang Zi, chinesisch Altes Haus, ist ein kantonesisches Restaurant unweit des Zentrums von Flic en Flac - und dabei eines der jüngsten Lokale der örtlichen chinesischen Restaurantszene. Hier kochen die Nachfahren von Einwanderern aus Kanton und Meixian, die der Insel gebratene Nudeln und gedämpfte Klößchen gebracht haben. Abendessen für ein paar Hundert Rupien: zwei Teller Hähnchen, eine große Portion Reis und die einzige Kartenzahlung in einem Restaurant während des ganzen Inselaufenthalts.
Napolitaine: der mauritische Keks mit rosa Zuckerguss
Die Napolitaine ist ein rosa Keks aus den Bäckereien von Mauritius: zwei Scheiben mürber Butterteig, mit Guaven- oder Erdbeermarmelade zusammengeklebt und mit hartem Zuckerguss übergossen. Der Name verspricht Neapel, mit Italien hat sie aber nichts zu tun - sie ist der Snack der ganzen Insel, den Mauritius nur mit dem benachbarten La Réunion teilt und der sich in der Dose mehrere Tage hält.
Tekwa: süße mauritische Teigtasche mit gelben Spalterbsen
Tekwa ist eine mauritische frittierte Teigtasche aus dünnem Teig, gefüllt mit einer süßen Masse aus gemahlenen gelben Spalterbsen, Zucker und Fenchel, oft auch mit Kokos. Den Namen brachten im 19. Jahrhundert indische Arbeiter aus Bihar mit, die Füllung dagegen ist eine Erfindung der Insel. Verkauft wird sie warm in der Tüte auf den Märkten, gegessen wird sie aus der Hand, meist als Snack zum Nachmittagstee.
Gâteaux piment: das frittierte Bällchen aus gelben Spalterbsen von Mauritius
Das frittierte Bällchen aus zerstoßenen gelben Spalterbsen, Chili und Curryblättern ist das am weitesten verbreitete Street Food auf Mauritius. Auf Französisch ist es nach einem Kuchen benannt, auf der Nachbarinsel Réunion nach einem Bonbon - und die Wahrheit sagt keiner der beiden Namen. Auf die Insel brachten es im 19. Jahrhundert indische Arbeiter, gegessen wird es zu jeder Tageszeit, am besten heiß und gern auch ins Baguette mit Butter gedrückt.