Tipps für Essen auf Reisen | Seite 36 von 62
Tan: armenisches Salzgetränk aus Matsun-Joghurt
Tan ist ein armenisches Salzgetränk aus der mit Wasser verdünnten Sauermilch Matsun - der dünnere und säuerlichere Cousin des türkischen Ayran, ohne Schaum und gern auch mit Kohlensäure, Minze oder Gurke. Was sein Name bedeutet, warum Armenien und Georgien um Matsun streiten, wie sich Tan von Ayran und Doogh unterscheidet und was ein Glas hausgemachter Tan im Restaurant Lavash in Eriwan gekostet hat.
Dschermuk: armenisches Mineralwasser aus dem Bergkurort
Dschermuk ist das bekannteste armenische Mineralwasser und zugleich eine Kurstadt in Wajoz Dsor, wo Hunderte heißer Quellen aus dem Boden treten. Das Wort dschermuk heißt auf Armenisch heiße Quelle; das Wasser daraus ist natriumhaltig, leicht salzig und stark kohlensäurehaltig und wird seit 1951 abgefüllt. In Restaurants in ganz Armenien kommt es in der kleinen Glasflasche auf den Tisch, in der Kolonnade in Dschermuk trinkt man es direkt aus der Quelle.
Armenisches Bier: Kilikia, Gyumri und das Getränk, das Xenophon trank
Armenisches Bier ist heute fast ausnahmslos ein helles Lagerbier aus Wasser, Gerstenmalz und Hopfen, das im Land des Weins und des Brandys im Schatten steht, obwohl davon mehr produziert wird als Wein. Auf Armenisch heißt es Garedschur, wörtlich Gerstenwasser, und die älteste Beschreibung von Bier auf armenischem Boden stammt schon aus Xenophons Anabasis. Die größten Marken sind Kilikia, Kotayk und Gyumri.
Granatapfelwein: armenischer Obstwein
Halbsüß, rubinrot und nach den meisten Gesetzen der Welt eigentlich gar kein Wein: Granatapfelwein wird in Armenien aus Granatapfelsaft statt aus Trauben vergoren und kostet im Supermarkt einen Bruchteil der Traubenweine im selben Regal. Was nran gini bedeutet, warum die Tradition jünger ist, als die Reiseführer behaupten, wer ihn außer Armenien noch macht und wie eine Flasche der Marke Ijevan schmeckt.
Restaurant Lavash: armenische Küche in Eriwan mit eigener Farm
Das Restaurant Lavash im Zentrum von Eriwan serviert armenische Klassiker modern und bezieht die meisten Zutaten von den eigenen Farmen der Gruppe Yeremyan Projects. Im Untergeschoss backt es Lavash-Brot im Lehmofen Tonir, zum Frühstück gibt es ein Glas frische Milch, und auf der Karte steht von den Khorovats-Rippchen bis zur Suppe Nraneh fast die ganze armenische Küche. Ich bin in Eriwan nirgends so oft eingekehrt.
Tavern Yerevan: armenische Küche mit Musik und Kulturprogramm
Tavern Yerevan ist eine Eriwaner Restaurantkette, die zur armenischen Küche ein Abendprogramm serviert: Volkslieder mit Duduk, am Hrasdan sogar eine mehrstündige Show mit Feuer. Drei Filialen, eine Gebühr für den Blick auf die Bühne und ein Cocktail unter einer Rauchglocke.
Markthalle GUM: der überdachte Markt in Eriwan mit sowjetischem Namen
Die Markthalle GUM in Eriwan trägt den Namen des sowjetischen Kaufhauses, das an ihrer Stelle stand, und führt ein Sortiment, in dem die ganze armenische Küche steckt: getrocknete Aprikosen, Sujukh aus Walnüssen, Zöpfe aus wildem Sauerampfer und Käse, der im Tongefäß eingegraben reift. Ich bin bei 37 Grad durch die Halle gelaufen, habe jede Kostprobe abgelehnt und bin ohne Einkauf wieder raus - dafür mit einer Liste für das nächste Mal.
Was aus Armenien mitbringen?
Armenien gehört zu den kulinarisch reichsten Ländern, die ich bereist habe, und kulinarische Mitbringsel findet man dort in Hülle und Fülle. Mitgebracht habe ich eine Geschenkpackung Brandy Ararat, getrocknete Aprikosen und Pfirsiche, den süßen Sujukh aus Walnüssen und Lavash mit Holzkohle. Für die lange Heimreise haben sich der Zupfkäse Chechil und Salamisticks bewährt.
Paris-Brest: ein Dessert aus dem Radsport
Der Brandteigkranz mit Praliné-Creme trägt den Namen des Radrennens von Paris nach Brest und zurück - und ist in keiner der beiden Städte entstanden. Die verbreitetste Version schreibt das Dessert dem Konditor Louis Durand aus Maisons-Laffitte zu. Ich habe es in einem Pariser Restaurant mit Bib Gourmand probiert und verrate dir, woran du ein gelungenes Stück erkennst.
Kleckselkuchen: der sächsische Kuchen, den man in Nordböhmen vor der Hochzeit verteilt
Der Kleckselkuchen sieht aus wie ein Missgeschick in der Küche: Auf dem Quark liegen mit dem Löffel hingeklatschte Mohnstreifen und Marmeladenkleckse, darüber Streusel mit Mandeln. Entstanden ist er um 1900 in Leipzig als Rezept für Reste; in Nordböhmen bekam er eine Rolle bei der Hochzeit, die Familie der Braut verteilt ihn vor dem Fest an die Verwandten. Einer landete in der Gegend um Česká Lípa auch auf meinem Tisch.