Tipps für Essen auf Reisen | Seite 56 von 62
Markt Alexandru cel Bun, Iași: ein Markt für Einheimische
Der Markt Alexandru cel Bun ist der größte Markt in Iași - ein Hektar Stände in einem Wohnviertel, in dem die Einheimischen einkaufen und nicht die Touristen. Ich habe dort zum ersten Mal ganze Krautköpfe gesehen, die für Sarmale vergoren werden, dazu Fässer mit Salzgurken, Meerrettich, der kiloweise über die Theke geht, und frisch geschälte Walnüsse. Der Name des Marktes verweist auf eine Urkunde von 1408, die älteste erhaltene Erwähnung von Iași.
Cozonac: das süße rumänische Festtagsbrot
Der Cozonac ist ein rumänisches Festtagsgebäck aus reichem Hefeteig, gefüllt mit Nüssen, Kakao, Mohn oder Lokum, spiralförmig eingerollt und in einer länglichen Form gebacken. Er kommt zu Weihnachten wie zu Ostern auf den Tisch und gehört zu einer Familie, zu der auch der bulgarische Kozunak, das griechische Tsoureki oder der italienische Panettone zählen. Einen guten Cozonac erkennst du daran, dass er sich in langen Fasern zu Streifen zerrupfen lässt.
Covrigi: rumänische Brezeln
Covrigi sind rumänische Brezeln: Ringe aus Hefeteig, bestreut mit Mohn, Sesam oder Salz, die im ganzen Land aus den Fenstern der Bäckereien verkauft und noch warm gegessen werden, am besten mit Kefir. Den Namen hat Rumänien vom bulgarischen Brotlaib entlehnt, die berühmtesten dünnen Ringe kommen aus Buzău. In Iași kauft man sie am Verkaufsfenster der Kette Petru und in der Bäckerei Calzi Miki, die kaum größer ist als ein Zeitungskiosk.
Rumänischer Wein: die Rebsorte Fetească, Cotnari und zwei Flaschen aus Iași
Rumänien ist der sechstgrößte Weinproduzent der Europäischen Union, und trotzdem kennt seinen Wein jenseits der Grenzen kaum jemand - das Land trinkt ihn fast vollständig selbst. Er beruht auf eigenen Rebsorten, deren Namen aus der Familie kommen: Fetească ist die Mädchenhafte, Băbească die der Großmutter, und Tămâioasă duftet nach Weihrauch. Sie wachsen an beiden Ufern des Pruth, Rumänien teilt sie sich also mit der Republik Moldau - und streitet zugleich darum, wem sie gehören; in Cotnari kommt die süße Grasă dazu.
Rumänisches Bier: Ursus, Timișoreana, PET-Flaschen und die Craft-Szene
Rumänisches Bier ist in den meisten Gläsern ein helles Lagerbier von einem der drei ausländischen Konzerne, denen Ursus, Timișoreana, Ciuc und Bergenbier gehören. Die erste Brauerei gründete die habsburgische Armee 1718 in Timișoara, die Zweieinhalbliter-Plastikflaschen eroberten das Land in den Neunzigerjahren, und seit 2013 wächst die Craft-Szene, auch in Iași. Ein Überblick über die Marken und über vier Biere, die ich probiert habe.
Beraria Veche: ein Bierlokal mit Pfannen voller Fleisch in Iași
Beraria Veche trägt den Namen einer berühmten Brauerei aus Iași, die heute nicht mehr steht - dabei gibt es das Lokal selbst erst seit 2012. Im Bierlokal in der Strada Sărărie gibt es rumänische Klassiker von der Ciorbă bis zu den Mici, und am sättigendsten sind die Fleischpfannen, die zwei Leute satt machen. Und die Übersetzung des Namens als Alte Brauerei ist falsch und richtig zugleich.
Colivă: der Trauerweizen, den man in Rumänien für die Seelen der Verstorbenen verteilt
Colivă ist süßer gekochter Weizen mit Walnüssen, Zucker und Zimt, zu einem Hügel geformt und mit einem Kreuz aus Kakao verziert. In Rumänien wird sie nicht zum Mittagessen gekocht, sondern für Beerdigungen und Totengedenkgottesdienste, nach denen man sie vor der Kirche als Almosen für die Seele des Verstorbenen verteilt. Der Brauch ist in der ganzen orthodoxen Welt von Griechenland bis Serbien verbreitet, ihren Namen hat sie von einer griechischen Kleinmünze.
Heidelbeerknödel von der Kohútka
Auf der Kohútka, dem Kamm der Javorníky über meinem Heimatdorf, rufen manche Gäste erst einmal an und fragen, ob an diesem Tag Heidelbeerknödel gekocht werden. Aus Hefeteig, dick mit Mohn und Zucker bestreut und mit Butter übergossen, nach dem Rezept einer Großmutter, die vierundachtzig ist und immer noch in der Küche mithilft. An einem Wochenende gehen über tausend davon weg - und eine einzige Riesenportion macht locker zwei Leute satt.
Cachorrinho: der portugiesische Hotdog
Man nennt ihn den portugiesischen Hotdog, dabei hat er mit einem klassischen Hotdog fast nichts gemeinsam. Der Cachorrinho ist der Biersnack aus Porto - ein Sandwich mit zwei Würsten und geschmolzenem Käse, in kleine Häppchen geschnitten. Die bekannteste Adresse ist die Bierkneipe Gazela, die Anthony Bourdain in Parts Unknown berühmt gemacht hat.
Francesinha: das berühmteste Sandwich Portos
Ein überbackenes Sandwich voller Schinken, Wurst und Steak, ertränkt in einer scharfen Sauce aus Bier und Tomaten: Das ist die Francesinha, der Stolz von Porto. Sie entstand in den fünfziger Jahren als Portos Antwort auf den französischen Croque-monsieur; ihren Namen soll sie von den Französinnen haben - den pikantesten. Für die beste stehen die Leute in Porto Schlange, etwa vor dem Café Santiago.